Buch des Monats März 2019

Anna Ruhe: Die Duftapotheke

Das Rätsel der schwarzen Blume

Illustrationen von Claudia Carls
Arena-Verlag 2018, 288 Seiten ,Lesealter ab 10 Jahre

 Luzie Alvenstein und ihr kleiner Bruder Benno hüten sorgfältig das Geheimnis ihres Hauses, der „Villa Evie“. Tief unten in ihrem Keller befindet sich hinter einem versteckten Zugang eine Duftapotheke. Hier reihen sich in den Schränken  unzählige gläserne Flakons aneinander, deren Inhalt, freigesetzt durch den Duft, verschiedenste Wirkungen auslösen kann – zum Guten wie zum Bösen.

Hanne, die rechtmäßige Besitzerin dieser Apotheke, wurde beispielsweise  jahrelang an ihrer Arbeit gehindert, weil der arglistige alte Gärtner Willem sie mit dem „Duft des ewigen Vergessens“ besprüht hat. Auch Luzies Freund Mats gehört zu seinen Opfern. Willem hat seinen Vater dem  „Lieblosen Duft“ ausgesetzt, was dazu geführt hat, dass der seine Familie verlassen hat. Nun versucht der Junge verzweifelt ein Gegenmittel herzustellen. Der gemeine Gärtner ist mittlerweile zwar vertrieben  worden, doch Hanne und die Kinder trauen der Sache nicht.

Die Duftapothekerin  vermittelt Luzie, Benno und Mats all ihr Natur- und Heilwissen um sie gut auszubilden. Doch bei der Herstellung eines neuen Rezeptes müssen sie feststellen: Das schwarze Meteorpulver ist weg!  Das Pulver, ohne das Düfte keine Wirkung entwickeln. Willem!  Nur er kennt sich in den Räumen aus und kann es in seinen Besitz gebracht haben.

Die gemeinsame  Suche nach dieser wichtigen  Zutat gerät zu einer spannenden Abenteuerreise, die sie bis nach Amsterdam führt. Unheimliche Begegnungen fordern sie heraus, Menschen, die schon tot sein müssten sowie geisterhafte „Ewige“. In gefährlichen Situationen retten sich die Kinder durch „hilfreiche“ Düfte, aber sie müssen alles riskieren. Nur mit Hilfe des Meteorpulvers können sie die Duftapotheke retten und hoffentlich Mats Vater erlösen.

Luzie als Ich-Erzählerin  offenbart den Lesern die Geheimnisse der Duftapotheke und schildert emotional die  Herausforderungen, die sie gemeinsam bestehen müssen. Von Beginn an wird der Leser in einen Strudel der Geheimnisse gezogen und begibt sich gespannt in die sich auftuenden Fantasiewelten. Genau diese Wirkung erzeugt auch das detailreich gestaltete Buchcover von Claudia Clark. Ihre im Buchinneren gezeichneten schwarz-weißen Blüten und Blumenranken weben förmlich an der Geschichte mit.

Anna Ruhe schreibt in einem altersangemessenen fesselnden Erzählstil. Immer wieder baut sie Spannung auf oder führt zu überraschenden Wendungen,  so dass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte. Übersichtliche Kapitel gliedern ihren Text.

Jungen sollten sich von dem Mädchen auf dem Titelbild nicht abschrecken lassen.Die Geschichte wird auch sie in ihren Bann ziehen; es ist zu empfehlen!

Der vorliegende zweite Band der Duftapotheke (Band 1: Ein Geheimnis liegt in der Luft) kann ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Buch des Monats Februar 2019

Anu Stohner: Gretas Ferien

Illustrationen von Hildegard Müller
dtv – Reihe Hanser 2015, 128 Seiten, Lesealter ab 9 Jahre

Auch wenn das Buchcover es nahe legt, „Gretas Ferien“ ist kein Buch für Pferdefreunde. Die etwa neunjährige Greta und ihre 15-jährige Schwester Julia nähern sich in ersten pubertären Regungen vielmehr dem Jungengeschlecht an und testen aus, was Verliebt sein bedeutet.

Das gebuchte familienfreundliche Hotel „Alpenblick“ enttäuscht nicht nur Julia, die keinen „Kinderurlaub“ mehr machen will, in ihren Erwartungen. Das Gebäude sieht wie ein in die Jahre gekommenen Spukschloss aus und zum Empfang öffnet ihnen erst nach längerem Klopfen ein zerzauselter Greis, der brummend ohne nähere Erklärung die Zimmerschlüssel übergibt. Der nächste Tag bringt weitere enttäuschende Überraschungen. Die meisten Kinder unter den Gästen sind „Pupsies“ (also jünger) und das Reitvergnügen hält sich in Grenzen: Für 13 Kinder steht nur ein Pferd zur Verfügung, und das ist auch noch alt und müde. Der Swimmingpool ist viel zu klein, also lediglich zum Planschen geeignet. Verständlich, dass sich die Schwestern dann lieber für „süße Typen mit Sonnenbrille“ interessieren.

Greta findet an dem finnischen Jungen Timo Gefallen. Er war schon mehrmals Gast in dem Hotel und weiß, dass in den alten Gemäuern „Fräulein Triezitas“ spukt. Um ihr Vertrauen zu gewinnen, weiht er Greta in sein Geheimnis ein. Er gehört dem Club der Geisterjäger an und will sie ebenfalls als Mitglied gewinnen. Zwar muss sie eine Mutprobe bestehen, aber Timo wird ihr zur Seite stehen und ihr helfen. So werden für Greta aus den sich enttäuschend anlassenden Ferien doch noch interessante, spannende Tage.

Gretas Erlebnisse vermittelt die Autorin dem Leser über SMS-Mitteilungen zwischen ihr und der Freundin Nina. Das Buch suggeriert also, es handele sich dabei um einen Chat. Stilistisch wirkt das sehr konstruiert, vor allem in Phasen ständiger gegenseitiger kurzer Texte, oft nur in Form von Ausrufen, Emojies oder überschwänglichen Grüßen. Der lockere Erzählfluss der annehmbaren Handlung wird damit ausgebremst und erlangt erst wieder Interesse, wenn Erlebnisse und Abläufe länger und ausführlicher dargestellt werden. Formal handelt es sich bei diesen Texten dann eigentlich um Briefe. Auch die durch Illustrationen eingeleiteten Kapitel stehen im Widerspruch zu digitaler Verständigung.

Der Verlag weist für dieses Mädchenbuch ein Lesealter ab 7 Jahren aus. Die Leser sollten aber, wie oben vorgeschlagen, älter sein. Einmal, weil sie dann schon über Erfahrungen mit Whattsapp verfügen, zum anderen weil ihnen das Schwärmen für Jungen erst dann so richtig emotional nahe liegt.

Buch des Monats Januar 2019

Sarah Welk: Lasse in der ersten Klasse

Illustrationen von Anne-Kathrin Behl
arsEdition 2018, 128 Seiten,
Lesealter ab 6 Jahre

Der Titel des Buches ist Programm, der Text eine humorvolle Geschichte für Schulanfänger. Einfühlsam beschreibt die Autorin die aufregenden Wochen vor und nach der Einschulung eines Sechsjährigen.

Lasse kann es kaum erwarten und findet, dass die Zeit bis zu dem großen Ereignis überhaupt nicht vergeht. Immerhin gehen seine Eltern mit ihm schon mal einen Schulranzen kaufen. Der Junge weiß genau, was er will: „Mama, Papa, … . Ich will einen RAKETENRANZEN.“ Zum Glück gibt es im Geschäft eine Spezial-Raumfahrtabteilung. Dort findet Jan, was er sucht: Eine Schultasche mit einer startenden Rakete, die er sofort aufsetzen möchte. Die Schultüte will Lasses Mutter selbst basteln. Was wird wohl hineinkommen? Lasses Freundin Rica rechnet mit Zauberpflastern, während er sich ein Astronautenkostüm vorstellen könnte.

Am ersten Schultag freut sich Lasse so, dass er sofort losgehen will, als er angezogen ist und den tollen Ranzen aufgesetzt hat. Wie gut, seine unerschrockene Freundin Rica kommt auch in seine Klasse. Gleich am Tag der Einschulung machen die beiden die Erfahrung, dass es in der Schulgemeinschaft neben den vielen netten Kindern auch welche gibt, die auf Ärger und Streit aus sind. Aber Rica ist mutig und verteidigt sie beide.  Lasse  will sich künftig auch trauen und gegen Ungerechtigkeiten wehren. Bei seiner einfühlsamen, verständnisvollen Lehrerin Frau Kastanienblätter fühlt er sich gut aufgehoben. Sie macht die Kinder mit den notwendigen Klassen- und Schulregeln vertraut, hat aber Humor und kann mit ihnen über lustige Begebenheiten lachen, so dass die Schule Spaß macht.

Lasse selbst erzählt seine Schulerlebnisse aus seiner kindlichen Perspektive, wodurch sie für Kinder gleichen Alters gut vorstellbar werden. In sechs Episoden stellt Sarah Welk die Ereignisse realitätsnah dar, wobei sie nicht mit Witz spart. Bestimmt wird es Spaß machen, beim Selberlesen oder Zuhören Lasses Erfahrungen zu teilen. Der Text ist leicht zu lesen und in großer Schrift gedruckt.

Anne- Kathrin Behls farbige, ausdrucksvollen Illustrationen und das hochwertige Papier zeichnen das Buch aus.

Ein schönes Geschenk zur Einschulung als Vorbereitung für die Schule oder als Buch zum Erinnern danach!

Man kann  Lasses Abenteuer weiter verfolgen, da mittlerweile noch das Buch „Lasse feiert Geburtstag“ vorliegt. Im Februar 2019 soll „Lasse im Ferienfieber“ erscheinen.

 

Buch des Monats Dezember 2018

Alex Rühle: Zippel, das wirklich wahre Schlossgespenst

Mit Illustrationen von Axel Scheffler

dtv Junior, 2. Auflage 2018, 144 Seiten, Lesealter 6 – 9 Jahre

Wirklich wahre Schlossgespenster  geistern  nicht in Burgen und Schlössern  herum, sondern haben ihre Wohnungen in schönen alten, geräumigen Türschlössern.

Davon  weiß Paul  natürlich nichts, als er mit seinem Schlüssel die Wohnungstür der Familie Fellmann aufschließt. „Zipplefix, was ist denn das?“, ertönt es leise aus dem Schloss. Dann schwebt aus der Öffnung ein kleiner weißer Geist. Paul gibt ihm den Namen Zippel und stellt fest, dass er sehr witzig ist und ihn zum Lachen bringt. Zum Erstaunen des Jungen  kennt sich das kleine Wesen in der Menschenwelt überhaupt nicht aus. Das führt zu lustigen Gesprächen, zumal Zippel gerne reimt und Wortsilben verdreht. Gespenster nehmen beispielsweise keine Nahrung zu sich und so versucht Zippel zu verstehen, was beim Essen in den Menschen vorgeht: „Das orange Ding heißt Wanderine, weil es durch dich durchwandert. Und die Nudel nudelnudelnudelt auch so durch deinen Bauch, bis sie wieder rauskommt.“ Die beiden  werden schnell Freunde und Pauls Leben  gestaltet sich durch die Verwirrungen, die der kleine Geist auslöst, aufregend und spannend.

Paul geht ungern zur Schule, weil er von zwei Klassenkameraden, Tim und Tom, geärgert und herabgewürdigt wird. Als Zippel in die Schule mitkommen  will, weiht der Junge ihn in seine missliche Lage ein. Zippel kann es nicht ertragen seinen Freund leiden zu sehen und löst für ihn das Problem auf seine Weise; schließlich liebt er Streiche und kann zaubern. Bald stehen Tim und Tom als die Blamierten da und fühlen sich klein. Weil Paul nun keine Angst mehr haben muss, ist er Zippel sehr dankbar und gewinnt sein Selbstvertrauen  wieder.

Die gute Stimmung wird jedoch getrübt,  weil Pauls Vater das alte Wohnungstürschloss austauschen lassen will und damit der kleine Schlossgeist sein Zuhause verliert. Nun ist Zippel auf Pauls Hilfe angewiesen. Angestrengt sucht er mit ihm nach alternativen Unterkünften. Dummerweise  denkt Paul dabei auch an ein richtiges Schloss ….

Axel Rühle erzählt eine humorvolle, warmherzige Geschichte über Freundschaft und Mut. Sie ist aber auch spannend, so dass sie beim Lesen eine richtige Sogwirkung entfaltet. Seine Sprache ist nicht nur unterhaltsam, sondern äußerst kreativ. In  Zippels vermeintlich naiven Fragen  werden sich jüngere Leser bzw. Zuhörer unmittelbar wiederfinden. Eine besondere Wirkung wird diese Erzählung erfahren, wenn sie ein „Awachsana“ mit einem Schmunzeln vorliest. Nicht jeder Erstleser wird mit der anspruchsvollen Sprachgestaltung klarkommen, daher empfiehlt sich der Text für Selbstleser ab der 3. Klasse.

Mit seinem Wortwitz rückt Alex Rühle das Buch in die Nähe von Kinderbuchklassikern wie „Das Sams“ oder „Pumuckel“. Es ist also unbedingt zu empfehlen.

Zum „Leseglück“ tragen auch Axel Schefflers farbige Illustrationen bei, die den Witz des Geschehens gut und gekonnt zum Ausdruck bringen. Das einladende Buchcover spricht für sich.

Buch des Monats November 2018

Nina Weger: Club der Heldinnen Bd.1 – Entführung im Internat

Vignetten von Nina Dulleck,

Verlag Friedrich Oetinger Hamburg 2017, 218 Seiten, Lesealter 9 – 11 Jahre

Flo (Florence) und Pina, beide 10 Jahre alt, empfinden sich als „Blutsschwestern“. Beide teilen sich ein Zimmer im „Mathilda Imperatix“, einem Internat für Mädchen mit besonderen Fähigkeiten. Im vergangenen Jahr haben beide die berühmte „rote Liste“ der Direktorin angeführt. Niemand war häufiger ausgebüxt als die beiden. (Nur einmal die Woche dürfen die Schülerinnen unter Aufsicht das Schulgelände verlassen, wobei ein näherer Kontakt zur Bevölkerung verboten ist.) Aber die beiden sind sich nach wie vor einig: An tausend Jahre alte Regeln muss man sich nicht halten.

Mit dem neuen Schuljahr hat ihnen jedoch die Schulleitung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Flo und Pina müssen ein ausbruchssicheres Zimmer beziehen. (Wie sollen sie nun ihre Wette gegen einen netten Jungen aus dem Dorf gewinnen?) Und damit nicht genug – sie müssen sich damit abfinden, dass die merkwürdige neue Schülerin bei ihnen mit einzieht. Blanca ist aus Paraguay, mit einem Seesack angereist und leidenschaftliche Cup-Cake-Bäckerin. Die beiden Freundinnen trauen ihr nicht.

Die Geländespiele zu Beginn des Schuljahres bieten allen Schülerinnen die Gelegenheit, ihre besonderen Talente unter Beweis zu stellen. Flo kann besonders gut reiten und strategisch planen, während Pina sich in der Natur auskennt und gut im Bogenschießen ist. Beide sind begeistert in ihrem Element, als das Notrufhorn ertönt. Pflichtgemäß begeben sich die Mädchen zum nächsten Notfallpunkt. Dort erfahren sie zu ihrem Entsetzen, dass Charly, Flos kleine Schwester, verschwunden ist. Ohne die Rettungssuche der Erwachsenen abzuwarten, beginnen Pina und Flo nach Spuren zu suchen. Hat etwa Blanca damit zu tun? Ihr Misstrauen geben sie schnell auf, als sie erkennen: Sie weiß mehr und sie brauchen ihre Hilfe. Mutig setzen die drei all ihre Fähigkeiten ein, um Charly zu finden, und schrecken auch vor Gefahren nicht zurück, als sich das Verschwinden der kleinen Schwester als Entführung entpuppt.

Von Anfang an versprechen die „mutigen Heldinnen“ Lesespaß. Sie können fast alles und bieten damit die Gewähr, die Handlung zu einem guten Ende zu führen. Ihre Dialoge sind oft mit typischen Sprüchen gespickt, die sich aus ihrer Abstammung herleiten. (Florence stammt aus einem Ritter-, Blanca aus einem Piratengeschlecht und Pinas Vorfahren rechnen sich zum Indianerstamm der Cherokee.) Ihr Witz und die verbalen Rangeleien der Mädchen beleben die Erzählung.

Am Anfang der Handlung wird der Leser mit vielen Details des Schulalltags und zahlreichen Personen bekannt gemacht. Sobald aber die Dramatik der Entführung ihren Lauf nimmt, konzentriert sich das Geschehen ausschließlich auf die drei Heldinnen. Mit ihnen steigt man ein in den Wettlauf gegen die  Zeit. 48 Stunden haben sie Zeit und die erlebten Abenteuer werden von der Autorin spannend und mitreißend geschildert.

„Entführung im Internat“ ist ein gut zu lesendes Mädchenbuch. Als weitere Bände der Serie liegen vor: „Hochverrat im Internat“, Bd. 2 und „Bärenalarm im Internat“, Bd.3

Buch des Monats Oktober 2018

Kerstin Gier: Wolkenschloss

FJB – Verlag, 2017, 460 Seiten, Lesealter ab 12 Jahren

Mit „Wolkenschloss“ erzählt Kerstin Gier einen amüsanten Mädchenroman mit Spannung, Herz und Humor. Im Gegensatz zu den vorausgegangenen Trilogien (Silber-, Edelstein-) handelt es sich um ein eigenständiges Buch, das die Autorin selbst als „kuschelig“ bezeichnet. Verständlich, zumal sich die Geschichte in den tief verschneiten Schweizer Bergen um Weihnachten und Silvester abspielt.

Das alte, nicht mehr wirtschaftliche Grandhotel wirbt zu den Feiertagen mit seiner Zuckerbäckerkulisse, detailreich mit Glitzer im Buchcover dargestellt. Alles an vergangenem Luxus und stilvollen Ritualen wird aufgeboten, um finanzkräftigen Gästen die Illusion einer „guten, alten Zeit“ zu vermitteln. Das aus der Zeit gefallene, schrullige Hauspersonal tut sein Übriges. „Man denkt, jeden Moment kommt der Butler aus Downtown Abbey um die Ecke geschlurft“, fasst eine junge Amerikanerin ihren Eindruck zusammen.

Fanny Franke, 17 Jahre  alt, Praktikantin im „Wolkenschloss“, ist die Erzählerin der Geschichte. Als „Mädchen für alles“, „flexibel einsetzbar“, ist sie mit allen im Hotel arbeitenden Menschen und den exklusiven Gästen vertraut und führt den Leser mit detailreichen, vertraulichen Informationen in deren Besonderheiten und Geheimnisse ein. Ihr Hang zur Neugier lässt sie schnell erkennen, dass nicht allen zu trauen ist: Die russische Oligarchenfamilie ist unter falschem Namen angereist. Ist sie im Besitz eines legendären Diamanten? Der junge, sympathische, gut aussehende Tristan klettert an Fassaden hoch. Betreibt er seinen Sport oder steigt er auf Raubzug in fremde Zimmer ein? Ist das Familienoberhaupt der Familie Burkhardt der undurchsichtige Boss einer Müllmafia, der sein Schwarzgeld wäscht? usw.

Freundschaftlichen Beistand in ihren „Ermittlungen“ erhält Fanny von Ben, dem Hotelierssohn. Beide mögen sich auf Anhieb und sind sich gegenseitig Hilfe und Stütze, denn auf einmal wird Schmuck gestohlen. Als dann auch Kinder verschwinden, steht ihnen die alte Geschichte vom Grandhotel Kidnapper vor Augen. Fannys Besorgnis erweist sich als begründet, denn ehe sie  sich versieht, wird sie selbst in ein lebensbedrohliches Abenteuer hineingezogen. Mit einem Mal nimmt die Geschichte, die bis dahin ruhig dahin floss, Fahrt auf und entwickelt sich zu einem Krimi.

Kerstin Gier schreibt in einem heiteren Stil, der auf dem Humor und der Schlagfertigkeit ihrer Hauptperson beruht. Einen breiten Raum ihrer Erzählung nimmt die Schilderung der Räumlichkeiten des Schlosses (Ballsaal, antiquierte Waschküche, Schleichwege, Hintertreppen) ein, wobei der nostalgische Charme recht stark aufgetragen wird.  Die breite, handlungsarme Einführung der zahlreichen handelnden Personen (Ein Personenverzeichnis ist angehängt.)  lässt lange Zeit nichts Aufregendes passieren, bis dann im letzten Drittel die Spannung dramatisch ansteigt.

Ein Buch für Mädchen im Teenager-Alter kann nicht auf Herzklopfen und Gefühlswirren verzichten. Fanny kann sich gleich zwischen zwei sympathischen Jungen entscheiden. An wen sie ihr Herz verliert, spielt vordergründig keine Rolle und wird nicht eindeutig klar.

Buch des Monats September 2018

Sonja Maren Kientsch: 2 Freunde für 4 Pfoten – Papageiplapperei

Textillustrationen von Raimund Frey,  Loewe – Verlag, 2017, 151 Seiten, Lesealter ab 8 Jahren

„Papageiplapperei“ ist der 2. Band aus der Reihe „2 Freunde für 4 Pfoten“. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, wobei die Autorin jedoch geschickt das vorangegangene Geschehen des ersten Bandes einbezieht.

Im Mittelpunkt stehen die 10-jährige Tilda, die auch Erzählerin ist, und ihre Freundin Jette. Beide begreifen sich als Tierretterinnen und wünschen sich nichts sehnlicher  als einen eigenen Raum, eine Tierretterzentrale sozusagen, in dem sie behandlungsbedürftige Tiere unterbringen und pflegen können.

Auf Tildas Hof steht ein Haus leer. Für sie liegt es daher nahe, sich dafür von ihren Eltern zu ihrem bevorstehenden Geburtstag einen Mietvertrag zu wünschen. Doch die haben andere Pläne und nun hat Tilda ein Papageienproblem. Ohne Absprache mit ihren Eltern hat sie nämlich KEKS bei sich aufgenommen. Der Papagei ihrer Schulfreundin Christina ist nicht mehr tragbar und soll weggegeben werden. Hat er doch seinen Wortschatz aus Fernsehkrimis erworben und durch lauthals geschriene Befehle wie „Hilfe!“, „Nicht bewegen!“, „Ich schieße!“ die Polizei ins Haus gerufen.

Klar, dass da Tilda wieder mal ihr Tierretter-Gen übermannt, und so nehmen sie und Jette das Tier einfach mit um es zu therapieren. „Wir müssen viel mit KEKS reden“, meinen sie und denken sich für den Entzug des Krimivokabulars lustige Wörter aus wie „Mixfantastico-Purzelschnipsel-Piep“.

Sonja Maren Kientsch bringt den Lesern das Geschehen mit humorvollen, detailreichen Beschreibungen nahe. Es ist ein heiteres Buch, dessen Emotionalität auch die überzeichneten Mienen in Raimund Freys schwarz-weißen Illustrationen wiedergeben.

Der Text ist in kurze Kapitel eingeteilt und altersgerecht geschrieben. Bestimmt ist er auch gut zum Vorlesen für jüngere Kinder geeignet.

Buch des Monats August 2018

Ulf Blank/Boris Pfeiffer:

Die drei ??? Kids -Die Räuberjagd

aus der Reihe Bücherhelden, 2.Klasse

Textillustrationen von Jan Saße

Kosmos-Franckh Verlag, Lesealter, 2017, 64 Seiten, ab 7 Jahren

Mit der vorliegenden Reihe „Bücherhelden – Die ??? Kids“ wird die Kultreihe der drei    ???-Romane kindgemäß für Leseanfänger umgesetzt.

In diesem Buch können sie gemeinsam mit Justus, Peter und Bob an der Aufklärung wirklich unglaublicher Vorgänge teilhaben, die in unmittelbarer Umgebung der Kinder passieren. Denn ihre Nachbarn werden bei Einbrüchen und Diebstählen beobachtet, und sogar Kommissar Reynolds scheint verdächtig! Es hätte nicht viel gefehlt und das Freundestrio wäre dem wirklichen Räuber auf den Leim gegangen. Doch da bemerkt Justus scharfsinnig, dass alle Verdächtigen etwa gemeinsam haben…

Die Geschichte ist ist für junge Leser ansprechend und angemessen formuliert, in kurze Kapitel gegliedert und in großer Schuldruckschrift gedruckt. Farbige, lustige Illustrationen auf fast jeder Seite lockern den Text auf. Leserätsel und Verständnisfragen, die sich konkret auf die Erzählung beziehen, animieren Leseanfänger einerseits zum genauen Hinschauen und Verstehen und fördern andererseits die Lesemotivation. Ein sehr guter Einstieg in das selbstständige Lesen, das man sich zudem noch mit Antolin-Punkten belohnen lassen kann.

In der Reihe  „Bücherhelden 2. Klasse – ??? Kids“ sind weiter erschienen:

  • Vorsicht Zaubertinte, 2017
  • Die Piratenbande, 2017
  • Achtung, Dinos!, 2018
  • Alarm, die Ritter kommen!, 2018

Daneben gibt es noch eine weitere Reihe „Bücherhelden 2.Klasse – Sternenschweif“, ebenfalls  eine altersgerechte Bearbeitung des besonders bei Mädchen beliebten Kinderbuches.

Für Leseanfänger bietet der Kosmos-Verlag vielfältige, recht ansprechende Titel in der Reihe „Bücherhelden 1. Klasse“ an.

Buch des Monats Juli 2018

Anna Lott:

Moppi & Möhre – Abenteuer im Meerschweinchenhotel  

Mit Bildern von Susanne Göhlich

Lesealter ab 5 Jahren, 112 Seiten, Carlsen 2017

Wer sich auf die Vorstellung eines Hotels für Meerschweinchen einlassen kann, ist für dieses Buch der richtige Leser. Vorausgesetzt wird Hotel- bzw. Cluberfahrung, denn wie sonst kann man die diversen Wellnessangebote (Pool, Sauna etc.) und den Überfluss des „All you can eat-Angebotes“ (Knabber-büffet, Grasspaghetti, Gurkeneis,…) dieser Ferienunterkunft begreifen.

Susanne Göhlich veranschaulicht mit ihren farbigen Illustrationen gut die Hotelausstattung und setzt die Akteure dieser Geschichte humorvoll in Szene.

Neben Moppi und Möhre verbringen dort noch Elvis, Nacki, Grufty und das Schaf Schäfi ihre Ferien und schließen Freundschaft. Weitere Familien haben also für die Betreuung ihres Lieblings während des Urlaubs das Hotelangebot wahrgenommen, denn wohin sonst mit dem Tier, wenn Freunde und Verwandte nicht einspringen können?

Trotz des komfortablen Lebens freuen sich alle Haustiere aber wieder auf ihre Familie – nur der schwarze Grufty nicht. Immer schlecht gelaunt und gemein zu den anderen versucht er ihnen weiszumachen, sie seien alle hier, weil ihre Besitzer sie nicht mehr haben wollten. Diese Behauptung empört die Gruppe maßlos, verunsichert sie aber so, dass sich die Tiere aus dem Hotel schleichen, um bei sich zu Hause nach dem Rechten zu schauen. Natürlich erhärtet nichts Gruftys Verdacht. Doch während der Unternehmung vertraut ihnen das schwarze Meerschweinchen seine traurige Geschichte an und veranlasst die Freunde, ihn mit anderen Augen zu sehen. Ein neues Haustier, ein Hund, verdrängte ihn vom Platz an der Seite seines Herrchens. Von ihm gejagt floh Grufty, fand  Unterschlupf im Meerschweinchen-hotel und lebt hier seitdem. Die Tiere können nicht glauben, dass der Besitzer Grufty nicht vermisst. Vielleicht weiß er ja gar nicht, wo er sich aufhält? Und auch Grufty wird unsicher, ob sein Herrchen wirklich will, dass er weg ist. Auf abenteuerliche Weise bringen die Freunde ihm sein Meerschweinchen zurück und machen ihn damit überglücklich.

Anna Lott schildert auf unterhaltsame Art die Trennung von Kindern und ihren Haustieren im Urlaub und zerstreut auf spielerische, fröhliche Art mögliche Ängste. Die Geschichte beschreibt die Bedeutung verlässlicher Freundschaft und die schädlichen Auswirkungen des Gefühls, verlassen worden zu sein.

Der Text ist humorvoll geschrieben und steckt voller lustiger, fantasievoller Einfälle. Die Autorin erzählt in klarer, einfacher Sprache und gliedert die Handlung in kurze Kapitel.

Insbesondere die lustigen Dialoge machen die Geschichte zu einem idealen Vorlesebuch sowohl für Jungen wie auch für Mädchen.

Buch des Monats Juni 2018

Gerlis Zillgens: Der Froschkönig – was wirklich geschah: Hipp & Hopp retten Papa Grünsprung

farbig illustriert von Katja Jäger, Lesealter ab 8 Jahre, 92 Seiten, Verlag Südpol, Februar 2017

Gerlis Zillgens liefert mit der Geschichte von Hipp und Hopp eine originelle Variante des bekannten Märchens vom Froschkönig, indem sie als wissende Erzählerin die Perspektive der Froschkinder einnimmt.

Hipp  und Hopp werden als Geschwister sehr herzlich beschrieben, auch wenn der kleine tollpatschige Hopp nervt und die große angepasste Schwester alles besser weiß. Da ihre Mutter von einem Frosch geschnappt wurde, muss ihr liebenswerter Papa sie allein erziehen.

Gut gelaunt spielt er mit seinen Kindern Verstecken, als eine „kreischende Stimme die Luft durchsägt.“ Sie kommt aus dem Mund eines fiesen Monsters mit goldener Krone, das „so groß ist wie hundert Frösche aufeinander.“ Mit gespitzten Lippen drückt es Papa Grünsprung einen Kuss aufs Gesicht  und Hipp und Hopp müssen mit ansehen, wie sich ihr Vater auf der Stelle verwandelt. Das gesunde Grün seiner Froschhaut wird weiß und „am Ende  steht er auf gigantisch langen Beinen“ und hat sich in einen Prinzen verwandelt.

Verzagt beratschlagen die Froschkinder, wie sie ihren Vater wiederbekommen können. Zum Glück begegnen sie der Kröte Augusta Quaatsch und die weiß Rat: „Ein kleiner Kuss von Irene [der Froschprinzessin], und „schwuppsdidumm, ist euer Vater wieder ganz der alte Frosch.“ –  Leider lebt Irene „ungefähr zehn große Wälder weiter.“ Man bräuchte also eine Flugbereitschaft… Durch  einen klugen Deal mit dem ärgsten Fressfeind der Frösche gelingt es Frau Quaatsch, einen Storch als Helfer zu gewinnen.

(Den Transport der kleinen Delegation im Storchschnabel hat Katja Jäger sehr humorvoll im Bild festgehalten.)

Gerlis Zillgens erzählt eine fantasievolle Geschichte voller Sprachwitz und Einfallsreichtum. Herrlich, wie sie die Typen-Klischees der unterschiedlichen Charaktere ausmalt! Die Autorin schreibt in verständlicher Sprache in der Gegenwart. Auffällig ist der lesefreundliche Druck. Die wörtliche Rede ist eingerückt, der Zeilenabstand groß und der Text einfallsreich gesetzt, was Leseanfängern die Textübersicht erleichtert.

Mit ihrem Buch gibt die Autorin dem Märchen vom Froschkönig einen neuen Dreh und weckt damit Neugier und Leselust. Es ist auch als Vorlesebuch unbedingt empfehlenswert.

Katja Jägers zahlreiche farbige Illustrationen bestechen durch ihre Klarheit. (Man betrachte das  Buchcover.) Sie sind im Wesentlichen auf die handelnden Akteure beschränkt und von einer besonderen Farbigkeit. Die Bildszenen sind meist zart unterlegt mit pastellfarbenen Mustern, die wie Tapetencollagen wirken und die Bildfläche für die Handlung liefern.