Buch des Monats März 2019

Anna Ruhe: Die Duftapotheke

Das Rätsel der schwarzen Blume

Illustrationen von Claudia Carls
Arena-Verlag 2018, 288 Seiten ,Lesealter ab 10 Jahre

 Luzie Alvenstein und ihr kleiner Bruder Benno hüten sorgfältig das Geheimnis ihres Hauses, der „Villa Evie“. Tief unten in ihrem Keller befindet sich hinter einem versteckten Zugang eine Duftapotheke. Hier reihen sich in den Schränken  unzählige gläserne Flakons aneinander, deren Inhalt, freigesetzt durch den Duft, verschiedenste Wirkungen auslösen kann – zum Guten wie zum Bösen.

Hanne, die rechtmäßige Besitzerin dieser Apotheke, wurde beispielsweise  jahrelang an ihrer Arbeit gehindert, weil der arglistige alte Gärtner Willem sie mit dem „Duft des ewigen Vergessens“ besprüht hat. Auch Luzies Freund Mats gehört zu seinen Opfern. Willem hat seinen Vater dem  „Lieblosen Duft“ ausgesetzt, was dazu geführt hat, dass der seine Familie verlassen hat. Nun versucht der Junge verzweifelt ein Gegenmittel herzustellen. Der gemeine Gärtner ist mittlerweile zwar vertrieben  worden, doch Hanne und die Kinder trauen der Sache nicht.

Die Duftapothekerin  vermittelt Luzie, Benno und Mats all ihr Natur- und Heilwissen um sie gut auszubilden. Doch bei der Herstellung eines neuen Rezeptes müssen sie feststellen: Das schwarze Meteorpulver ist weg!  Das Pulver, ohne das Düfte keine Wirkung entwickeln. Willem!  Nur er kennt sich in den Räumen aus und kann es in seinen Besitz gebracht haben.

Die gemeinsame  Suche nach dieser wichtigen  Zutat gerät zu einer spannenden Abenteuerreise, die sie bis nach Amsterdam führt. Unheimliche Begegnungen fordern sie heraus, Menschen, die schon tot sein müssten sowie geisterhafte „Ewige“. In gefährlichen Situationen retten sich die Kinder durch „hilfreiche“ Düfte, aber sie müssen alles riskieren. Nur mit Hilfe des Meteorpulvers können sie die Duftapotheke retten und hoffentlich Mats Vater erlösen.

Luzie als Ich-Erzählerin  offenbart den Lesern die Geheimnisse der Duftapotheke und schildert emotional die  Herausforderungen, die sie gemeinsam bestehen müssen. Von Beginn an wird der Leser in einen Strudel der Geheimnisse gezogen und begibt sich gespannt in die sich auftuenden Fantasiewelten. Genau diese Wirkung erzeugt auch das detailreich gestaltete Buchcover von Claudia Clark. Ihre im Buchinneren gezeichneten schwarz-weißen Blüten und Blumenranken weben förmlich an der Geschichte mit.

Anna Ruhe schreibt in einem altersangemessenen fesselnden Erzählstil. Immer wieder baut sie Spannung auf oder führt zu überraschenden Wendungen,  so dass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte. Übersichtliche Kapitel gliedern ihren Text.

Jungen sollten sich von dem Mädchen auf dem Titelbild nicht abschrecken lassen.Die Geschichte wird auch sie in ihren Bann ziehen; es ist zu empfehlen!

Der vorliegende zweite Band der Duftapotheke (Band 1: Ein Geheimnis liegt in der Luft) kann ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Buch des Monats Februar 2019

Anu Stohner: Gretas Ferien

Illustrationen von Hildegard Müller
dtv – Reihe Hanser 2015, 128 Seiten, Lesealter ab 9 Jahre

Auch wenn das Buchcover es nahe legt, „Gretas Ferien“ ist kein Buch für Pferdefreunde. Die etwa neunjährige Greta und ihre 15-jährige Schwester Julia nähern sich in ersten pubertären Regungen vielmehr dem Jungengeschlecht an und testen aus, was Verliebt sein bedeutet.

Das gebuchte familienfreundliche Hotel „Alpenblick“ enttäuscht nicht nur Julia, die keinen „Kinderurlaub“ mehr machen will, in ihren Erwartungen. Das Gebäude sieht wie ein in die Jahre gekommenen Spukschloss aus und zum Empfang öffnet ihnen erst nach längerem Klopfen ein zerzauselter Greis, der brummend ohne nähere Erklärung die Zimmerschlüssel übergibt. Der nächste Tag bringt weitere enttäuschende Überraschungen. Die meisten Kinder unter den Gästen sind „Pupsies“ (also jünger) und das Reitvergnügen hält sich in Grenzen: Für 13 Kinder steht nur ein Pferd zur Verfügung, und das ist auch noch alt und müde. Der Swimmingpool ist viel zu klein, also lediglich zum Planschen geeignet. Verständlich, dass sich die Schwestern dann lieber für „süße Typen mit Sonnenbrille“ interessieren.

Greta findet an dem finnischen Jungen Timo Gefallen. Er war schon mehrmals Gast in dem Hotel und weiß, dass in den alten Gemäuern „Fräulein Triezitas“ spukt. Um ihr Vertrauen zu gewinnen, weiht er Greta in sein Geheimnis ein. Er gehört dem Club der Geisterjäger an und will sie ebenfalls als Mitglied gewinnen. Zwar muss sie eine Mutprobe bestehen, aber Timo wird ihr zur Seite stehen und ihr helfen. So werden für Greta aus den sich enttäuschend anlassenden Ferien doch noch interessante, spannende Tage.

Gretas Erlebnisse vermittelt die Autorin dem Leser über SMS-Mitteilungen zwischen ihr und der Freundin Nina. Das Buch suggeriert also, es handele sich dabei um einen Chat. Stilistisch wirkt das sehr konstruiert, vor allem in Phasen ständiger gegenseitiger kurzer Texte, oft nur in Form von Ausrufen, Emojies oder überschwänglichen Grüßen. Der lockere Erzählfluss der annehmbaren Handlung wird damit ausgebremst und erlangt erst wieder Interesse, wenn Erlebnisse und Abläufe länger und ausführlicher dargestellt werden. Formal handelt es sich bei diesen Texten dann eigentlich um Briefe. Auch die durch Illustrationen eingeleiteten Kapitel stehen im Widerspruch zu digitaler Verständigung.

Der Verlag weist für dieses Mädchenbuch ein Lesealter ab 7 Jahren aus. Die Leser sollten aber, wie oben vorgeschlagen, älter sein. Einmal, weil sie dann schon über Erfahrungen mit Whattsapp verfügen, zum anderen weil ihnen das Schwärmen für Jungen erst dann so richtig emotional nahe liegt.

Unsere Bücher des Monats – Übersicht mit Buchcover

Hier haben wir noch einmal alle unsere Bücher des Monats mit dem Buchumschlag zusammengestellt.

Wer auf das jeweilige Buchcover klickt, kommt zu unserer Buchbesprechung.

Das Copyright der Cover liegt natürlich beim jeweiligen Verlag.  Wir bedanken  uns ausdrücklich dafür, dass wir die Cover hier zeigen dürfen.

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Buch des Monats Januar 2019

Sarah Welk: Lasse in der ersten Klasse

Illustrationen von Anne-Kathrin Behl
arsEdition 2018, 128 Seiten,
Lesealter ab 6 Jahre

Der Titel des Buches ist Programm, der Text eine humorvolle Geschichte für Schulanfänger. Einfühlsam beschreibt die Autorin die aufregenden Wochen vor und nach der Einschulung eines Sechsjährigen.

Lasse kann es kaum erwarten und findet, dass die Zeit bis zu dem großen Ereignis überhaupt nicht vergeht. Immerhin gehen seine Eltern mit ihm schon mal einen Schulranzen kaufen. Der Junge weiß genau, was er will: „Mama, Papa, … . Ich will einen RAKETENRANZEN.“ Zum Glück gibt es im Geschäft eine Spezial-Raumfahrtabteilung. Dort findet Jan, was er sucht: Eine Schultasche mit einer startenden Rakete, die er sofort aufsetzen möchte. Die Schultüte will Lasses Mutter selbst basteln. Was wird wohl hineinkommen? Lasses Freundin Rica rechnet mit Zauberpflastern, während er sich ein Astronautenkostüm vorstellen könnte.

Am ersten Schultag freut sich Lasse so, dass er sofort losgehen will, als er angezogen ist und den tollen Ranzen aufgesetzt hat. Wie gut, seine unerschrockene Freundin Rica kommt auch in seine Klasse. Gleich am Tag der Einschulung machen die beiden die Erfahrung, dass es in der Schulgemeinschaft neben den vielen netten Kindern auch welche gibt, die auf Ärger und Streit aus sind. Aber Rica ist mutig und verteidigt sie beide.  Lasse  will sich künftig auch trauen und gegen Ungerechtigkeiten wehren. Bei seiner einfühlsamen, verständnisvollen Lehrerin Frau Kastanienblätter fühlt er sich gut aufgehoben. Sie macht die Kinder mit den notwendigen Klassen- und Schulregeln vertraut, hat aber Humor und kann mit ihnen über lustige Begebenheiten lachen, so dass die Schule Spaß macht.

Lasse selbst erzählt seine Schulerlebnisse aus seiner kindlichen Perspektive, wodurch sie für Kinder gleichen Alters gut vorstellbar werden. In sechs Episoden stellt Sarah Welk die Ereignisse realitätsnah dar, wobei sie nicht mit Witz spart. Bestimmt wird es Spaß machen, beim Selberlesen oder Zuhören Lasses Erfahrungen zu teilen. Der Text ist leicht zu lesen und in großer Schrift gedruckt.

Anne- Kathrin Behls farbige, ausdrucksvollen Illustrationen und das hochwertige Papier zeichnen das Buch aus.

Ein schönes Geschenk zur Einschulung als Vorbereitung für die Schule oder als Buch zum Erinnern danach!

Man kann  Lasses Abenteuer weiter verfolgen, da mittlerweile noch das Buch „Lasse feiert Geburtstag“ vorliegt. Im Februar 2019 soll „Lasse im Ferienfieber“ erscheinen.

 

Die Bücher des Monats auf einen Blick!

Ein Klick auf den Titel führt zu unserer Buchvorstellung.

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Ackermann, Anja: Emi und Luna. Eine Freundschaft mit Kawumm. Ein Huhn steht kopf

Andres, Kristina: Mucker & Rosine

 Banks, Angelica: Tuesday und der Zauber des Anfangs

Blanvillain, Luc: Tagebuch eines Möchtegern-Versagers

Blazon, Nina: Lillesang

Bertram, Rüdiger: Gegen uns könnt ihr nicht anstinken

Bertram, Rüdiger: Coolman und ich

Biegel, Paul: Die Prinzessin mit den roten Haaren 

Blank, Ulf/ Pfeiffer, Boris: Die drei ??? Kids -Die Räuberjagd

Boonen, Stefan: Ein Mädchen, sieben Pfannkuchen und ein roter Koffer

Collins, Suzanne:  Gregor und die graue Prophezeiung

Engström Mikael/Willis, Helena: Ida, Paul und Frankensteins Katze  

Foxley, Janet: Munkel Trogg –  Der kleinste Riese der Welt

Fröhlich, Anja: Lou und Rokko und das Katzenchaos

Gier, Kerstin: Wolkenschloss

Helmig, Alexandra: Lua und die Zaubermurmel

Higgins, Chris : Meine lustige Familie

Hub, Ulrich: Füchse lügen nicht

Hula, Saskia: Kaninchentage

Kaster, Armin: Ferdi, Lutz und ich

 Johnson, Pete:   Gut kombiniert, Trottel!  – Das magische Cape

 Kientsch, Sonja Maren : 2 Freunde für 4 Pfoten – Papageiplapperei

Krohn, Leena: Emil und der Pelikanmann

Lott, Anna: Moppi & Möhre – Abenteuer im Meerschweinchenhotel

Lüftner, Kai: Achtung, Milchpiraten – Rache für Rosa

Lütje, Susanne: Pauli Poltergeist – Willkommen in der Villa Funkelstein

Lubar, David: Plötzlich Zombie: So ein Mist!

Ludwig, Sabine:Warum Kater Konrad ins Wasser sprang und eine Maus in die Luft ging

Madden, Deirdre: Tierparadies Emily & Co.

Mason, Simon: Die Quigleys

Morgenroth, Matthias: Freunde der Nacht

Nesbo, Jo: Doktor Proktors Pupspulver

Nicoll, Tom: Drachenalarm auf meinem Teller

Nilsson, Frida: Hedvig! Das erste Schuljahr

Oschmann, Oliver; Witt, Sylvia: Log Out!

Philip,Gillian : Die Geheimnisse von Ravenstorm Island – Die verschwundenen Kinder

Pichon, Liz: Wo ich bin, ist Chaos – aber ich kann nicht überall sein

Reifenberg, Frank M.: Codewort Risiko, Kampf im ewigen Eis

Reschke, Katharina: Morlot – Detektive schlafen nie

Robson, Jenny: Tommy Mütze

Roeder, Annette: Die Krumpflinge – Reihe 

Rühle, Alex : Zippel, das wirklich wahre Schlossgespenst

Ruhe. Anna: Die Duftapotheke (2). Das Rätsel der schwarzen Blume

Ruhe, Anna: Seeland – Per Anhalter zum Strudelschlund

Schiller, Fabian: Codewort Risiko, Die goldene Stadt im Dschungel

Schlitz, Laura Amy: Clara und die Magie des Puppenmeisters

Schulz, Hermann: Mandela & Nelson. Das Rückspiel

Stewner, Tanya: Alea Aquarius – Der Ruf des Wassers

Stohner, Anu: Gretas Ferien

 Svensson, Linnea: Villa Wunderbar- Ein Waschbär zieht ein

 van de Vendel, Edward: Lena und das Geheimnis der blauen Hirsche

Weger, Nina: Club der Heldinnen Bd.1 – Entführung im Internat

Weger, Nina: Ein Krokodil taucht ab (und ich hinterher) 

Welk, Sarah: Lasse in der ersten Klasse

Wilk, Janine: Lilith Parker– Insel der Schatten

 Wildner, Martina: Königin des Sprungturms

Zillgens, Gerlis: Der Froschkönig – was wirklich geschah: Hipp & Hopp retten Papa Grünsprung

Buch des Monats Dezember 2018

Alex Rühle: Zippel, das wirklich wahre Schlossgespenst

Mit Illustrationen von Axel Scheffler

dtv Junior, 2. Auflage 2018, 144 Seiten, Lesealter 6 – 9 Jahre

Wirklich wahre Schlossgespenster  geistern  nicht in Burgen und Schlössern  herum, sondern haben ihre Wohnungen in schönen alten, geräumigen Türschlössern.

Davon  weiß Paul  natürlich nichts, als er mit seinem Schlüssel die Wohnungstür der Familie Fellmann aufschließt. „Zipplefix, was ist denn das?“, ertönt es leise aus dem Schloss. Dann schwebt aus der Öffnung ein kleiner weißer Geist. Paul gibt ihm den Namen Zippel und stellt fest, dass er sehr witzig ist und ihn zum Lachen bringt. Zum Erstaunen des Jungen  kennt sich das kleine Wesen in der Menschenwelt überhaupt nicht aus. Das führt zu lustigen Gesprächen, zumal Zippel gerne reimt und Wortsilben verdreht. Gespenster nehmen beispielsweise keine Nahrung zu sich und so versucht Zippel zu verstehen, was beim Essen in den Menschen vorgeht: „Das orange Ding heißt Wanderine, weil es durch dich durchwandert. Und die Nudel nudelnudelnudelt auch so durch deinen Bauch, bis sie wieder rauskommt.“ Die beiden  werden schnell Freunde und Pauls Leben  gestaltet sich durch die Verwirrungen, die der kleine Geist auslöst, aufregend und spannend.

Paul geht ungern zur Schule, weil er von zwei Klassenkameraden, Tim und Tom, geärgert und herabgewürdigt wird. Als Zippel in die Schule mitkommen  will, weiht der Junge ihn in seine missliche Lage ein. Zippel kann es nicht ertragen seinen Freund leiden zu sehen und löst für ihn das Problem auf seine Weise; schließlich liebt er Streiche und kann zaubern. Bald stehen Tim und Tom als die Blamierten da und fühlen sich klein. Weil Paul nun keine Angst mehr haben muss, ist er Zippel sehr dankbar und gewinnt sein Selbstvertrauen  wieder.

Die gute Stimmung wird jedoch getrübt,  weil Pauls Vater das alte Wohnungstürschloss austauschen lassen will und damit der kleine Schlossgeist sein Zuhause verliert. Nun ist Zippel auf Pauls Hilfe angewiesen. Angestrengt sucht er mit ihm nach alternativen Unterkünften. Dummerweise  denkt Paul dabei auch an ein richtiges Schloss ….

Axel Rühle erzählt eine humorvolle, warmherzige Geschichte über Freundschaft und Mut. Sie ist aber auch spannend, so dass sie beim Lesen eine richtige Sogwirkung entfaltet. Seine Sprache ist nicht nur unterhaltsam, sondern äußerst kreativ. In  Zippels vermeintlich naiven Fragen  werden sich jüngere Leser bzw. Zuhörer unmittelbar wiederfinden. Eine besondere Wirkung wird diese Erzählung erfahren, wenn sie ein „Awachsana“ mit einem Schmunzeln vorliest. Nicht jeder Erstleser wird mit der anspruchsvollen Sprachgestaltung klarkommen, daher empfiehlt sich der Text für Selbstleser ab der 3. Klasse.

Mit seinem Wortwitz rückt Alex Rühle das Buch in die Nähe von Kinderbuchklassikern wie „Das Sams“ oder „Pumuckel“. Es ist also unbedingt zu empfehlen.

Zum „Leseglück“ tragen auch Axel Schefflers farbige Illustrationen bei, die den Witz des Geschehens gut und gekonnt zum Ausdruck bringen. Das einladende Buchcover spricht für sich.

Buch des Monats November 2018

Nina Weger: Club der Heldinnen Bd.1 – Entführung im Internat

Vignetten von Nina Dulleck,

Verlag Friedrich Oetinger Hamburg 2017, 218 Seiten, Lesealter 9 – 11 Jahre

Flo (Florence) und Pina, beide 10 Jahre alt, empfinden sich als „Blutsschwestern“. Beide teilen sich ein Zimmer im „Mathilda Imperatix“, einem Internat für Mädchen mit besonderen Fähigkeiten. Im vergangenen Jahr haben beide die berühmte „rote Liste“ der Direktorin angeführt. Niemand war häufiger ausgebüxt als die beiden. (Nur einmal die Woche dürfen die Schülerinnen unter Aufsicht das Schulgelände verlassen, wobei ein näherer Kontakt zur Bevölkerung verboten ist.) Aber die beiden sind sich nach wie vor einig: An tausend Jahre alte Regeln muss man sich nicht halten.

Mit dem neuen Schuljahr hat ihnen jedoch die Schulleitung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Flo und Pina müssen ein ausbruchssicheres Zimmer beziehen. (Wie sollen sie nun ihre Wette gegen einen netten Jungen aus dem Dorf gewinnen?) Und damit nicht genug – sie müssen sich damit abfinden, dass die merkwürdige neue Schülerin bei ihnen mit einzieht. Blanca ist aus Paraguay, mit einem Seesack angereist und leidenschaftliche Cup-Cake-Bäckerin. Die beiden Freundinnen trauen ihr nicht.

Die Geländespiele zu Beginn des Schuljahres bieten allen Schülerinnen die Gelegenheit, ihre besonderen Talente unter Beweis zu stellen. Flo kann besonders gut reiten und strategisch planen, während Pina sich in der Natur auskennt und gut im Bogenschießen ist. Beide sind begeistert in ihrem Element, als das Notrufhorn ertönt. Pflichtgemäß begeben sich die Mädchen zum nächsten Notfallpunkt. Dort erfahren sie zu ihrem Entsetzen, dass Charly, Flos kleine Schwester, verschwunden ist. Ohne die Rettungssuche der Erwachsenen abzuwarten, beginnen Pina und Flo nach Spuren zu suchen. Hat etwa Blanca damit zu tun? Ihr Misstrauen geben sie schnell auf, als sie erkennen: Sie weiß mehr und sie brauchen ihre Hilfe. Mutig setzen die drei all ihre Fähigkeiten ein, um Charly zu finden, und schrecken auch vor Gefahren nicht zurück, als sich das Verschwinden der kleinen Schwester als Entführung entpuppt.

Von Anfang an versprechen die „mutigen Heldinnen“ Lesespaß. Sie können fast alles und bieten damit die Gewähr, die Handlung zu einem guten Ende zu führen. Ihre Dialoge sind oft mit typischen Sprüchen gespickt, die sich aus ihrer Abstammung herleiten. (Florence stammt aus einem Ritter-, Blanca aus einem Piratengeschlecht und Pinas Vorfahren rechnen sich zum Indianerstamm der Cherokee.) Ihr Witz und die verbalen Rangeleien der Mädchen beleben die Erzählung.

Am Anfang der Handlung wird der Leser mit vielen Details des Schulalltags und zahlreichen Personen bekannt gemacht. Sobald aber die Dramatik der Entführung ihren Lauf nimmt, konzentriert sich das Geschehen ausschließlich auf die drei Heldinnen. Mit ihnen steigt man ein in den Wettlauf gegen die  Zeit. 48 Stunden haben sie Zeit und die erlebten Abenteuer werden von der Autorin spannend und mitreißend geschildert.

„Entführung im Internat“ ist ein gut zu lesendes Mädchenbuch. Als weitere Bände der Serie liegen vor: „Hochverrat im Internat“, Bd. 2 und „Bärenalarm im Internat“, Bd.3

Buch des Monats Oktober 2018

Kerstin Gier: Wolkenschloss

FJB – Verlag, 2017, 460 Seiten, Lesealter ab 12 Jahren

Mit „Wolkenschloss“ erzählt Kerstin Gier einen amüsanten Mädchenroman mit Spannung, Herz und Humor. Im Gegensatz zu den vorausgegangenen Trilogien (Silber-, Edelstein-) handelt es sich um ein eigenständiges Buch, das die Autorin selbst als „kuschelig“ bezeichnet. Verständlich, zumal sich die Geschichte in den tief verschneiten Schweizer Bergen um Weihnachten und Silvester abspielt.

Das alte, nicht mehr wirtschaftliche Grandhotel wirbt zu den Feiertagen mit seiner Zuckerbäckerkulisse, detailreich mit Glitzer im Buchcover dargestellt. Alles an vergangenem Luxus und stilvollen Ritualen wird aufgeboten, um finanzkräftigen Gästen die Illusion einer „guten, alten Zeit“ zu vermitteln. Das aus der Zeit gefallene, schrullige Hauspersonal tut sein Übriges. „Man denkt, jeden Moment kommt der Butler aus Downtown Abbey um die Ecke geschlurft“, fasst eine junge Amerikanerin ihren Eindruck zusammen.

Fanny Franke, 17 Jahre  alt, Praktikantin im „Wolkenschloss“, ist die Erzählerin der Geschichte. Als „Mädchen für alles“, „flexibel einsetzbar“, ist sie mit allen im Hotel arbeitenden Menschen und den exklusiven Gästen vertraut und führt den Leser mit detailreichen, vertraulichen Informationen in deren Besonderheiten und Geheimnisse ein. Ihr Hang zur Neugier lässt sie schnell erkennen, dass nicht allen zu trauen ist: Die russische Oligarchenfamilie ist unter falschem Namen angereist. Ist sie im Besitz eines legendären Diamanten? Der junge, sympathische, gut aussehende Tristan klettert an Fassaden hoch. Betreibt er seinen Sport oder steigt er auf Raubzug in fremde Zimmer ein? Ist das Familienoberhaupt der Familie Burkhardt der undurchsichtige Boss einer Müllmafia, der sein Schwarzgeld wäscht? usw.

Freundschaftlichen Beistand in ihren „Ermittlungen“ erhält Fanny von Ben, dem Hotelierssohn. Beide mögen sich auf Anhieb und sind sich gegenseitig Hilfe und Stütze, denn auf einmal wird Schmuck gestohlen. Als dann auch Kinder verschwinden, steht ihnen die alte Geschichte vom Grandhotel Kidnapper vor Augen. Fannys Besorgnis erweist sich als begründet, denn ehe sie  sich versieht, wird sie selbst in ein lebensbedrohliches Abenteuer hineingezogen. Mit einem Mal nimmt die Geschichte, die bis dahin ruhig dahin floss, Fahrt auf und entwickelt sich zu einem Krimi.

Kerstin Gier schreibt in einem heiteren Stil, der auf dem Humor und der Schlagfertigkeit ihrer Hauptperson beruht. Einen breiten Raum ihrer Erzählung nimmt die Schilderung der Räumlichkeiten des Schlosses (Ballsaal, antiquierte Waschküche, Schleichwege, Hintertreppen) ein, wobei der nostalgische Charme recht stark aufgetragen wird.  Die breite, handlungsarme Einführung der zahlreichen handelnden Personen (Ein Personenverzeichnis ist angehängt.)  lässt lange Zeit nichts Aufregendes passieren, bis dann im letzten Drittel die Spannung dramatisch ansteigt.

Ein Buch für Mädchen im Teenager-Alter kann nicht auf Herzklopfen und Gefühlswirren verzichten. Fanny kann sich gleich zwischen zwei sympathischen Jungen entscheiden. An wen sie ihr Herz verliert, spielt vordergründig keine Rolle und wird nicht eindeutig klar.

Buch des Monats September 2018

Sonja Maren Kientsch: 2 Freunde für 4 Pfoten – Papageiplapperei

Textillustrationen von Raimund Frey,  Loewe – Verlag, 2017, 151 Seiten, Lesealter ab 8 Jahren

„Papageiplapperei“ ist der 2. Band aus der Reihe „2 Freunde für 4 Pfoten“. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, wobei die Autorin jedoch geschickt das vorangegangene Geschehen des ersten Bandes einbezieht.

Im Mittelpunkt stehen die 10-jährige Tilda, die auch Erzählerin ist, und ihre Freundin Jette. Beide begreifen sich als Tierretterinnen und wünschen sich nichts sehnlicher  als einen eigenen Raum, eine Tierretterzentrale sozusagen, in dem sie behandlungsbedürftige Tiere unterbringen und pflegen können.

Auf Tildas Hof steht ein Haus leer. Für sie liegt es daher nahe, sich dafür von ihren Eltern zu ihrem bevorstehenden Geburtstag einen Mietvertrag zu wünschen. Doch die haben andere Pläne und nun hat Tilda ein Papageienproblem. Ohne Absprache mit ihren Eltern hat sie nämlich KEKS bei sich aufgenommen. Der Papagei ihrer Schulfreundin Christina ist nicht mehr tragbar und soll weggegeben werden. Hat er doch seinen Wortschatz aus Fernsehkrimis erworben und durch lauthals geschriene Befehle wie „Hilfe!“, „Nicht bewegen!“, „Ich schieße!“ die Polizei ins Haus gerufen.

Klar, dass da Tilda wieder mal ihr Tierretter-Gen übermannt, und so nehmen sie und Jette das Tier einfach mit um es zu therapieren. „Wir müssen viel mit KEKS reden“, meinen sie und denken sich für den Entzug des Krimivokabulars lustige Wörter aus wie „Mixfantastico-Purzelschnipsel-Piep“.

Sonja Maren Kientsch bringt den Lesern das Geschehen mit humorvollen, detailreichen Beschreibungen nahe. Es ist ein heiteres Buch, dessen Emotionalität auch die überzeichneten Mienen in Raimund Freys schwarz-weißen Illustrationen wiedergeben.

Der Text ist in kurze Kapitel eingeteilt und altersgerecht geschrieben. Bestimmt ist er auch gut zum Vorlesen für jüngere Kinder geeignet.

Buch des Monats August 2018

Ulf Blank/Boris Pfeiffer:

Die drei ??? Kids -Die Räuberjagd

aus der Reihe Bücherhelden, 2.Klasse

Textillustrationen von Jan Saße

Kosmos-Franckh Verlag, Lesealter, 2017, 64 Seiten, ab 7 Jahren

Mit der vorliegenden Reihe „Bücherhelden – Die ??? Kids“ wird die Kultreihe der drei    ???-Romane kindgemäß für Leseanfänger umgesetzt.

In diesem Buch können sie gemeinsam mit Justus, Peter und Bob an der Aufklärung wirklich unglaublicher Vorgänge teilhaben, die in unmittelbarer Umgebung der Kinder passieren. Denn ihre Nachbarn werden bei Einbrüchen und Diebstählen beobachtet, und sogar Kommissar Reynolds scheint verdächtig! Es hätte nicht viel gefehlt und das Freundestrio wäre dem wirklichen Räuber auf den Leim gegangen. Doch da bemerkt Justus scharfsinnig, dass alle Verdächtigen etwa gemeinsam haben…

Die Geschichte ist ist für junge Leser ansprechend und angemessen formuliert, in kurze Kapitel gegliedert und in großer Schuldruckschrift gedruckt. Farbige, lustige Illustrationen auf fast jeder Seite lockern den Text auf. Leserätsel und Verständnisfragen, die sich konkret auf die Erzählung beziehen, animieren Leseanfänger einerseits zum genauen Hinschauen und Verstehen und fördern andererseits die Lesemotivation. Ein sehr guter Einstieg in das selbstständige Lesen, das man sich zudem noch mit Antolin-Punkten belohnen lassen kann.

In der Reihe  „Bücherhelden 2. Klasse – ??? Kids“ sind weiter erschienen:

  • Vorsicht Zaubertinte, 2017
  • Die Piratenbande, 2017
  • Achtung, Dinos!, 2018
  • Alarm, die Ritter kommen!, 2018

Daneben gibt es noch eine weitere Reihe „Bücherhelden 2.Klasse – Sternenschweif“, ebenfalls  eine altersgerechte Bearbeitung des besonders bei Mädchen beliebten Kinderbuches.

Für Leseanfänger bietet der Kosmos-Verlag vielfältige, recht ansprechende Titel in der Reihe „Bücherhelden 1. Klasse“ an.