Kategorie-Archiv: Buch des Monats

Buch des Monats November 2018

Nina Weger: Club der Heldinnen Bd.1 – Entführung im Internat

Vignetten von Nina Dulleck,

Verlag Friedrich Oetinger Hamburg 2017, 218 Seiten, Lesealter 9 – 11 Jahre

Flo (Florence) und Pina, beide 10 Jahre alt, empfinden sich als „Blutsschwestern“. Beide teilen sich ein Zimmer im „Mathilda Imperatix“, einem Internat für Mädchen mit besonderen Fähigkeiten. Im vergangenen Jahr haben beide die berühmte „rote Liste“ der Direktorin angeführt. Niemand war häufiger ausgebüxt als die beiden. (Nur einmal die Woche dürfen die Schülerinnen unter Aufsicht das Schulgelände verlassen, wobei ein näherer Kontakt zur Bevölkerung verboten ist.) Aber die beiden sind sich nach wie vor einig: An tausend Jahre alte Regeln muss man sich nicht halten.

Mit dem neuen Schuljahr hat ihnen jedoch die Schulleitung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Flo und Pina müssen ein ausbruchssicheres Zimmer beziehen. (Wie sollen sie nun ihre Wette gegen einen netten Jungen aus dem Dorf gewinnen?) Und damit nicht genug – sie müssen sich damit abfinden, dass die merkwürdige neue Schülerin bei ihnen mit einzieht. Blanca ist aus Paraguay, mit einem Seesack angereist und leidenschaftliche Cup-Cake-Bäckerin. Die beiden Freundinnen trauen ihr nicht.

Die Geländespiele zu Beginn des Schuljahres bieten allen Schülerinnen die Gelegenheit, ihre besonderen Talente unter Beweis zu stellen. Flo kann besonders gut reiten und strategisch planen, während Pina sich in der Natur auskennt und gut im Bogenschießen ist. Beide sind begeistert in ihrem Element, als das Notrufhorn ertönt. Pflichtgemäß begeben sich die Mädchen zum nächsten Notfallpunkt. Dort erfahren sie zu ihrem Entsetzen, dass Charly, Flos kleine Schwester, verschwunden ist. Ohne die Rettungssuche der Erwachsenen abzuwarten, beginnen Pina und Flo nach Spuren zu suchen. Hat etwa Blanca damit zu tun? Ihr Misstrauen geben sie schnell auf, als sie erkennen: Sie weiß mehr und sie brauchen ihre Hilfe. Mutig setzen die drei all ihre Fähigkeiten ein, um Charly zu finden, und schrecken auch vor Gefahren nicht zurück, als sich das Verschwinden der kleinen Schwester als Entführung entpuppt.

Von Anfang an versprechen die „mutigen Heldinnen“ Lesespaß. Sie können fast alles und bieten damit die Gewähr, die Handlung zu einem guten Ende zu führen. Ihre Dialoge sind oft mit typischen Sprüchen gespickt, die sich aus ihrer Abstammung herleiten. (Florence stammt aus einem Ritter-, Blanca aus einem Piratengeschlecht und Pinas Vorfahren rechnen sich zum Indianerstamm der Cherokee.) Ihr Witz und die verbalen Rangeleien der Mädchen beleben die Erzählung.

Am Anfang der Handlung wird der Leser mit vielen Details des Schulalltags und zahlreichen Personen bekannt gemacht. Sobald aber die Dramatik der Entführung ihren Lauf nimmt, konzentriert sich das Geschehen ausschließlich auf die drei Heldinnen. Mit ihnen steigt man ein in den Wettlauf gegen die  Zeit. 48 Stunden haben sie Zeit und die erlebten Abenteuer werden von der Autorin spannend und mitreißend geschildert.

„Entführung im Internat“ ist ein gut zu lesendes Mädchenbuch. Als weitere Bände der Serie liegen vor: „Hochverrat im Internat“, Bd. 2 und „Bärenalarm im Internat“, Bd.3

Unsere Bücher des Monats – Übersicht mit Buchcover

Hier haben wir noch einmal alle unsere Bücher des Monats mit dem Buchumschlag zusammengestellt.

Wer auf das jeweilige Buchcover klickt, kommt zu unserer Buchbesprechung.

Das Copyright der Cover liegt natürlich beim jeweiligen Verlag.  Wir bedanken  uns ausdrücklich dafür, dass wir die Cover hier zeigen dürfen.

    

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Ins Blaue hineinChrisHigginsWaschbär

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9783407820273u1_978-3-596-85492-9Ferdi_Lutz_und_ich9783522501422Magic_Cape.inddmit freundl. Genehmigung des Aladin Verlags

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Buch des Monats Oktober 2018

Kerstin Gier: Wolkenschloss

FJB – Verlag, 2017, 460 Seiten, Lesealter ab 12 Jahren

Mit „Wolkenschloss“ erzählt Kerstin Gier einen amüsanten Mädchenroman mit Spannung, Herz und Humor. Im Gegensatz zu den vorausgegangenen Trilogien (Silber-, Edelstein-) handelt es sich um ein eigenständiges Buch, das die Autorin selbst als „kuschelig“ bezeichnet. Verständlich, zumal sich die Geschichte in den tief verschneiten Schweizer Bergen um Weihnachten und Silvester abspielt.

Das alte, nicht mehr wirtschaftliche Grandhotel wirbt zu den Feiertagen mit seiner Zuckerbäckerkulisse, detailreich mit Glitzer im Buchcover dargestellt. Alles an vergangenem Luxus und stilvollen Ritualen wird aufgeboten, um finanzkräftigen Gästen die Illusion einer „guten, alten Zeit“ zu vermitteln. Das aus der Zeit gefallene, schrullige Hauspersonal tut sein Übriges. „Man denkt, jeden Moment kommt der Butler aus Downtown Abbey um die Ecke geschlurft“, fasst eine junge Amerikanerin ihren Eindruck zusammen.

Fanny Franke, 17 Jahre  alt, Praktikantin im „Wolkenschloss“, ist die Erzählerin der Geschichte. Als „Mädchen für alles“, „flexibel einsetzbar“, ist sie mit allen im Hotel arbeitenden Menschen und den exklusiven Gästen vertraut und führt den Leser mit detailreichen, vertraulichen Informationen in deren Besonderheiten und Geheimnisse ein. Ihr Hang zur Neugier lässt sie schnell erkennen, dass nicht allen zu trauen ist: Die russische Oligarchenfamilie ist unter falschem Namen angereist. Ist sie im Besitz eines legendären Diamanten? Der junge, sympathische, gut aussehende Tristan klettert an Fassaden hoch. Betreibt er seinen Sport oder steigt er auf Raubzug in fremde Zimmer ein? Ist das Familienoberhaupt der Familie Burkhardt der undurchsichtige Boss einer Müllmafia, der sein Schwarzgeld wäscht? usw.

Freundschaftlichen Beistand in ihren „Ermittlungen“ erhält Fanny von Ben, dem Hotelierssohn. Beide mögen sich auf Anhieb und sind sich gegenseitig Hilfe und Stütze, denn auf einmal wird Schmuck gestohlen. Als dann auch Kinder verschwinden, steht ihnen die alte Geschichte vom Grandhotel Kidnapper vor Augen. Fannys Besorgnis erweist sich als begründet, denn ehe sie  sich versieht, wird sie selbst in ein lebensbedrohliches Abenteuer hineingezogen. Mit einem Mal nimmt die Geschichte, die bis dahin ruhig dahin floss, Fahrt auf und entwickelt sich zu einem Krimi.

Kerstin Gier schreibt in einem heiteren Stil, der auf dem Humor und der Schlagfertigkeit ihrer Hauptperson beruht. Einen breiten Raum ihrer Erzählung nimmt die Schilderung der Räumlichkeiten des Schlosses (Ballsaal, antiquierte Waschküche, Schleichwege, Hintertreppen) ein, wobei der nostalgische Charme recht stark aufgetragen wird.  Die breite, handlungsarme Einführung der zahlreichen handelnden Personen (Ein Personenverzeichnis ist angehängt.)  lässt lange Zeit nichts Aufregendes passieren, bis dann im letzten Drittel die Spannung dramatisch ansteigt.

Ein Buch für Mädchen im Teenager-Alter kann nicht auf Herzklopfen und Gefühlswirren verzichten. Fanny kann sich gleich zwischen zwei sympathischen Jungen entscheiden. An wen sie ihr Herz verliert, spielt vordergründig keine Rolle und wird nicht eindeutig klar.

Die Bücher des Monats auf einen Blick!

Ein Klick auf den Titel führt zu unserer Buchvorstellung.

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Ackermann, Anja: Emi und Luna. Eine Freundschaft mit Kawumm. Ein Huhn steht kopf

Andres, Kristina: Mucker & Rosine

 Banks, Angelica: Tuesday und der Zauber des Anfangs

Blanvillain, Luc: Tagebuch eines Möchtegern-Versagers

Blazon, Nina: Lillesang

Bertram, Rüdiger: Gegen uns könnt ihr nicht anstinken

Bertram, Rüdiger: Coolman und ich

Biegel, Paul: Die Prinzessin mit den roten Haaren 

Blank, Ulf/ Pfeiffer, Boris: Die drei ??? Kids -Die Räuberjagd

Boonen, Stefan: Ein Mädchen, sieben Pfannkuchen und ein roter Koffer

Collins, Suzanne:  Gregor und die graue Prophezeiung

Engström Mikael/Willis, Helena: Ida, Paul und Frankensteins Katze  

Foxley, Janet: Munkel Trogg –  Der kleinste Riese der Welt

Fröhlich, Anja: Lou und Rokko und das Katzenchaos

Gier, Kerstin: Wolkenschloss

Helmig, Alexandra: Lua und die Zaubermurmel

Higgins, Chris : Meine lustige Familie

Hub, Ulrich: Füchse lügen nicht

Hula, Saskia: Kaninchentage

Kaster, Armin: Ferdi, Lutz und ich

 Johnson, Pete:   Gut kombiniert, Trottel!  – Das magische Cape

 Kientsch, Sonja Maren : 2 Freunde für 4 Pfoten – Papageiplapperei

Krohn, Leena: Emil und der Pelikanmann

Lott, Anna: Moppi & Möhre – Abenteuer im Meerschweinchenhotel

Lüftner, Kai: Achtung, Milchpiraten – Rache für Rosa

Lütje, Susanne: Pauli Poltergeist – Willkommen in der Villa Funkelstein

Lubar, David: Plötzlich Zombie: So ein Mist!

Ludwig, Sabine:Warum Kater Konrad ins Wasser sprang und eine Maus in die Luft ging

Madden, Deirdre: Tierparadies Emily & Co.

Mason, Simon: Die Quigleys

Morgenroth, Matthias: Freunde der Nacht

Nesbo, Jo: Doktor Proktors Pupspulver

Nicoll, Tom: Drachenalarm auf meinem Teller

Nilsson, Frida: Hedvig! Das erste Schuljahr

Oschmann, Oliver; Witt, Sylvia: Log Out!

Philip,Gillian : Die Geheimnisse von Ravenstorm Island – Die verschwundenen Kinder

Pichon, Liz: Wo ich bin, ist Chaos – aber ich kann nicht überall sein

Reifenberg, Frank M.: Codewort Risiko, Kampf im ewigen Eis

Reschke, Katharina: Morlot – Detektive schlafen nie

Robson, Jenny: Tommy Mütze

Roeder, Annette: Die Krumpflinge – Reihe

Ruhe, Anna: Seeland – Per Anhalter zum Strudelschlund

Schiller, Fabian: Codewort Risiko, Die goldene Stadt im Dschungel

Schlitz, Laura Amy: Clara und die Magie des Puppenmeisters

Schulz, Hermann: Mandela & Nelson. Das Rückspiel

Stewner, Tanya: Alea Aquarius – Der Ruf des Wassers

Svensson, Linnea: Villa Wunderbar- Ein Waschbär zieht ein

Wilk, Janine: Lilith Parker – Insel der Schatte

 Wildner, Martina: Königin des Sprungturms

Weger, Nina: Club der Heldinnen Bd.1 – Entführung im Internat

Weger, Nina: Ein Krokodil taucht ab (und ich hinterher) 

 van de Vendel, Edward: Lena und das Geheimnis der blauen Hirsche

Zillgens, Gerlis: Der Froschkönig – was wirklich geschah: Hipp & Hopp retten Papa Grünsprung

Buch des Monats September 2018

Sonja Maren Kientsch: 2 Freunde für 4 Pfoten – Papageiplapperei

Textillustrationen von Raimund Frey,  Loewe – Verlag, 2017, 151 Seiten, Lesealter ab 8 Jahren

„Papageiplapperei“ ist der 2. Band aus der Reihe „2 Freunde für 4 Pfoten“. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, wobei die Autorin jedoch geschickt das vorangegangene Geschehen des ersten Bandes einbezieht.

Im Mittelpunkt stehen die 10-jährige Tilda, die auch Erzählerin ist, und ihre Freundin Jette. Beide begreifen sich als Tierretterinnen und wünschen sich nichts sehnlicher  als einen eigenen Raum, eine Tierretterzentrale sozusagen, in dem sie behandlungsbedürftige Tiere unterbringen und pflegen können.

Auf Tildas Hof steht ein Haus leer. Für sie liegt es daher nahe, sich dafür von ihren Eltern zu ihrem bevorstehenden Geburtstag einen Mietvertrag zu wünschen. Doch die haben andere Pläne und nun hat Tilda ein Papageienproblem. Ohne Absprache mit ihren Eltern hat sie nämlich KEKS bei sich aufgenommen. Der Papagei ihrer Schulfreundin Christina ist nicht mehr tragbar und soll weggegeben werden. Hat er doch seinen Wortschatz aus Fernsehkrimis erworben und durch lauthals geschriene Befehle wie „Hilfe!“, „Nicht bewegen!“, „Ich schieße!“ die Polizei ins Haus gerufen.

Klar, dass da Tilda wieder mal ihr Tierretter-Gen übermannt, und so nehmen sie und Jette das Tier einfach mit um es zu therapieren. „Wir müssen viel mit KEKS reden“, meinen sie und denken sich für den Entzug des Krimivokabulars lustige Wörter aus wie „Mixfantastico-Purzelschnipsel-Piep“.

Sonja Maren Kientsch bringt den Lesern das Geschehen mit humorvollen, detailreichen Beschreibungen nahe. Es ist ein heiteres Buch, dessen Emotionalität auch die überzeichneten Mienen in Raimund Freys schwarz-weißen Illustrationen wiedergeben.

Der Text ist in kurze Kapitel eingeteilt und altersgerecht geschrieben. Bestimmt ist er auch gut zum Vorlesen für jüngere Kinder geeignet.

Buch des Monats August 2018

Ulf Blank/Boris Pfeiffer:

Die drei ??? Kids -Die Räuberjagd

aus der Reihe Bücherhelden, 2.Klasse

Textillustrationen von Jan Saße

Kosmos-Franckh Verlag, Lesealter, 2017, 64 Seiten, ab 7 Jahren

Mit der vorliegenden Reihe „Bücherhelden – Die ??? Kids“ wird die Kultreihe der drei    ???-Romane kindgemäß für Leseanfänger umgesetzt.

In diesem Buch können sie gemeinsam mit Justus, Peter und Bob an der Aufklärung wirklich unglaublicher Vorgänge teilhaben, die in unmittelbarer Umgebung der Kinder passieren. Denn ihre Nachbarn werden bei Einbrüchen und Diebstählen beobachtet, und sogar Kommissar Reynolds scheint verdächtig! Es hätte nicht viel gefehlt und das Freundestrio wäre dem wirklichen Räuber auf den Leim gegangen. Doch da bemerkt Justus scharfsinnig, dass alle Verdächtigen etwa gemeinsam haben…

Die Geschichte ist ist für junge Leser ansprechend und angemessen formuliert, in kurze Kapitel gegliedert und in großer Schuldruckschrift gedruckt. Farbige, lustige Illustrationen auf fast jeder Seite lockern den Text auf. Leserätsel und Verständnisfragen, die sich konkret auf die Erzählung beziehen, animieren Leseanfänger einerseits zum genauen Hinschauen und Verstehen und fördern andererseits die Lesemotivation. Ein sehr guter Einstieg in das selbstständige Lesen, das man sich zudem noch mit Antolin-Punkten belohnen lassen kann.

In der Reihe  „Bücherhelden 2. Klasse – ??? Kids“ sind weiter erschienen:

  • Vorsicht Zaubertinte, 2017
  • Die Piratenbande, 2017
  • Achtung, Dinos!, 2018
  • Alarm, die Ritter kommen!, 2018

Daneben gibt es noch eine weitere Reihe „Bücherhelden 2.Klasse – Sternenschweif“, ebenfalls  eine altersgerechte Bearbeitung des besonders bei Mädchen beliebten Kinderbuches.

Für Leseanfänger bietet der Kosmos-Verlag vielfältige, recht ansprechende Titel in der Reihe „Bücherhelden 1. Klasse“ an.

Buch des Monats Juli 2018

Anna Lott:

Moppi & Möhre – Abenteuer im Meerschweinchenhotel  

Mit Bildern von Susanne Göhlich

Lesealter ab 5 Jahren, 112 Seiten, Carlsen 2017

Wer sich auf die Vorstellung eines Hotels für Meerschweinchen einlassen kann, ist für dieses Buch der richtige Leser. Vorausgesetzt wird Hotel- bzw. Cluberfahrung, denn wie sonst kann man die diversen Wellnessangebote (Pool, Sauna etc.) und den Überfluss des „All you can eat-Angebotes“ (Knabber-büffet, Grasspaghetti, Gurkeneis,…) dieser Ferienunterkunft begreifen.

Susanne Göhlich veranschaulicht mit ihren farbigen Illustrationen gut die Hotelausstattung und setzt die Akteure dieser Geschichte humorvoll in Szene.

Neben Moppi und Möhre verbringen dort noch Elvis, Nacki, Grufty und das Schaf Schäfi ihre Ferien und schließen Freundschaft. Weitere Familien haben also für die Betreuung ihres Lieblings während des Urlaubs das Hotelangebot wahrgenommen, denn wohin sonst mit dem Tier, wenn Freunde und Verwandte nicht einspringen können?

Trotz des komfortablen Lebens freuen sich alle Haustiere aber wieder auf ihre Familie – nur der schwarze Grufty nicht. Immer schlecht gelaunt und gemein zu den anderen versucht er ihnen weiszumachen, sie seien alle hier, weil ihre Besitzer sie nicht mehr haben wollten. Diese Behauptung empört die Gruppe maßlos, verunsichert sie aber so, dass sich die Tiere aus dem Hotel schleichen, um bei sich zu Hause nach dem Rechten zu schauen. Natürlich erhärtet nichts Gruftys Verdacht. Doch während der Unternehmung vertraut ihnen das schwarze Meerschweinchen seine traurige Geschichte an und veranlasst die Freunde, ihn mit anderen Augen zu sehen. Ein neues Haustier, ein Hund, verdrängte ihn vom Platz an der Seite seines Herrchens. Von ihm gejagt floh Grufty, fand  Unterschlupf im Meerschweinchen-hotel und lebt hier seitdem. Die Tiere können nicht glauben, dass der Besitzer Grufty nicht vermisst. Vielleicht weiß er ja gar nicht, wo er sich aufhält? Und auch Grufty wird unsicher, ob sein Herrchen wirklich will, dass er weg ist. Auf abenteuerliche Weise bringen die Freunde ihm sein Meerschweinchen zurück und machen ihn damit überglücklich.

Anna Lott schildert auf unterhaltsame Art die Trennung von Kindern und ihren Haustieren im Urlaub und zerstreut auf spielerische, fröhliche Art mögliche Ängste. Die Geschichte beschreibt die Bedeutung verlässlicher Freundschaft und die schädlichen Auswirkungen des Gefühls, verlassen worden zu sein.

Der Text ist humorvoll geschrieben und steckt voller lustiger, fantasievoller Einfälle. Die Autorin erzählt in klarer, einfacher Sprache und gliedert die Handlung in kurze Kapitel.

Insbesondere die lustigen Dialoge machen die Geschichte zu einem idealen Vorlesebuch sowohl für Jungen wie auch für Mädchen.

Buch des Monats Juni 2018

Gerlis Zillgens: Der Froschkönig – was wirklich geschah: Hipp & Hopp retten Papa Grünsprung

farbig illustriert von Katja Jäger, Lesealter ab 8 Jahre, 92 Seiten, Verlag Südpol, Februar 2017

Gerlis Zillgens liefert mit der Geschichte von Hipp und Hopp eine originelle Variante des bekannten Märchens vom Froschkönig, indem sie als wissende Erzählerin die Perspektive der Froschkinder einnimmt.

Hipp  und Hopp werden als Geschwister sehr herzlich beschrieben, auch wenn der kleine tollpatschige Hopp nervt und die große angepasste Schwester alles besser weiß. Da ihre Mutter von einem Frosch geschnappt wurde, muss ihr liebenswerter Papa sie allein erziehen.

Gut gelaunt spielt er mit seinen Kindern Verstecken, als eine „kreischende Stimme die Luft durchsägt.“ Sie kommt aus dem Mund eines fiesen Monsters mit goldener Krone, das „so groß ist wie hundert Frösche aufeinander.“ Mit gespitzten Lippen drückt es Papa Grünsprung einen Kuss aufs Gesicht  und Hipp und Hopp müssen mit ansehen, wie sich ihr Vater auf der Stelle verwandelt. Das gesunde Grün seiner Froschhaut wird weiß und „am Ende  steht er auf gigantisch langen Beinen“ und hat sich in einen Prinzen verwandelt.

Verzagt beratschlagen die Froschkinder, wie sie ihren Vater wiederbekommen können. Zum Glück begegnen sie der Kröte Augusta Quaatsch und die weiß Rat: „Ein kleiner Kuss von Irene [der Froschprinzessin], und „schwuppsdidumm, ist euer Vater wieder ganz der alte Frosch.“ –  Leider lebt Irene „ungefähr zehn große Wälder weiter.“ Man bräuchte also eine Flugbereitschaft… Durch  einen klugen Deal mit dem ärgsten Fressfeind der Frösche gelingt es Frau Quaatsch, einen Storch als Helfer zu gewinnen.

(Den Transport der kleinen Delegation im Storchschnabel hat Katja Jäger sehr humorvoll im Bild festgehalten.)

Gerlis Zillgens erzählt eine fantasievolle Geschichte voller Sprachwitz und Einfallsreichtum. Herrlich, wie sie die Typen-Klischees der unterschiedlichen Charaktere ausmalt! Die Autorin schreibt in verständlicher Sprache in der Gegenwart. Auffällig ist der lesefreundliche Druck. Die wörtliche Rede ist eingerückt, der Zeilenabstand groß und der Text einfallsreich gesetzt, was Leseanfängern die Textübersicht erleichtert.

Mit ihrem Buch gibt die Autorin dem Märchen vom Froschkönig einen neuen Dreh und weckt damit Neugier und Leselust. Es ist auch als Vorlesebuch unbedingt empfehlenswert.

Katja Jägers zahlreiche farbige Illustrationen bestechen durch ihre Klarheit. (Man betrachte das  Buchcover.) Sie sind im Wesentlichen auf die handelnden Akteure beschränkt und von einer besonderen Farbigkeit. Die Bildszenen sind meist zart unterlegt mit pastellfarbenen Mustern, die wie Tapetencollagen wirken und die Bildfläche für die Handlung liefern.

Buch des Monats Mai 2018

Angelica Banks:

Tuesday und der Zauber des Anfangs

Aus dem Englischen von Anke Knefel

magellan-Verlag, 2014, 239 Seiten, Lesealter ab 8, besser  ab 10 – 12 Jahren

Mit dem Buch „Tuesday und der Zauber des Anfangs“ beginnt eine dreibändige Reihe. (Band 2: „Tuesday und der Ruf des Silberfadens“, Band 3: „Tuesday und das Jahr ohne Sommer“)  Hinter dem Autorennamen Angelica Banks stehen zwei australische Schriftstellerinnen: Heather Rose und Danielle Wood. Mit ihrem ersten gemeinsamen Buch haben sie ihrer Liebe zu Büchern einen Ausdruck verliehen.

Tuesday McGillicuddys Mutter ist eine bekannte Kinderbuchautorin, gibt ihre Geschichten jedoch 61Fc2r34BOL._SX348_BO1,204,203,200_unter dem Pseudonym Serendipity Smith heraus, um ihre Familie vor öffentlicher Neugier zu schützen. Sowohl Tuesday als auch ihr Vater wissen, dass sie sich für kreative Denkpausen manchmal länger aus dem Familienleben zurückzieht. Diesmal aber, kurz vor Vollendung ihres Buches, taucht sie gar nicht mehr auf, ist schlichtweg verschwunden. Die Fenster in ihrem Arbeitszimmer stehen weit auf und in ihrer Schreibmaschine steckt ein leeres weißes Papier. Tuesday fühlt sich davon magisch angezogen, setzt sich und beginnt zögernd zu tippen. Plötzlich entschweben die Buchstaben, verwandeln sich in einen hauchzarten Faden und umspinnen ihren Körper. Eine magische Kraft zieht sie durch das Fenster hinaus in die Nacht. Gerade kann ihr Hund Baxterr noch auf ihren Arm springen. Als Tuesdays Vater das sieht, ist er nicht überrascht. Er weiß, eine Geschichte hat seine Tochter gefesselt (wie oft zuvor Tuesdays Mutter) und geleitet sie nun mit Hilfe des Silberfadens an den Ort der Fantasie, an dem alle Geschichten ihren Anfang nehmen. In der Bibliothek aller Bücher der Welt stößt Tuesday auf die ihr bekannten Geschichten ihrer Mutter und taucht in sie ein, weil sie glaubt, sie dort zu finden. Sie durchlebt zahlreiche spannende Abenteuer, auch gefährliche Bedrohungen noch einmal nach. Doch vergebens! – Und je länger ihre Reise dauert, desto größer wird die Sehnsucht nach ihrem Zuhause. Aber wie soll sie zurückfinden? Glücklicherweise kann ihr Vivienne Small, ihre Lieblingsheldin aus den Büchern ihrer Mutter helfen.

Die Autorinnen haben ein zauberhaftes Buch voller Spannung und Ideenreichtum geschrieben. Bestechend die Vorstellung, an einem Silberfaden in das Reich der Fantasie zu fliegen. Das gelungene Buchcover greift diese Idee auf: Ein Scherenschnitt zeigt ein lesendes Mädchen, aus dem Buch entweichen Schmetterlinge, die seine Phantasie anregen. Das gerahmte Bild ist vom geheimnisvollen Dunkel der Nacht umgeben.

Sowohl Tuesday als auch ihrem Hund Baxterr wird von Anfang an die Zuneigung des Lesers/der Leserin gehören und sie zu ihrem Begleiter und Mitstreiter machen. Mit einer lebhaften, begeisternden Erzählweise erschließen die Autorinnen den Kindern mühelos die Vorstellungen ihrer Fantasie.

Das Buch ist sehr vielschichtig aufgebaut. Geübten Lesern wird es aber nicht schwerfallen, sich in den verschiedenen Welten zurechtzufinden.

Buch des Monats April 2018

Linnea Svensson: Villa Wunderbar

Ein Waschbär zieht ein

illustriert von Nikolai Renger, 

ab 5 Jahren , Loewe-Verlag, 1. Auflage 2017, 128 Seiten

In der Villa Wunderbar sorgt Henri, ein kleiner verschmuster Waschbär dafür, dass „überhaupt kein Tag wie der andere“ ist.Waschbär

Am laufenden Band überrascht er die Bewohner des Hauses mit seinen ungewöhnlichen Ideen. „ Heute…“, so beginnt denn auch eine jede der 20 Geschichten über die turbulenten Ereignisse um das eigenwillige Haustier.

Mathilda und ihr Cousin Joschi gehen beide in die erste Klasse und wohnen mit ihren Familien sowie Oma Hilde und Opa Günter gemeinsam unter einem Dach. Die Großmutter betreibt ein kleines Café mit einen Waschsalon und dort haben die Kinder in der Trommel einer alten Miele-Waschmaschine das kleine Pelzknäuel gefunden. Alle Hausbewohner sind von Henri entzückt, zumal sich auch noch herausstellt, dass er sprechen kann. Und so sind sie sich einig ihn behalten zu wollen und der Waschbär hat nichts dagegen.

Aber das Tier hat es faustdick hinter den Ohren und weiß seine Interessen zielstrebig zu verfolgen, so tollpatschig und charmant es auch wirken mag. Durch Henris Eingreifen verwandeln sich alltägliche Vorkommnisse in witzige, aufregende Abenteuer, egal, ob er nun Mäusebabys rettet, in Omas Café eine Kuchendiebin aufspürt oder in seiner Miele den Gelderlös aus der Flohmarktkasse wäscht. Mit verständnisvoller Zuwendung versucht die Familie immer, seine Taten einem guten Ende zuzuführen, so dass er zur Einsicht kommt, jedoch sein Gesicht wahren kann.

Sandra Grimm und Ann-Katrin Heger (Linnea Svensson) erzählen auf herzlich liebevolle Weise Geschichten, in denen beispielhaft der zwischenmenschliche Umgang mehrerer Generationen vor Augen geführt wird. Die Texte müssen nicht in der vorgegebenen Reihenfolge gelesen werden. Mit der überschaubaren Länge von 3 – 4 Seiten sind sie gut zum Selberlesen geeignet, bereiten aufgrund der humorvollen Texte aber bestimmt auch einem Vorleser Freude. Fest steht, ein jedes Abenteuer macht Lust auf mehr.

Farbe ins Bild bringt im wahrsten Sinne des Wortes Nikolai Renger. Seine zahlreichen, oft Seiten übergreifenden Illustrationen sind humorvoll, ausdrucksstark und untermalen auf kindgerechte Weise den Textinhalt.

Anfang 2018 erschien bereits ein Folgeband: Villa Wunderbar – Das Apfelfest.