Archiv für den Autor: Marianne Höfelmann

Buch des Monats August 2020

Katja Alves: Die supergeheime Pfötchen-Gäng (Bd.1).

Der Zwei-Millionen-Körnerschatz

Illustriert von Marta Balmaseda

Arena -Verlag, 2017, 88 Seiten, Lesealter ab 7 Jahren

Wenn sich die Bewohner des Hauses am Nusskernweg auf den Weg zur Arbeit oder zur Schule gemacht haben, müsste dort eigentlich Totenstille herrschen. Doch wer genau hinhört, bemerkt  „ein seltsames Rascheln, Piepsen und Knabbern. Das kommt von den Haustieren.“

Auf einer Stange seines Vogelbauers im 3. Stock sitzt der Nymphensittich Elvis und bemüht sich, seine Kopffedern in Stellung zu bringen. Begeistert ruft er aus: „Fast perfekt! Jetzt sehe ich aus wie dieser berühmte Fußballer. Wie heißt er doch gleich?“ Seine überzogene Eitelkeit macht ihn zu wahrlich zu einem komischen Vogel.

Fräulein Adele, das vornehme Chamäleon im Stockwerk darunter, verhält sich da wesentlich zurückhaltender. Schließlich studiert es seinen Fähigkeiten entsprechend Verwandlungswissenschaften, wechselt allenfalls die Farbe und redet mit sich selbst.

Unterdessen geht es bei den Meerschweinchen in der 1. Etage munter und laut zu. Knolle und Bertie trainieren wieder einmal ihren Muskelaufbau, indem sie Karotten stemmen. Bertie fehlt der nötige Ehrgeiz. Er tanzt lieber den Popo-Tanz; „Links, rechts, links – rechts, rechts, links! Pfötchen in die Höhe und drei Mal kurz geschnuppert: Schnuffel – tuffel – muffel!“

Durch Zufall entdecken die beiden Freunde dabei, dass der Popo-Tanz ein Tür-auf-Trick sein kann. Ihrem Käfig entkommen entdecken sie ihre Umgebung und lassen die anderen Haustiere frei. Elvis ist von der neuen Möglichkeit begeistert: „Was ihr da macht ist ober-piepen-schnabel-scharf!“ Sofort fliegt er in die Küche um hinter den Schranktüren den Körner-Notvorrat zu suchen. Zurück in seinem Käfig bemerkt er, dass dort das wertvolle Bild seiner Urahnin, der Großtante Viktoria fehlt. Und was das Ganze noch schlimmer macht: Auf seiner Rückseite befindet sich eine Schatzkarte mit dem Weg zu einem Zwei-Millionen-Körnerschatz! Das Bild muss wieder gefunden und der Dieb geschnappt werden! Die Pfötchen- und Füßchen-Tiere postieren einstweilen den Hofkater Rufus in Elvis´ Zimmer, um den Tatort zu bewachen und begeben sich im Haus gemeinsam auf „Verbrecherjagd“. Dabei begegnen sie einer trügerischen Freundin…

Der Reiz des vorliegenden Buches liegt in der völligen Übereinstimmung des liebevoll humorvollen Textes mit den witzigen, frechen Zeichnungen. Jede Buchseite ist illustriert und umrahmt somit das Geschehen der Handlung. Sowohl der Text als auch die Bilder basieren auf menschlichen Verhaltensweisen und wecken damit amüsierte Aufmerksamkeit. Natürlich braucht so ein Buch einen harmonischen Schluss, zumal es der erste Band einer Reihe ist und die Handlungskonstellation weitergeführt wird. Die Tiere der Pfötchen-Gäng sind sich einig: „Aber jetzt, wo uns alle Türen offen stehen, können wir uns doch regelmäßig treffen.“

Das Buch eignet sich gut zum Vorlesen, ist aber wohl für lesegeübtere Grundschüler(-innen) gedacht. Sie werden ihre Freude daran haben.

  • weitere Bücher der Pfötchen-Gäng: Die geheimnisvolle Glückskatze (Bd.2), Die supergeheime Flüsterpost (Bd.3), Das knifflige Krötenduell (Bd.4)

Buch des Monats Juli 2020

Sarah Beth Durst: Die Macht der verlorenen Träume

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Nadine Mannchen

ab 11 Jahren,  320 Seiten

Loewe-Verlag, erstmals erschienen 2017, 4. Auflage 2019,

Die 12-jährige Sophie ist eine Einzelgängerin und empfindet es als Vorteil mit anderen Kindern nicht ins Gespräch zu kommen. Sie muss nämlich das Geheimnis ihrer Eltern wahren. Die führen zwar den kleinen Buchladen „Traumfänger“, im Keller des Hauses aber extrahieren sie aus Traumfängern Träume, füllen sie in Flaschen und verkaufen sie an eingeweihte Kunden. Die Familie stellt diese Traumfänger selbst her. Sie verschenkt sie an Kunden und bietet ihnen an, gebrauchte gegen neue zu tauschen. In der Schule versorgt Sophie Ethan, Madison und Lucy mit Traumfängern, weil sie bemerkt hat, dass die unter schlechten Träumen leiden.

Sophie selbst kann nicht träumen. Als sie aber sechs Jahre alt war überwältigte sie der Wunsch danach so sehr, dass sie heimlich eine der blauen Traumflaschen öffnete und sie leer trank. Ihr Zimmer tauchte sich in wilde Schatten und ein sprechendes Fellmonster mit sechs Fangarmen kroch aus dem Schrank (s. Buchcover). Als Sophie aus dem Traum aufwachte, lag das schwarze Pelzknäuel neben ihr. Lebewesen aus Träumen können nämlich in dieser Geschichte zum Leben in die reale Welt erweckt werden. Seither beansprucht „Monster“ den Platz als Sophies bester Freund und Beschützer. Soweit der Einstieg in die fantasievolle Geschichte.

Ein „Herr Nachtmahr“ jedoch durchbricht die eingespielten Abläufe der Familie. Sophie darf aus Sicherheitsgründen Traumkunden nicht begegnen. Am Morgen ihres Geburtstages aber platzt sie  mit „Monster“ aufgeregt in den Laden und trifft auf eben diesen Mann, der sie eiskalt mustert und ihr Angst einjagt.  Das Gefühl ist nicht unbegründet, denn am nächsten Schultag ist Sophies Fach in der Schule aufgebrochen und anstelle der dort von ihr aufbewahrten Traumfänger hat „Herr Nacht-mahr“ ihr eine Geburtstagskarte hinterlassen. Die nächste böse Überraschung erwartet sie zu Hause. Der Buchladen ist verwüstet, ihre Wohnung leer und in den Kellerregalen fehlen sämtliche Alpträume sowie der Traumdestillator. Und das Schlimmste: von ihren Eltern keine einzige Spur. „Herr Nachtmahr“ muss sie entführt haben! Im Verkaufsbuch findet sie seinen richtigen Namen, auch seine Adresse. Gemeinsam mit Ethan und „Monster“ macht sie sich dorthin auf den Weg und begibt sich damit in ein gefährliches Abenteuer.

Um den letzten Teil  des Buches zu durchdringen benötigt man Fantasy- und Gruselerfahrung, denn „Herr Nachtmahr“  verkörpert das Böse schlechthin. Um seine endlose Sucht nach Monstern zu erfüllen, braucht er menschliche Helfer, die er gewaltsam zwingt seinen Willen auszuführen. Die Bedrohung der Kinder durch eine Vielzahl grässlicher Kreaturen sowie ständig unerwartete Wendungen der Handlung erzeugen bis zum Schluss eine sich steigernde Spannung. In all der Dramatik gibt es jedoch auch unterhaltsame Elemente. Die Mitstreiter aus der fantastischen Welt, also „Monster“, das fliegende Einhorn „Glitzerhuf“ und die rosa „Ninja“-Häschen sind mit ihren witzigen Dialogen und flapsigen Sprüchen einfach zu komisch.

Um ihre Eltern zu retten muss Sophie zu zweiten Mal träumen und erlebt dabei Furchtbares. Sie macht am Ende die Erfahrung, dass sie doch Freunde brauchte, um Ängste zu besiegen und Gefahren zu überwinden.

Sarah Beth Durst lässt fantastische Elemente in die reale Welt einfließen und umgekehrt. Das Buchcover fängt diesen faszinierenden Übergang zwischen den Welten auf geheimnisvolle Weise ein.

Die Geschichte von „Der Macht der verlorenen Träume“ ist sowohl für Mädchen wie Jungen lesenswert.

Öffnung ab 13.8.2020 – Es geht wieder los!

Liebe Leserinnen und Leser,

wir öffnen die Bücherei wieder am 13.8.2020. Vorerst findet die Ausleihe nur noch donnerstags von 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr statt.

Aufgrund der Corona-Beschränkungen  und unserer engen Räume dürfen immer nur ein Leser/eine Leserin oder eine Familie die Bücherei betreten. Eine Mundschutzmaske ist auch erforderlich.

Wir freuen uns trotzdem auf viele Leserinnen und Leser!

Euer Büchereiteam

 

Unsere Bücher des Monats – Übersicht mit Buchcover

Hier haben wir noch einmal alle unsere Bücher des Monats mit dem Buchumschlag zusammengestellt.  Wer auf das jeweilige Buchcover klickt, kommt zu unserer Buchbesprechung. Das Copyright der Cover liegt natürlich beim jeweiligen Verlag.  Wir bedanken  uns ausdrücklich dafür, dass wir die Cover hier zeigen dürfen.

   

  

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Ferdi_Lutz_und_ich9783522501422Magic_Cape.inddmit freundl. Genehmigung des Aladin Verlags

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Die Bücher des Monats auf einen Blick!

Ein Klick auf den Titel führt zu unserer Buchvorstellung.

Ackermann, Anja: Emi und Luna. Eine Freundschaft mit Kawumm. Ein Huhn steht kopf

Alves, Katja: Die supergeheime Pfötchen-Gäng

Andres, Kristina: Mucker & Rosine

Ardagh, Philip: Familie Grunz hat Ärger

Banks, Angelica: Tuesday und der Zauber des Anfangs 

Berg, Christian: Rumpelröschen

Blanvillain, Luc: Tagebuch eines Möchtegern-Versagers

Blazon, Nina: Lillesang

Bertram, Rüdiger: Gegen uns könnt ihr nicht anstinken

Bertram, Rüdiger: Coolman und ich

Biegel, Paul: Die Prinzessin mit den roten Haaren 

Blank, Ulf/ Pfeiffer, Boris: Die drei ??? Kids -Die Räuberjagd

Brandis, Katja: Woodwalkers – Carags Verwandlung

Boonen, Stefan: Ein Mädchen, sieben Pfannkuchen und ein roter Koffer

Collins, Suzanne:  Gregor und die graue Prophezeiung

Durst, Sarah Beth: Die Macht der verlorenen Träume

Engström Mikael/Willis, Helena: Ida, Paul und Frankensteins Katze  

Foxley, Janet: Munkel Trogg –  Der kleinste Riese der Welt

Fröhlich, Anja: Lou und Rokko und das Katzenchaos

Funke, Cornelia: Palast aus Glas

Galveston, Louise: Der (überhaupt gar nicht) allmächtige Todd

Gessner, Stefanie: Lil April

Gier, Kerstin: Wolkenschloss

Grimm, Sandra: Fantastische Vorlesegeschichten

Habersack, Charlotte: Bitte nicht öffnen: Feurig!

Helmig, Alexandra: Lua und die Zaubermurmel

Higgins, Chris : Meine lustige Familie

Hub, Ulrich: Füchse lügen nicht

Hula, Saskia: Kaninchentage

 Johnson, Pete:   Gut kombiniert, Trottel!  – Das magische Cape

Kaster, Armin: Ferdi, Lutz und ich

 Kientsch, Sonja Maren : 2 Freunde für 4 Pfoten – Papageiplapperei

Kling, Marc-Uwe: Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat

Krohn, Leena: Emil und der Pelikanmann

Lott, Anna: Moppi & Möhre – Abenteuer im Meerschweinchenhotel

Lüftner, Kai: Achtung, Milchpiraten – Rache für Rosa

Lütje, Susanne: Pauli Poltergeist – Willkommen in der Villa Funkelstein

Lubar, David: Plötzlich Zombie: So ein Mist!

Ludwig, Sabine:Warum Kater Konrad ins Wasser sprang und eine Maus in die Luft ging

Maar, Paul: Snuffi Hartenstein

Madden, Deirdre: Tierparadies Emily & Co.

Mason, Simon: Die Quigleys

Morgenroth, Matthias: Freunde der Nacht

Nesbo, Jo: Doktor Proktors Pupspulver

Nicoll, Tom: Drachenalarm auf meinem Teller

Nilsson, Frida: Hedvig! Das erste Schuljahr

Oschmann, Oliver; Witt, Sylvia: Log Out!

Philip,Gillian : Die Geheimnisse von Ravenstorm Island – Die verschwundenen Kinder

Pichon, Liz: Wo ich bin, ist Chaos – aber ich kann nicht überall sein

Poßberg & Böckmann: Das Wilde Haus der Tiere – Das Drama-Lama

Reider, Katja: COOL in 10 Tagen

Reifenberg, Frank M.: Codewort Risiko, Kampf im ewigen Eis

Reschke, Katharina: Morlot – Detektive schlafen nie

Robson, Jenny: Tommy Mütze

Roeder, Annette: Die Krumpflinge – Reihe 

Rühle, Alex : Zippel, das wirklich wahre Schlossgespenst

Ruhe. Anna: Die Duftapotheke (2). Das Rätsel der schwarzen Blume

Ruhe, Anna: Seeland – Per Anhalter zum Strudelschlund

Scherz, Oliver: Ein Freund wie kein anderer

Schiller, Fabian: Codewort Risiko, Die goldene Stadt im Dschungel

Schlitz, Laura Amy: Clara und die Magie des Puppenmeisters

Schmachtl, Andreas H.:  Tilda Apfelkern – Abenteuerliche Geschichten aus dem Heckenrosenweg

Schulz, Hermann: Mandela & Nelson. Das Rückspiel

Stewner, Tanya: Alea Aquarius – Der Ruf des Wassers

Stohner, Anu: Gretas Ferien

 Svensson, Linnea: Villa Wunderbar- Ein Waschbär zieht ein

 van de Vendel, Edward: Lena und das Geheimnis der blauen Hirsche

Weger, Nina: Club der Heldinnen Bd.1 – Entführung im Internat

Weger, Nina: Ein Krokodil taucht ab (und ich hinterher) 

Welk, Sarah: Lasse in der ersten Klasse

Wilk, Janine: Lilith Parker– Insel der Schatten

 Wildner, Martina: Königin des Sprungturms

Zillgens, Gerlis: Der Froschkönig – was wirklich geschah: Hipp & Hopp retten Papa Grünsprung

Buch des Monats Juni 2020

Sandra Grimm: Fantastische Vorlesegeschichten – Hexen, Drachen, Zauberer

Mit Illustrationen von Stephan Pricken

Verlag Ellermann 2015, 80 Seiten, Lesealter ab 4 Jahren

Sandra Grimm nimmt mit ihren Geschichten von Zauberern, Hexen, Trollen, Gespenstern, … Kinder mit in die Welt der Fantasie. Die handelnden Wesen sind nicht stark und furchterregend, vielmehr schusselig und oft auch hilflos. Klar, dass sich da Grusel und Spannung in Grenzen halten. Die Texte sind liebevoll märchenhafte Erzählungen, die Stephan Pricken farbenfroh illustriert (s. Buchcover). In seinen kindgerechten Bilddarstellungen wimmelt es von Details, so dass es in ihnen viel zu entdecken gibt.

Mit einem besonderen Vorlesekonzept sollen die Kinder animiert werden, die Geschichten mitzuerleben und sich in sie hineinzuversetzen, denn „ Kinder wollen erzählen, entdecken und aktiv werden.“ Hier knüpfen die „10 Ideen zum Mitmachen“ an, die zu Beginn des Buches vorgestellt werden. Es geht um: Erzählen! – Rätselfragen und Gesprächsanlässe, Entdecken! – Suchbilder und mehr, Aktiv werden! – Kleine Bewegungsspiele und Aktionsideen. Auf eine mögliche Interaktivität verweisen Symbole am Seitenrand. Themenbezogene kreative Bastelideen (z. B ein Ufo oder ein Pompon-Monster), Spiel- oder einfache Rezeptvorschläge wie der Zimt-Apfelhexentee lassen dann die jeweilige Geschichte ausklingen. Da aber jedes Kind anders ist, kann es nur auf seine eigene Weise spielerisch in die Geschichten einbezogen werden. Es muss klar sein: die Mitmach-Anregungen sind nicht als Arbeitsaufträge gedacht!

Sandra Grimms Texte wecken die Leselust und liefern eine Vielzahl an Ideen. Ob es um Troll-Alarm im Elfenland geht, um den verwirrten Zauberer Zottelkopf oder einen verflixten Hexenschnupfen, um blöde Felldingsbumse oder das Haus der Gruselwesen – alle Geschichten sind so erzählt, dass die Existenz der fantasievollen Wesen real ist, die Kinder der angesprochenen Zuhörergruppe ohnehin nicht in Frage stellen würden.. Sie stehen vor Problemen, die in ähnlicher Weise auch Kindern begegnen können. Und das Versöhnliche: In jeder Geschichte dieses Buches führen Probleme und Konflikte zum Schluss zu einem guten Ende.

Will man das Zuhören intensivieren, muss man sich am Leser orientieren. In einem Nachwort gibt die Autorin allen Vorlesenden dazu Verhaltenstipps, die wertvolle Anregungen sein können. Besonders in Kindergärten und Vorschulklassen lassen sich ihre Ideen gut anwenden.

Das Buch gehört in eine Vorlesereihe. Weiterhin erschienen sind:

< Zauberhafte Vorlesegeschichten – Prinzessinnen, Feen, Meerjungfrauen

< Wilde Vorlesegeschichten – Piraten, Ritter, Räuberbanden

Auch eine Hörbuch-Version ist erhältlich.

Buch des Monats Mai 2020

Kari Ehrhardt: Die unglaublichen Untaten des Bermudadreiecks

Mit Illustrationen von Catharina Westphal

Carlsen 2018, 192 Seiten, Lesealter ab 9 Jahre

Den elfjährigen Lennard und seinen kleinen Bruder Linus nervt die Überengagiertheit ihrer Mutter. Als Bloggerin stellt sie Filme und Fotos über den Alltag ihrer Familie ins Netz, verschont dabei auch die vermeintlich hochbegabten Kinder nicht und hat dabei keine Zeit ihnen richtig zuzuhören. Lennard mag Linus sehr gern und meint sich daher verstärkt um ihn kümmern zu müssen. Nach Linus´ Beschäftigung mit „Dem großen Buch der Krankheiten“, von denen er glaubte 63 zu haben, gründet er mit sich als einzigem Mitglied einen Detektiv-Club. Leider liegt ihm kein einziger Fall zur Bearbeitung vor. Sein großer Bruder findet das so hilflos traurig, dass er beschließt, ihm Aufträge zu besorgen, damit er etwas zu tun hat. Aber wie soll das gehen?

In einem Team könnte man  sich etwas Spannendes, Geheimnisvolles ausdenken und als Fall in die Tat umsetzen. Für seine „Bande“ wählt er zwei Mitschüler aus, die nicht zu den angesagten aus der Klasse gehören. Mathilda, gehänselt als „die Mettwurst“, ist in Krimis belesen und kann gut kombinieren. Justin „Knastin“, Akteur in der Doku-Reihe  „Brennpunktkids“, ist ein ausgewiesener Neinsager, dem man zutraut, schon mal handfest zur Sache zu gehen. Mit Lennard als Chef gründen die drei das „Bermudadreieck“. Ihr Quartier haben sie bei Lennarts „Glitzer Oma“, die die sie mit kreativen Einfällen unterstützt. Selbstverständlich planen sie ihre „Verbrechen“ ihrem Motto gemäß immer sauber und gewaltfrei.

Linus kann sich das zunehmend seltsame Verhalten seines Bruders nicht erklären. Auch sind ihm einige „komische“ Aktionen in der Nachbarschaft zu Ohren gekommen. Sie amüsieren ihn aber nur und werden von ihm nicht als „Fälle“ betrachtet. Bei seinen regelmäßigen Besuchen von „Alte Oma“ und „Alter Opa“ im Seniorenwohnheim hingegen stößt er auf eine echte Untat.

Kari Ehrhardts Kinderkrimi ist eher humorvoll als spannend. Zum einen deshalb, weil hier nicht wie üblich Verbrechen begangen werden. Vielmehr müssen die Bandenmitglieder sich diese ausdenken ohne zu wissen, wie sie das anstellen sollen. Sie schreiben zwar in ihren Visitenkarten: „Wir wollen die Herrschaft über das Universum“ und weisen sich als Fachleute für Erpressung und Unterdrückung aus, erkennen aber nicht, dass sie in Wirklichkeit nur  harmlose Streiche planen.

Zum anderen, weil die drei, die sich hier zusammengetan haben, von ihrer Persönlichkeit her so verschieden sind, dass ihre Auseinandersetzungen zwangsläufig in absurd komische Gespräche und befremdliche anmutende Verhaltensweisen münden. Catharina Westphal illustriert diese Szenen mit Witz. Ihr lustiges Buch-Cover (die Mitglieder des Bermudadreiecks in „Verbrecher-Tarnkleidung“) führt unmittelbar in die Geschichte ein.

Kari Ehrhardt schreibt kindgerecht und temporeich. Ihre Geschichte gliedert sich in 20 überschaubare Kapitel. Dazwischen schiebt sie chronologisch Protokolle aus Linus´ Detektiv-Ordner. Mit ihrem Buch wendet sich die Autorin an Mädchen und Jungen von neun Jahren an. Es kann aber durchaus  jüngeren Kindern vorgelesen werden.

Buch des Monats April 2020

Charlotte Habersack:    

Bitte nicht öffnen! Feurig!

Mit Bildern von Fréderic Bertrand, Carlsen 2019, 225 Seiten, Lesealter ab 8 Jahre

Dreimal erhielt Nemo, der Hauptakteur der Buchserie „Bitte nicht öffnen“, ein seltsames Paket mit der Aufschrift „An Niemand! – Wo der Pfeffer wächst. –  Am Arsch der Welt“.

Bisher schickte ihm der Absender Spielzeug, das beim Öffnen des Kartons lebendig wurde und unvorstellbare, merkwürdige Dinge tat. Dieses Mal ist Nemo entschlossen, mit seinen Freunden Fred und Oda den geheimnisvollen Auftraggeber der Päckchen zu entlarven.

Alles spricht dafür, dass Marie, die kleine Tochter der Nachbarn, sein nächstes Opfer wird, denn sie liebt ihren Kuscheldrachen „Drago“ abgöttisch und nimmt ihn überall mit. Die Freunde wollen ihn vor einem Diebstahl bewahren und gleichzeitig den Täter entlarven. Zu diesem Zweck verbringen sie ziemlich uncool drei Ferienwochen mit Marie in der Sandkiste, um ihr Plüschtier zu bewachen. Doch ein kurzer unbeobachteter Moment macht all ihre Mühe zunichte. Abgelenkt vom Aufmarsch der Ritter zum Burgberg der Stadt Boringen, wo die Vorbereitungen für ein großes Mittelalter-Fest laufen, legt Marie „Drago“ für einen Moment beiseite. Schon hat der Dieb ihn unbemerkt geschnappt, quetscht ihn in einen Karton und versieht diesen mit der bekannten Aufschrift.

Wenig später bringt der Postbote Nemo dieses Paket. Der Junge weiß, wenn er es öffnet, erwacht der Drache zum Leben, ist unbeherrschbar und verursacht Unvorhersehbares. Deshalb ist klar: Marie muss den Karton aufmachen. Sie als „Dragos“ Eigentümerin muss ihn umarmen, damit er sie erkennt und ein Kuscheltier bleibt.

Die geplante Aktion verläuft leider anders als gedacht. Der „liebe Drago“ zeigt spitze Zähne, scharfe Krallen und stößt Rauchwölkchen aus. Mit einem Feuerstrahl setzt er Maries Zopfschleife in Brand, was sie fluchtartig in die Arme ihrer Familie treibt, die gerade zu einem Sizilien-Urlaub aufbricht.

Was sollen die Kinder nun machen? Sie stehen allein da mit der Sorge um einen lebendigen Drachen, bei dem man damit rechnen muss, dass er mit Hilfe von Feuer und heißen Temperaturen gefährliche Situationen verursachen wird. Marie muss wieder her! Aber wie? Der Zufall will es, dass die Freunde  ein Mittel entdecken, das ihnen bei den Bestrebungen, das Mädchen zurückzuholen, von Nutzen sein könnte. Das Tier produziert ergiebige Speichelfäden, und die … haben eine ungeahnte Wirkung.

Allen Titeln liegt eine ähnliche Handlungskonstellation mit gleichen Protagonisten zugrunde. Der Einstieg in das vorliegende Buch gelingt einem leichter, wenn man schon vorher eine der anderen Geschichten gelesen hat. Die zugrunde liegende Handlung gestaltet sich turbulent und spannend. Die Autorin erzählt mit Witz und fördert den Lesefluss durch lockere Formulierungen. 27 überschaubare Kapitel gliedern den Text.

Das Buchcover zieht den Leser sofort in den Bann. Es ist einem Paket nachempfunden, reizt aber mit einer Ausstanzung, die ein Drachenauge sichtbar macht. Sofort möchte man das Buch ergreifen, um hineinzuschauen und zu sehen, was sich genau auf der nächsten Seite verbirgt. Fréderic Bertrand hat für ein wirklich niedliches farbiges  Konterfei des Kuscheldrachen gesorgt. Im Buchinnern konzen-trieren sich seine Schwarz-Weiß-Zeichnungen auf entscheidende Situationen der Handlung. Sie sind detailreich und bringen die Emotionen der dargestellten Personen gut zum Ausdruck.

„Bitte nicht öffnen. Feurig!“ ist der vierte Band einer Reihe: Band 1: „Bitte nicht öffnen: Bissig!“,              Band 2: „Bitte nicht öffnen: Schleimig!“, Band 3: „Bitte nicht öffnen: Durstig!“, Band 5: Bitte nicht öffnen: Magic!“ (2020)

Buch des Monats März 2020

Cornelia Funke: Palast aus Glas –

Eine Reise durch die Spiegelwelt

Mit Illustrationen der Autorin

Dressler Verlag 2019, 208 Seiten, Lesealter ab 14 Jahren

„Palast aus Glas“ ist für die Fans von Cornelia Funke nach fast zehn Jahren nur ein  Vorgeschmack auf den zu erwartenden 4. Band der „Jakob Reckless“ – Reihe.

Wer sich noch nicht mit der Spiegelwelt beschäftigt hat, braucht eine Weile, um sich zwischen den vielen magischen Wesen und Orten zurechtzufinden. Mit dem Durchschreiten spezieller Spiegel, die unsere Realität mit einer märchenhaften  Parallelwelt verbinden, eröffnet sich eine Welt zauberhafter Geschöpfe: Trolle, Heinzel, Hobs, Irrlichter und Schattenhunde geistern durch die Handlung. Diese spielt in Städten, die denen vor den Spiegeln wie Geschwister gleichen (Londra – London, Vena – Wien, Hammaburg – Hamburg,…),  handelt aber zur Zeit der Düsternis und Armut der Industrialisierung.

Cornelia Funke präsentiert acht neue Kurzgeschichten, die so aufeinander folgen, dass sie dem Leser nützliche Hintergrundinformationen zum Verständnis der Texte liefern. Vier Geschichten handeln von Jakob Reckless und seiner Begleiterin „Fuchs“. Gleich der zweite Text deckt auf, wer seine Freundin ist. „Das Geschenk“ einer Füchsin, ein feurig rotes Kleid hergestellt aus ihrem Fell, befreit Celeste von ihrer Menschenhaut und macht sie zu einer Gestaltwandlerin.

Das geheimnisvolle Covermotiv dieses Buches bildet den Hintergrund für die erste Geschichte „Das Glas, das Blei und Gold beschert“. Zwar verdichtet hier die Autorin in ihrer Beschreibung  atmosphärisch die Weihnachtsstimmung in der Stadt Londra: „Es hatte die ganze Nacht geschneit. Die Flocken waren so dicht auf Londra herab gewirbelt, als fielen Sterne vom Himmel, um die Stadt zum Weihnachtsabend zum Strahlen zu bringen.“ Doch sie erzählt von einem Waisenmädchen, das sein Leben wie viele andere Menschen als Schlammlerche fristet. Ohne Erwerb und Unterkunft sucht es am Ufer des Flusses nach Gegenständen, die es versetzen  kann, um sich wenigstens eine Armensuppe leisten zu können und wird dennoch skrupellos betrogen.

Alle folgenden Geschichten handeln von Jakob und seinen Abenteuern bei der Suche nach veräußer-baren Schätzen. Sie eröffnen Welten voller märchenhafter Motive („Die Geige des Strömkarlen“, „Der Kamm“). Dabei gelingt es der Autorin mit ihren Beschreibungen und Sprachschöpfungen die Handlungen bildgewaltig vor den Augen der Leser auszumalen. Mühelos erweitert sie ihre Erzählung mit immer neuen kreativen Einschüben.

Dem entsprechen ihre zahlreichen, sehr individuellen Schwarz-Weiß-Illustrationen, die Szenen und handelnde Personen gut vorstellbar machen. In einem etwa 20-seitigen Anhang finden sich drei überarbeitete Leseproben aus dem ersten Reckless-Band „Steinernes Fleisch“. Enthusiastische Leser der Autorin hätten sich hier sicherlich  eine  weitere neue Kurzgeschichte gewünscht.

Die Kurzgeschichten sind mitreißend geschrieben,  erfordern aber hinsichtlich der Orientierung zwischen den Spiegelwelten doch ein besonderes Leseverständnis. Der Dressler Verlag hält das Buch daher für die Altersgruppe der 14 – 17 Jährigen geeignet, was nicht heißt, dass auch Erwachsene daran Gefallen finden werden.

Buch des Monats Februar 2020

Katja Reider: COOL in 10 Tagen

Illustration: Anke Kuhl

Rowohlt Verlag 2019, 176 Seiten, Lesealter ab 10 Jahren

Julis Mutter arbeitet in einer großen Unternehmensberatung als Coach, d.h. sie berät Menschen, denen sie sagt, wie sie erfolgreicher werden können. Da sie viele Tricks kennt, hat sie viele Aufträge. Aber als ihre Großbaustelle scheint sie ihre zehnjährige Tochter zu betrachten, der sie ständig sagt, was sie besser machen könnte.

Als die neuen Mieter mit ihrem Sohn August, der in Julis Alter ist, einziehen, bietet sie ihnen an, ihre Tochter werde sich gerne um ihn kümmern und ihn gleich ein bisschen in ihrem Wohnviertel vernetzen. Die beiden Kinder begegnen sich verlegen. Juli und August in einem Haus…!

August erweist sich als ein zurückhaltender Junge, der sich zu Julis Erleichterung mit Gus anreden lässt. Beide stellen fest, dass sie in ihren Klassen nicht zu den Angesagtesten gehören, weil sie nicht gut kontern können und man sich allenfalls über sie lustig macht. Ob ihnen die von Julis Mutter erarbeitete Broschüre „COOL in 10 Tagen“ helfen könnte, mutiger zu werden? Einen Versuch ist es wert und so übertragen sie gemeinsam die Aufgaben für Erwachsene auf ihr Schülerleben.

Juli beginnt damit, einer Backwarenverkäuferin einfach so ein Kompliment über ihren Butterkuchen zu machen, was bei der aber zu einer eher unwirschen Reaktion führt. Am Ende des Programms ist sie so weit, zwei Mädchen, die gehässig über ihre Mitschülerin Rosa herziehen, energisch und lautstark (cool?) die Meinung zu sagen.

Eigentlich wollten Juli und Gus jeder eine für ihn angemessen schwierige Aufgabe für sich festlegen und sie wollten täglich einander von ihren Erfahrungen berichten. Überschwänglich erzählt Juli ihrem Freund von ihren Erfolgen und bemerkt gar nicht, dass Gus dabei zu kurz kommt, dass sie vor lauter cool werden nicht einmal mehr genau wissen will, was er erlebt hat. Am Ende trifft sie die  bittere Einsicht, dass Coolness nicht nur von einem selbst abhängt, wenn Vertrauenspersonen nicht zu einem stehen, dass Freundschaft sie aber befördern kann.

Katja Reider versucht mit ihrem Buch schüchternen Mädchen und Jungen Mut zu machen, die sich stets anpassen aus der Angst heraus aufzufallen. Dabei erzählt sie eine wirklichkeitsnahe, ehrliche Geschichte, obwohl der Titel „Cool sein“ zunächst eine trendige Story nahelegt. Indem sie Juli als Erzählerin ihrer eigenen Eindrücke und Wünsche auftreten lässt, stellt sie einen engen Leserbezug her. Ihr Mantra:“Was kann mir schlimmstenfalls passieren?“ wird sich ebenso einprägen wie auch die Erkenntnis, dass manche Menschen gar kein Bedürfnis nach übersteigerter Aufmerksamkeit haben.

Der Text ist flüssig geschrieben und gliedert sich in 14 Kapitel. Viele Textpassagen lassen einen schmunzeln, besonders Julis Mutter wird sehr witzig beschrieben.

Anke Kuhl illustriert humorvoll die zentralen Szenen in Schwarz-Weiß-Zeichnungen.