Archiv für den Autor: Marianne Höfelmann

Buch des Monats Oktober 2019

Poßberg & Böckmann:

Das Wilde Haus der Tiere – Das Drama-Lama

Illustriert von Corinna Böckmann

Südpol-Verlag, 2018, 92 Seiten, 7 – 9 Jahre

Lilys Meerschweinchen Maffi thront gut festgebunden oben auf den Kartons des Umzugswagens. Plötzlich zwingt eine Katze den Fahrer das Steuer abrupt herumzureißen. Die Tür der Ladefläche springt auf, der Meerschweinchenkäfig rutscht und zersplittert auf der Straße. Maffi ist zum ersten Mal in ihrem Leben allein. Was soll sie tun? Dem Umzugswagen hinterherlaufen? Aber wo ist er hingefahren?

Eine Ratte nähert sich und rät Maffi, das „Wilde  Haus der Tiere“ aufzusuchen. „So ein Quatsch“, denkt Maffi. „Was soll das sein?“, und setzt ihre Suche nach Lily fort. Doch ohne ihr Zutun gelangt sie am Abend zu diesem eigenartigen Haus und lernt seine Bewohner kennen. Fuchs Lino, Chamäleon Pluto, Fledermaus Bruno, die Waldohreule Elvira und Hannibal, der Hirsch, begutachten Maffi: „Das ist ganz klar ein Meerschweinchen. Erkennt man an dem dicken Po und den kleinen Ohren.“

Weil Maffi kein Wildtier ist, soll sie weggeschickt werden, doch dann bekommt die Gruppe einen Spezialauftrag, bei dem ihnen das Meerschweinchen helfen kann. Ein Tier mit Punkten soll aus dem Zirkus zurück in seine Heimat gebracht werden. Doch die Rettungsaktion in der Manege verläuft gar nicht nach Plan und es kommt zu einer bösen Überraschung.

Mit Turbulenzen gelingt die Rückführung des Tieres nach Peru. Als Maffi das Flugzeug verlässt, schnuppert sie verzückt und seufzt: “Das riecht nach Heimat.“ Da wird Hannibal nachdenklich und überlegt: „Sag mal, kann es sein, dass du aus Peru stammst?“ Damit ist Maffi ein Wildtier. Super! Sie kann bei den Freunden  im Wilden Haus bleiben! Was soll sie auch in Peru?

Andrea Poßberg und Corinna Böckmann erzählen eine abenteuerliche Geschichte  aus verschiedenen Tierperspektiven, wobei jedes Tier über einen unverwechselbaren Charakter verfügt. Kinder wird neben der Hilflosigkeit des Meerschweinchens besonders die Tiergemeinschaft ansprechen, deren Mitglieder nach strengen Regeln leben (Sie dürfen sich nicht gegenseitig fressen.) und ihre Aufgabe darin sehen, Artgenossen in Not zu retten bzw. ihnen zu helfen. Die Rückholaktion im Zirkus lässt die Geschichte zu einem spannenden kleinen Krimi werden.

Der Text gliedert sich in kurze Kapitel, die in großer Schrift gedruckt sind. Mit schwarz-weißen, amüsanten Tierdarstellungen lockert Corinna Böckmann die Doppelseiten auf.

Das Buch ist für fortgeschrittene Leser von 7 Jahren an gedacht und kann auch bei Antolin aufgerufen werden. In diesem Jahr ist bei Südpol ein Folgeband erschienen: „Das Wilde Haus der Tiere – Baby Alarm“

Buch des Monats September 2019

Andreas H. Schmachtl

(Autor und Illustrator)

Tilda Apfelkern  – Abenteuerliche Geschichten aus dem Heckenrosenweg

Arena-Verlag Würzburg, 2017

Vorlesebuch für Kinder ab 4, 152 Seiten

Bei dieser Geschichtensammlung handelt es sich um eine Sonderausgabe zur TV-Serie. Diese wird seit 2016 in 26 Episoden zu 2 Staffeln produziert und im KIKA (MDR) ausgestrahlt.

Andreas Schmachtl schreibt und illustriert seit 2007 exklusiv für den Arena Verlag. Sein Herz gehört den kleinen Tieren, die wie die Menschen leben.

Auch im vorliegenden Buch gehen die kleinen Wesen miteinander so harmonisch um, wie dies für Menschen nur schwer möglich ist, und befinden sich überdies in völligem Einklang mit der Natur und den Jahreszeiten.

Tilda Apfelkern wohnt in einem Dorf hinter den Hügeln versteckt am Fuß einer Kirche, d.h. sie ist eine Kirchenmaus. In Ihrem Umfeld haben sich weitere Tiere häuslich eingerichtet und leben miteinander in freundschaftlicher Gemeinschaft, als da sind: Molly  – die Postmaus, Rupert – der Igel, Edna – das Eichhörnchen mit ihren Kindern, Robin – das Rotkehlchen und Schnecki. Ihr Wochenablauf unterliegt strengen Regeln. Ständig wird gekocht, gebacken und gepicknickt, wobei nicht nur der Mittwochnachmittagstee an die britische Tea-Time erinnern.

In Tildas  Freundeskreis verursachen selbst kleine Verwirrungen große Aufregung. Irritiert stellen die Tiere fest, dass sie sich bei einem Strickwettbewerb gegenseitig Konkurrenz gemacht haben, weil jeder glaubte das beste Deckchen stricken zu können. Doch Tilda rettet die Stimmung mit der Idee, aus allen unprämierten Teilen eine große Patchwork-Picknickdecke zu nähen (s. Buchcover) und damit eine gute Grundlage für ihre Imbisse im Freien herzustellen. Tilda macht eben immer aus allem das Beste.

Nie würde die Kirchenmaus jemandem ihre Hilfe verweigern. Als ihre Freundin Molly sich besorgt über die Menge ihrer Wintervorräte äußert, bietet sie ihr an, den Winter ganz einfach bei ihr zu verbringen. Da „würden die langen dunklen Abende gleich noch einmal so behaglich.“ Schließlich wird auch noch der Igel Rupert überredet, den Winter mit Molly in Tildas Haus zu verbringen: mit Dösen vor dem Kamin und vor allem mit gutem Essen.

Rupert hingegen ist für Tilda da, als sie ein Mäuserich, der sich als neue Kirchenmaus vorstellt, aus ihrem Haus verdrängen will. (Der alte Pfarrer ist in den Ruhestand gegangen.) So etwas wie eine Dienstwohnung für Kirchenmäuse  gibt es nicht, meint der Igel und kann seine Behauptung im Kirchenbuch auch belegen. „Rupie, du bist ein Held.“, jubelt Tilda da befreit.

In den Geschichten aus dem Heckenrosenweg reiht sich ein kleines Ereignis an das andere. Dementsprechend gibt es keine dramatischen Zuspitzungen und Spannungsbögen. Die Bewohner lösen Probleme einvernehmlich und oftmals unkonventionell, so dass jeder zu seinem Recht kommt. Die Texte sind Beschreibungen voller Harmonie.

Für das avisierte  Lesealter (ab 4 Jahre) verwendet der Autor eine recht anspruchsvolle Sprache. Mit einer Länge von 4 – 5 Seiten pro Geschichte hat er eine gute Vorleselänge gewählt.

Seine Zeichnungen stellen oft eine Welt im Kleinen dar, wobei sich Textinhalte sehr genau bis ins Detail in den Bildern wiederfinden.

Unsere Bücher des Monats – Übersicht mit Buchcover

Hier haben wir noch einmal alle unsere Bücher des Monats mit dem Buchumschlag zusammengestellt.  Wer auf das jeweilige Buchcover klickt, kommt zu unserer Buchbesprechung. Das Copyright der Cover liegt natürlich beim jeweiligen Verlag.  Wir bedanken  uns ausdrücklich dafür, dass wir die Cover hier zeigen dürfen.

 

  

    3789132101

U_12936_SB_VS_TOM_GATES.IND7   944572-10-9_Lua

  u1_978-3-7373-4085-461Fc2r34BOL._SX348_BO1,204,203,200_

Ins Blaue hineinChrisHigginsWaschbär9783772520709_5770

 97837891417519783841502247

9783423761161Ludwig_SKater_Konrad_01_1612799783789147470

Reschke_Morlot_final.inddDie Krumpflinge - Egon zieht ein von Annette Roeder51xbne9qnkl-_sx331_bo1204203200_06984_EmiundLuna.indd

u1_978-3-596-85496-7kaninchentage-51238f4bae7e1csm_produkt-2989_4abc00fad09783825178048_9675

 97834077445489783791517049511KMYOZ2eL._SX349_BO1,204,203,200_97837915291890129-01_cover.indd978-3-8339-0068-6-Lubar-Ploetzlich-Zombie-So-ein-Mist-org978-3-401-06304-1pid13686960fuechse

Engstoem_Willis_24170_MR.indd97838489200829783407820273u1_978-3-596-85492-9

Ferdi_Lutz_und_ich9783522501422Magic_Cape.inddmit freundl. Genehmigung des Aladin Verlags

Scholz, Mucker_ U1-U4_mit Typo.indd9783791507248quigleys

 

 

Buch des Monats August 2019

Marc-Uwe Kling:

Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat

Illustriert von Astrid Henn,

Carlsen – Verlag, 72 Seiten, 2019

Lesealter 8 – 10 J., Vorlesealter ab 6 J.

Es kommt schon einmal vor, dass das Internet nicht funktioniert. „Es geht einfach nicht mehr“, sagt die Oma, die auf Tiffany aufpassen soll (oder umgekehrt?), weil der Kindergarten Ferien hat. „Ich glaube, ich habe das Internet kaputt gemacht.“ Tiffany möchte wissen, was das Internet eigentlich ist. Die Oma gerät mit ihren Erklärungsversuchen rasch an ihre Grenzen, erzählt etwas von Videotext zum Lesen. Ungeduldig mischt sich der ältere Bruder Max ein. „Das Internet ist wie die Pinnwand über meinem Schreibtisch. … Da kann man Nachrichten dran heften oder Fotos oder Geschichten oder Ausmalbilder, sogar Musik oder Filme. … Deshalb findet man auf viele Fragen die Antwort im Internet.“ Das soll Tiffany verstehen…  Als er seiner kleinen Schwester auf seinem Handy zeigen will, dass man über das Internet auch Nachrichten verschicken kann, scheitert seine Demonstration kläglich. Erstaunt muss auch er begreifen: Das Internet funktioniert nicht mehr.

Da ist in der Familie etwas los! Die 14-jährige Louisa kommt aus ihrem Zimmer gestürmt und beschwert sich wütend: „Meine Musik läuft nicht mehr!“ Opa will helfen, hat aber Gott sei Dank sein Werkzeug nicht dabei, um „ES“ aufzuschrauben. Glücklicherweise hat er ein altes Relikt, sein Kofferradio dabei. Aus dem Lautsprecher ist zu hören: „Das Internet … auf der ganzen Welt ist kaputt. Noch ist vollkommen unklar, wer oder was das Internet kaputt gemacht hat…“. Für Opa ist klar, die Oma war´s mir ihrem Klick, klick.

Allmählich wird der Familie  klar, was sie jetzt alles nicht mehr machen kann und wie abhängig die Menschen von ihren digitalen Geräten sind. Ohne Navigation findet weder der Vater noch der Pizzabote die richtige Adresse und die Mutter kommt nach Hause, weil sie ihre Arbeit bei der Bank nicht mehr erledigen kann. Im Gegenzug wird ihnen bewusst, dass sie nun mehr Zeitz haben, die sie gemeinsam nutzen könne und beginnen miteinander Spaß zu haben. Tiffany staunt über das völlig neue Familienleben. (Der Vater holt doch tatsächlich seine alte E-Gitarre vom Boden!)

Als ein Techniker das Internet repariert, ist alles wieder wie zu Anfang. Tiffany  hat Langeweile und wird traurig. Denn als wäre nichts gewesen, hängt nun jeder wieder an seinem Bildschirm und hat keine Zeit. Ob die Oma das Internet noch einmal kaputt machen kann?

Der erwachsene Leser verbindet den Namen des Autors vielleicht mit seinen Geschichten vom Känguru. Auch in diesem Text erzählt er flapsig, mit kurzen Dialogen und knappen Nachsätzen. Seine Formulierungen sind von subtilem Humor. Aus der Rahmenhandlung (Die Oma hat das Internet kaputt gemacht. Ihre Enkelin glaubt, dass sie nicht richtig auf sie aufgepasst hat.) heraus lässt Marc-Uwe Kling die Geschwister Tiffany erklären, was das Internet ist und zwar mit einfachen  verständlichen Aussagen. Mit dem Thema „Auszeit vom Internet“ führt er unsere mediale Vernetzung vor Augen, die sehr viel Zeit beansprucht und zur Abhängigkeit führen kann.

Das Buch regt zum Nachdenken an und ist  ein ideales Vorlesebuch für die ganze Familie, weil der Vorleser dem Verständnis des zuhörenden Kindes entsprechend Informationen vertiefen kann. Er selbst wird den ironischen Humor des Erzählers genießen.

Die Geschichte hätte, wie schon das Buchcover ahnen lässt, keine bessere Illustratorin haben können. Astrid Henn greift komische Situationen heraus und illustriert sie auf lebhafte Weise. Vor allem  die verschmitzten Gesichtsausdrücke lösen ein Schmunzeln aus.

Die Bücher des Monats auf einen Blick!

Ein Klick auf den Titel führt zu unserer Buchvorstellung.

Ackermann, Anja: Emi und Luna. Eine Freundschaft mit Kawumm. Ein Huhn steht kopf

Andres, Kristina: Mucker & Rosine

Ardagh, Philip: Familie Grunz hat Ärger

Banks, Angelica: Tuesday und der Zauber des Anfangs 

Berg, Christian: Rumpelröschen

Blanvillain, Luc: Tagebuch eines Möchtegern-Versagers

Blazon, Nina: Lillesang

Bertram, Rüdiger: Gegen uns könnt ihr nicht anstinken

Bertram, Rüdiger: Coolman und ich

Biegel, Paul: Die Prinzessin mit den roten Haaren 

Blank, Ulf/ Pfeiffer, Boris: Die drei ??? Kids -Die Räuberjagd

Boonen, Stefan: Ein Mädchen, sieben Pfannkuchen und ein roter Koffer

Collins, Suzanne:  Gregor und die graue Prophezeiung

Engström Mikael/Willis, Helena: Ida, Paul und Frankensteins Katze  

Foxley, Janet: Munkel Trogg –  Der kleinste Riese der Welt

Fröhlich, Anja: Lou und Rokko und das Katzenchaos

Gessner, Stefanie: Lil April

Gier, Kerstin: Wolkenschloss

Helmig, Alexandra: Lua und die Zaubermurmel

Higgins, Chris : Meine lustige Familie

Hub, Ulrich: Füchse lügen nicht

Hula, Saskia: Kaninchentage

 Johnson, Pete:   Gut kombiniert, Trottel!  – Das magische Cape

Kaster, Armin: Ferdi, Lutz und ich

 Kientsch, Sonja Maren : 2 Freunde für 4 Pfoten – Papageiplapperei

Kling, Marc-Uwe: Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat

Krohn, Leena: Emil und der Pelikanmann

Lott, Anna: Moppi & Möhre – Abenteuer im Meerschweinchenhotel

Lüftner, Kai: Achtung, Milchpiraten – Rache für Rosa

Lütje, Susanne: Pauli Poltergeist – Willkommen in der Villa Funkelstein

Lubar, David: Plötzlich Zombie: So ein Mist!

Ludwig, Sabine:Warum Kater Konrad ins Wasser sprang und eine Maus in die Luft ging

Maar, Paul: Snuffi Hartenstein

Madden, Deirdre: Tierparadies Emily & Co.

Mason, Simon: Die Quigleys

Morgenroth, Matthias: Freunde der Nacht

Nesbo, Jo: Doktor Proktors Pupspulver

Nicoll, Tom: Drachenalarm auf meinem Teller

Nilsson, Frida: Hedvig! Das erste Schuljahr

Oschmann, Oliver; Witt, Sylvia: Log Out!

Philip,Gillian : Die Geheimnisse von Ravenstorm Island – Die verschwundenen Kinder

Pichon, Liz: Wo ich bin, ist Chaos – aber ich kann nicht überall sein

Poßberg & Böckmann: Das Wilde Haus der Tiere – Das Drama-Lama

Reifenberg, Frank M.: Codewort Risiko, Kampf im ewigen Eis

Reschke, Katharina: Morlot – Detektive schlafen nie

Robson, Jenny: Tommy Mütze

Roeder, Annette: Die Krumpflinge – Reihe 

Rühle, Alex : Zippel, das wirklich wahre Schlossgespenst

Ruhe. Anna: Die Duftapotheke (2). Das Rätsel der schwarzen Blume

Ruhe, Anna: Seeland – Per Anhalter zum Strudelschlund

Schiller, Fabian: Codewort Risiko, Die goldene Stadt im Dschungel

Schlitz, Laura Amy: Clara und die Magie des Puppenmeisters

Schmachtl, Andreas H.:  Tilda Apfelkern – Abenteuerliche Geschichten aus dem Heckenrosenweg

Schulz, Hermann: Mandela & Nelson. Das Rückspiel

Stewner, Tanya: Alea Aquarius – Der Ruf des Wassers

Stohner, Anu: Gretas Ferien

 Svensson, Linnea: Villa Wunderbar- Ein Waschbär zieht ein

 van de Vendel, Edward: Lena und das Geheimnis der blauen Hirsche

Weger, Nina: Club der Heldinnen Bd.1 – Entführung im Internat

Weger, Nina: Ein Krokodil taucht ab (und ich hinterher) 

Welk, Sarah: Lasse in der ersten Klasse

Wilk, Janine: Lilith Parker– Insel der Schatten

 Wildner, Martina: Königin des Sprungturms

Zillgens, Gerlis: Der Froschkönig – was wirklich geschah: Hipp & Hopp retten Papa Grünsprung

Buch des Monats Juli 2019

Paul Maar:

Snuffi Hartenstein und sein ziemlich dicker Freund

Illustriert von Sabine Büchner

Oetinger – Verlag, 80 Seiten, Hamburg 2018

Lesealter 6 – 8 Jahre, womöglich schon ab 5 Jahre

Snuffi ist ein fröhlicher, witziger Hund. Er darf sogar den Namen seines Herrchens tragen: Hartenstein. Niko Hartenstein und er „gehören einfach zusammen“. Was haben sie nicht alles gemeinsam gemacht! Komisch nur, dass weder Nikos Eltern, noch seine Lehrerin oder seine Mitschüler Snuffi sehen können. Man ahnt – er ist nur ein vorgestellter Hund…  Eines Tages kommt Ole neu in die Klasse, setzt sich neben Niko und wird bald Nikos Freund. Snuffi findet immer weniger Beachtung, bis sein Herrchen ihn schließlich wegschickt.

Viele Kinder pflegen imaginäre Freundschaften, geben sie aber nach einer begrenzten Dauer wieder auf. Paul Maar hat in seinem Buch darüber nachgedacht, wie es den zurückgelassenen Freunden, hier den Tieren, dabei geht. Seine tröstliche Botschaft, auch im Nirgendwo einer fiktiven Welt kann man neue Freunde finden.

Ole hat ebenfalls an seinem unsichtbaren Begleiter, einem dicken Mops, das Interesse verloren und setzt ihn dem gleichen Schicksal aus wie Niko Snuffi. Im Nirgendwo begegnen sich die beiden Hunde, freunden sich an, sind jedoch besorgt, dass es sie nun gar nicht mehr gibt. Aber der Mops, den Snuffi Mucki nennt, zerstreut diese Besorgnis. Als Snuffi ihn fragt, ob er ihn sehen kann, bejaht Mucki. “Wenn du mich sehen kannst, muss es mich auch geben“, jubelt da Snuffi. Sie begreifen, dass  sie diese andere Welt mit ihren Vorstellungen gestalten können und richten sich gemütlich ein. Bald schleicht sich jedoch die Sehnsucht nach ihren Freunden ein. Und so gehen die beiden auf Anraten eines Zwerges einfach in die Menschenwelt zurück, um zu testen, ob die Freunde sich ihnen vielleicht wieder zuwenden, sprich sie sehen würden.

Sie werden enttäuscht. Doch die Geschichte hat natürlich ein Happy End. Denn immer gibt es weitere Kinder, die einen Hund haben möchten, denen dieser Wunsch aber versagt wird, und die sich daher einen Hund oder vielleicht sogar zwei vorstellen, die dann Snuffi Benker und Mopsi Benker heißen.

Dem vielfach ausgezeichneten Kinder- und Jugendbuchautor Paul Maar (Der tätowierte Hund, Lippels Traum, …) ist es wunderbar gelungen deutlich zu machen, dass man Freunde zwar verlieren und darüber traurig sein kann. Wenn man sich bemüht, kann man sich jedoch neu anfreunden. Denn es wird immer  auch jemanden anderen geben, der einen Freund braucht.

Der Autor erzählt in kurzen, kindgemäßen  Sätzen.  Der Text ist wie in Fibeln bzw. Erstlesebüchern gesetzt und lässt die Seiten  durch knappe Texte sehr übersichtlich erscheinen. Die Illustratorin Sabine Büchner verfährt ebenso, indem sie die farbigen, anregenden Bilder zumeist auf weißem Grund abbildet. Besondere Gestaltungsmerkmale tragen zur Orientierung im Text bei (Irgendwo? Nirgendwo?): Knappe Sprechblasen ordnen die Texte Personen zu und lockern die Seiten auf. Besondere Abschnitte der Handlung sind auf farbigen Seiten dargestellt. Hellblaue Schattenrisse weisen die imaginären Tiere aus.

Sabine Büchner illustriert klar und  übersichtlich, nicht ohne Liebe zum Detail. Über  Snuffis  Mimik und Körperhaltung muss man einfach schmunzeln und Mops Mucki als Gegenspieler erfreut den Betrachter einfach dadurch, dass er klein, rund und unbeweglich ist.

Snuffi Hartenstein ist ein sehr gutes Buch zum ersten Selberlesen. Jüngeren Kindern wird ein Vorleser helfen, die zahlreichen humorvollen Einzelheiten von Text und Bild zu entdecken, aber auch die Abstraktion der Handlung zu verstehen. In jedem Fall ist das Buch empfehlenswert.

P.S.: Leider sind beim Druck die Seiten 56 bis 59 nicht richtig gesetzt. Auf Seite 59 ist auch die Sprechblase abgeschnitten.

Buch des Monats Juni 2019

Stephanie Gessner:

Lil April – Mein Leben und andere Missgeschicke

Magellan-Verlag, 288 Seiten, Lesealter 11-13 Jahre 

Einfach hat es die zwölfjährige Lil nicht, sich  in einer sieben-köpfigen Familie mit Hund und Au-Pair-Mädchen zu behaupten, vor allem, wenn der Griechenland liebende Vater, der seine Kinder nach griechischen Göttern benannt hat, seiner Familie als „Zeus(el)“ vorsteht und bei Problemen „Zum Platon !“ schimpft.

Lil (Abkürzung von Lilaia) tut sich schwer mit dem Familien-trubel, denn sie ist ruhig, zurückhaltend und fühlt sich für alles verantwortlich. Wie selbstverständlich bürdet ihr die Mutter Hausarbeiten sowie Bring-und Abholdienste auf, da sie von ihrer Tochter (der ältesten) keinen Widerspruch erwartet. Man kann verstehen, dass Lil sich manchmal wünscht ein Einzelkind zu sein.

Doch an ihrem 13. Geburtstag wird sie der versammelten Familie erklären, dass nun Schluss ist mit der lieben Lil, die es allen recht macht. Sie möchte von nun an respektiert und in mit ihren Interessen und Wünschen ernst genommen werden. Bis dahin jedoch verbringt sie die Tage voller Selbstzweifel und in dem festen Glauben ein Pechvogel zu sein.

Plötzlich zieht in der Nachbarschaft ein Junge ein, der mit seinem Skateboard verwachsen zu sein scheint. Er sieht nett aus und weckt Lils Interesse. Unbemerkt beobachtet sie ihn, doch als er genau wie sie in die neue Klasse kommt, sind Begegnungen unausweichlich. Dennis bringt sie in Verwirrung. Ständig fragt sie sich, was er wohl über sie denkt, bis er sie eines Tages um Nachhilfe bei den Mathe-Aufgaben bittet. Die beiden lernen sich näher kennen und er erweist sich als unerwartet nett. Für Lil beginnt damit ein großes Wirrwarr der Gefühle. Sie hat sich verliebt!

Nebenher bahnt sich in der Familie ein besonderes Problem an. Alle wissen, dass der Vater schusselig ist und manchmal merkwürdig altertümlich wirkt, aber neuerdings geht sein Benehmen weit darüber hinaus. Er verhält sich einfach komisch, hält Verabredungen nicht ein, was besonders die Mutter ärgert, und scheint Geheimnisse zu haben. Lil und ihr älterer Bruder Pego (Pegasos) schließen ein Verhältnis zu einer Kollegin nicht aus und sind entschlossen, sich darüber Klarheit zu verschaffen. In diesem Fall denkt Lil, wie gut, dass ich einen Bruder habe, der mir dabei zur Seite steht (auch wenn er ein Angeber und Chaot ist).

Stephanie Gessner erzählt eine richtig schöne Mädchengeschichte über die aufregenden Gefühle des ersten Verliebtseins. Sie umreißt Lils Situation so gut, dass man sich in sie hinein versetzen  und  den Weg der Selbstfindung und des Erwachsenwerdens nachempfinden kann. Dieser Erzählstrang wird durch das „Vaterproblem“ und die verrückten Erlebnisse, die das Zusammenleben mit fünf Kindern in einer Großfamilie mit sich bringt, unterbrochen. Das sorgt für Spannung und Erheiterung.

Einmal eingelesen möchte man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Das liegt an dem flüssigen Schreibstil und den erfrischend humorvollen Formulierungen der Autorin. Die Geschichte hat ein offenes Ende, da ihm noch drei weitere Bände folgen:

  • Lil April – Eine Katastrophe jagt die nächste
  • Lil April – Das Chaos kommt selten allein
  • Lil April –Mein ganz normaler Wahnsinn

Buch des Monats Mai 2019

Christian Berg:  Rumpelröschen

Mit Bildern von Christine Faust

Thienemann-Esslinger-Verlag 2018, 109 S.,  Vorlesebuch für Kinder ab 4 Jahren,  Lesealter ab 6 Jahre

Im „linken östlichen Feenreich“ machte sich der Feenmacher Meinardus Zappelfee, Feenmacher in 32. Generation, wieder einmal daran, eine neue Fee herzustellen. Ihren Steckbrief hatte er in einem Feenbuch niedergeschrieben und es zum Trocknen der Tinte auf die Fensterbank gelegt. Unglücklicherweise wirbelte es ein Sturm durch die Luft, so dass der Inhalt durcheinander geriet. Erst am feierlichen Feengeburtstag, bei dem alle wichtigen Vertreter des Märchenlandes anwesend waren, offenbarte sich das Missgeschick.  

Ein seltsames Wesen mit Fliegermütze, roten Hosen aus Samt, einem Ballett-Tutu darüber und Feenflügeln auf dem Rücken sprang aus dem Buch und sprach: “Tag, mein Name ist Rumpelröschen!“ Meinardus Zappelfee war schockiert: „Ein Feenjunge! Ich hatte etwas ganz anderes aufgeschrieben!“ Rumpelröschen aber meinte: “Was macht das schon? Dann bin ich eben ein Fee.“ So ohne weiteres wollten sich die Feenmacher auf diese Definition nicht einlassen. Wenn er ein richtiger Fee wäre, ein reines Herz hätte und in der Lage wäre, wirklich Gutes zu tun, müsste er es ihnen beweisen.

Ausgerüstet mit einem Einmalzauberstock für den Notfall begibt sich der Feenjunge frohgemut in das Reich der Märchenfiguren und stellt ihre Geschichten auf den Kopf. So endet schließlich das Märchen von Hänsel und Gretel nicht nur gut für die Geschwister. Auch die „böse“ Hexe wird von Rumpelröschen aus ihrem traurigen Schicksal errettet, war sie doch einst eine wunderschöne Fee, die Glück brachte, bevor Neid und Missgunst sie befielen.

Christian Berg erzählt lebhaft eine humorvolle Geschichte und spart nicht mit witzigen Details. Der Text beschäftigt sich mit dem Anderssein. Mit Rumpelröschen, der nicht der Feennorm entspricht, lässt er einen Außenseiter Außergewöhnliches bewirken.

Das Buch lebt von der Anspielung auf bekannte Märchen. Kindern, die mit diesen noch nicht umfassend vertraut sind, geht ohne zusätzliche Erklärungen möglicherweise etwas von der Geschichte verloren.

Der Text, groß gedruckt und aufgeteilt in gut überschaubare Kapitel fordert von jungen Selbstlesern ein gutes Lesevermögen, wird aber mit seinen versteckten Anspielungen auch Erwachsene erfreuen und das Vorlesen zur Lust machen. Das Buch ist für Jungen und Mädchen gleichermaßen geeignet.

Christine Faust hat es mit zahlreichen, oft ganzseitigen bunten Illustrationen bebildert.

Der Autor Christian Berg ist eigentlich ein bekannter Kindermusical-Macher und –Regisseur. Gemeinsam mit dem Schauspieler und Komponisten Jan-Christian Scheibe bringt er „Rumpelröschen“ in diesem Jahr als Familienmitmachtheater in Hamburg auf die Bühne.

Buch des Monats April 2019

 Philip Ardagh: Familie Grunz hat Ärger

Übersetzt von Harry Rowohlt , Illustrationen von Axel Scheffler

Beltz & Gelberg Verlag 2014, 237 Seiten, Lesealter ab 9 Jahre

Herr und Frau Grunz sind so gruselig, dass sich ihr Kind “Sohnemann“ zu Recht fragt: Sind das meine richtigen Eltern? Die beiden sind streitsüchtig und haben keine Manieren, sie sind dumm, dreckig und bemühen sich in keiner Weise den Jungen zu erziehen, behandeln ihn vielmehr unfreundlich und grob.

Sohnemann hingegen lässt sich davon in seinem Verhalten nicht beirren. Er ist ein freundliches Kind, das Herr Grunz eines Tages einfach von einer Wäscheleine geklaut hat, um es seiner Frau zu schenken. Große Muttergefühle entwickelt die nicht: Sie steckt ihn in ein von ihr blau eingefärbtes Mädchenkleid und geht davon aus, dass er selber für seine Ernährung sorgt. Essen vom Straßenrand, Haferbrei mit totem Dachs oder Autoreifen mit Salz und Pfeffer (Olchis …) bekommt Sohnemann nämlich nicht herunter.

Familie Grunz bereist mit einem selbst gebastelten, baufällig wirkenden Wohnwagen die Landstraßen, indem sie sich von den Eseln Klipp und Klapp, die Sohnemann versorgt, ziehen lässt. Weil die beiden altersschwach sind, plant Herr Grunz von einer Ex-Zirkustruppe einen Ex-Zirkuselefanten zu kaufen. Zu diesem Zweck führt sie der Weg zum Anwesen der Familie v. Guuth.

Herr v. Guuth hatte sein Vermögen auf betrügerische Weise verdient. Die von ihm hergestellten Metallgitter verloren nach einer bestimmten Zeit ihre Standfestigkeit. Auch der Zirkusdirektor Harry Schlecht war von ihm hereingelegt worden. Bis auf einen Elefanten waren ihm fast alle Zirkustiere entlaufen und daher wurde er arbeitslos. Es kommt ihm gelegen, dass die Grunzens Interesse an seinem Elefanten haben. Da sie nicht über Bargeld verfügen, schlagen sie ihm ein Tauschgeschäft vor: Elefant gegen Dynamitstangen. Harry Schlecht sinnt nämlich auf Rache, doch er hat seinen Plan ohne die  Grunzens gemacht. Die betrügen ihn ebenfalls ohne Not und geben der Geschichte eine unerwartete Wendung.

Philip Ardagh schildert die Handlung mit absurdem Witz. Das chaotische, irrationale Verhalten aller Beteiligten wird Kindern ebenso gefallen wie die ausgeprägt schrägen Charaktere. In dem ganzen Wahnsinn verhält sich nur Sohnemann normal und sorgt für Ausgleich. Das Geschehen entwickelt sich nicht linear, sondern folgt spontanen Anlässen. Den Text  durchziehen kreative Sprachspiele und aberwitzige Dialoge.( Allein die Streitereien der Eltern Grunz bereitet uneingeschränkt Vergnügen.) Die oft langen zusammengesetzten Wörter sind nicht leicht zu lesen, weshalb ein Lesealter von 9 Jahren anzuraten ist.

Philip Ardaghs  Buch ist von Harry Rowohlt gelungen übersetzt und auch als Hörbuch mit einprägsamer Stimme eingelesen worden. Axel Scheffler (Grüffelo) liefert humorvolle, textbegleitende Illustrationen (mit den beliebten Knollennasen und Kulleraugen).

Zu dem vorliegenden Buch gibt es zwei Folgebände:

  • Familie Grunz gerät ins Schwimmen, 2014
  • Familie Grunz in der Bredouille, 2016