Buch des Monats Dezember 2016

Katharina Reschke

Morlot – Detektive schlafen nie

Mit Illustrationen von Gerda Raidt

222 Seiten, ab 10 Jahren,  Boje Verlag, 2014

Reschke_Morlot_final.inddMit „Morlot“ hat Katharina Reschke einen abenteuerlichen Kinderkrimi geschrieben, der Jonathan, den 12-jährigen Hauptakteur vor die Frage stellt, ob es möglich ist, dass man mit seiner Fantasie eine wirkliche, andere Welt schaffen kann.

Seit 12 Jahren erfindet seine Mutter düstere Geschichten um den Detektiv Morlot (Buchcover) in immer neuen Fortsetzungen. Ihre Arbeit als Schriftstellerin ist ihr das Wichtigste. So kommt Jonathan oft zu kurz und muss mit nicht eingehaltenen Verabredungen leben. Doch diesmal wird es anders sein: Für Mutter und Sohn liegen Flugtickets nach Bali bereit, ohne Rücktritt gebucht. Dem ersten Urlaub seit Jahren steht nichts mehr im Weg.

Wenige Stunden vor der Abreise jedoch ist Jonathans Mutter unauffindbar! Verschwunden! –  In seiner Not liest Jonathan ihr letztes unfertiges Manuskript und kann es nicht fassen. Hat sich seine Mutter etwa selbst in die Geschichte geschrieben und zum Akteur gemacht? Steckt Morlot wohlmöglich hinter dem Verschwinden seiner Mutter? Der Junge beginnt sich mit der Welt des Krimis auseinanderzusetzen und unter größter Fantasieanstrengung gelingt es ihm, selbst in die Handlung und in die Krimiwelt einzusteigen. Dicke Nebelschwaden leiten in die graue, triste Welt der Kriminalität einer längst vergangenen Zeit über.

In seinen Bemühungen um die Mutter, die offensichtlich von Gangstern ihrer eigenen Romane gekidnappt wurde, entwickelt sich Jonathan immer stärker zum Grenzgänger zwischen Fiktion und Realität und gerät dabei in so manche gefährliche Situation.

Die Geschichte ist lebendig geschrieben und baut nach und nach immer mehr Spannung auf. Damit der Leser folgen kann, ist der Text in zwei Schriftarten gesetzt  (Realität, Krimi).

Die schwarz-weißen Illustrationen erinnern ein wenig an den Stil alter Vorkriegsfilme. Sie fangen das graue Schattenmilieu des Verbrechens gut ein.

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Unsere Bücher des Monats – Übersicht mit Buchcover

Hier haben wir noch einmal alle unsere Bücher des Monats mit dem Buchumschlag zusammengestellt.

Wenn man auf das jeweilige Buch klickt, kommt man zu unserer Buchbesprechung. Das Copyright der Cover liegt natürlich beim jeweiligen Verlag.

Wir bedanken uns ausdrücklich dafür, dass wir die Cover hier zeigen dürfen.

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Die Krumpflinge - Egon zieht ein von Annette Roeder51xbne9qnkl-_sx331_bo1204203200_06984_EmiundLuna.indd

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9783407820273u1_978-3-596-85492-9Ferdi_Lutz_und_ich9783522501422Magic_Cape.inddmit freundl. Genehmigung des Aladin Verlags

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Die Bücher des Monats auf einen Blick!

Ein Klick auf den Titel führt zu unserer Buchvorstellung.

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Anja Ackermann: Emi und Luna. Eine Freundschaft mit Kawumm. Ein Huhn steht kopf

Andres, Kristina: Mucker & Rosine

Biegel, Paul: Die Prinzessin mit den roten Haaren 

Boonen, Stefan: Ein Mädchen, sieben Pfannkuchen und ein roter Koffer

Collins, Suzanne:  Gregor und die graue Prophezeiung

Engström Mikael/Willis, Helena: Ida, Paul und Frankensteins Katze  

Foxley, Janet: Munkel Trogg –  Der kleinste Riese der Welt

Fröhlich, Anja: Lou und Rokko und das Katzenchaos

Hub, Ulrich: Füchse lügen nicht

Ruhe, Anna: Seeland – Per Anhalter zum Strudelschlund

Hula, Saskia: Kaninchentage

Kaster, Armin: Ferdi, Lutz und ich

 Johnson, Pete:   Gut kombiniert, Trottel!  – Das magische Cape

Krohn, Leena: Emil und der Pelikanmann

Lüftner, Kai: Achtung, Milchpiraten – Rache für Rosa

Lubar, David: Plötzlich Zombie: So ein Mist!

Madden, Deirdre: Tierparadies Emily & Co.

Mason, Simon: Die Quigleys

Nesbo, Jo: Doktor Proktors Pupspulver

Oschmann, Oliver; Witt, Sylvia: Log Out!

Reifenberg, Frank M.: Codewort Risiko, Kampf im ewigen Eis

Reschke, Katharina: Morlot – Detektive schlafen nie

Robson, Jenny: Tommy Mütze

Roeder, Annette: Die Krumpflinge – Reihe

Schiller, Fabian: Codewort Risiko, Die goldene Stadt im Dschungel

Schlitz, Laura Amy: Clara und die Magie des Puppenmeisters

Schulz, Hermann: Mandela & Nelson. Das Rückspiel

Wilk, Janine: Lilith Parker – Insel der Schatte

 Wildner, Martina: Königin des Sprungturms

Weger, Nina: Ein Krokodil taucht ab (und ich hinterher) 

 van de Vendel, Edward: Lena und das Geheimnis der blauen Hirsche

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Unser Bücherei-Jubiläum in der Schaumburger Zeitung

Schaumburger Zeitung: 3.11.2016

Bücherei im Wandel

50 Jahre Ökumenische Kinder- und Jugendbücherei

OBERNKIRCHEN. 50 Jahre Ökumenische Kinder- und Jugendbücherei in der „Roten Schule“ – doch das Angebot ist alles andere als alt und verstaubt. Wie hält man eine Bücherei jung? Eine Spurensuche.

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OBERNKIRCHEN. Obwohl mittlerweile ein halbes Jahrhundert alt, ist die in der „Roten Schule“ zu findende Ökumenische Kinder- und Jugendbücherei Obernkirchen im Grunde immer noch jung – zumindest was deren Bestand an auszuleihenden Büchern und Medien betrifft. Denn den halten die ehrenamtlichen Mitarbeiter des sechsköpfigen Bücherei-Teams stets aktuell, damit das Angebot für die Leserschaft attraktiv bleibt: „Unser Ziel ist die ständige Erneuerung“, berichtet Marianne Höfelmann. Daher besuche man jedes Jahr eine große Kinder- und Jugendbuchmesse, um sich über interessante Neuerscheinungen zu informieren, die man dann für die Bücherei besorge. Dabei orientieren sich die engagierten Frauen auch an speziellen Wünschen der jungen Leser, indem sie etwa solche Buchtitel zum kostenlosen Ausleihen bestellen, die sie ohne diese Anregungen vielleicht nicht eingekauft hätten.

Derzeit umfasst der Bestand der Bücherei mehr als 2000 Buchtitel aus dem Bereich der Kinder- und Jugendliteratur. Dazu zählen Krimis, Abenteuer-, Action- und Fantasy-Romane ebenso wie verschiedene Sachbücher. Zudem sind etliche Hörbücher und Gesellschaftsspiele im Sortiment.

„Unser Streben ist, Kinder und Jugendliche an Bücher und ans Lesen heranzuführen“, betont Elke Berkenbusch, die ebenfalls dem Bücherei-Team angehört. Und dementsprechend biete man ein breit gefächertes Programm.

Dass die jedermann – also nicht nur Gemeindemitgliedern – offen stehende Bücherei wegen der Erweiterung der im gleichen Gebäude ansässigen kirchlichen Kindertagesstätte in diesem Jahr aus einem Raum mit 30 Quadratmetern Fläche in einen nur 18 Quadratmeter messenden Raum umziehen musste, ist da kein Widerspruch. Denn obwohl der Bücherbestand aufgrund der beengteren Platzverhältnisse um gut die Hälfte reduziert werden musste, sind die Regale – so Berkenbusch – mit den auszuleihenden Büchern und Medien immer noch „gut bestückt“. Außerdem sei die jetzige Lage im Hochparterre des Gemeindezentrums „Rote Schule“ besser als die vorherige Räumlichkeit im Obergeschoss. Denn an dem neuen Standort innerhalb des Gebäudes herrsche viel mehr „Durchgangsverkehr“.

Allerdings, räumt Berkenbusch ein, ist die Anzahl der Ausleihen im Vergleich der vergangenen zehn Jahren doch deutlich gesunken – und zwar geschätzt um rund 25 Prozent, wobei Mädchen mehr lesen als Jungs. Ursächlich hierfür sei die Konkurrenz durch digitale Medien wie Computerspiele und soziale Netzwerke im Internet, die oftmals einen größeren Reiz auf Kinder und Jugendliche ausübe. Außerdem würden Eltern heute nicht mehr so viel vorlesen, was ebenfalls dazu beitrage, dass das Interesse an Büchern abnimmt.

Vor diesem Hintergrund erklärt sich ein kleines Schild, das die sechs Ehrenamtlichen in „ihrer“ Bücherei aufgehängt haben: „Shock your parents, read a book“ ist darauf zu lesen – auf Deutsch: „Schock deine Eltern – lies ein Buch“!

Anfangs hatte die Ökumenische Kinder- und Jugendbücherei ihren Sitz übrigens in dem früheren Gemeindehaus der Stiftskirchengemeinde, bevor im Jahr 1996 der Umzug in die „Rote Schule“ erfolgte. Zum Team gehören außer Höfelmann und Berkenbusch noch Ines Möller, Regina Molitor, Gertrud Stoltze und Birgit Barth. Geöffnet hat die Bücherei dienstags und donnerstags von 15 Uhr bis 17 Uhr, freitags von 8.30 Uhr bis 10 Uhr und samstags von 9.45 Uhr bis 10.30 Uhr.

Autor und Foto:  Michael Werk Reporter

Wir danken der Schaumburger Zeitung für das Einverständnis zur Veröffentlichung.

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Buch des Monats November 2016

Anja Ackermann: Emi und Luna.

Eine Freundschaft mit Kawumm. Ein Huhn steht kopf

 Illustriert von Pe Grigo, 168 Seiten, ab 8 Jahren, Arena-Verlag 2014

06984_EmiundLuna.inddIn Luna Osterbergs Familie passieren andauernd komische Sachen. Großonkel Augustin der Erste ist Entdecker und Erfinder. Das Chaos, das seine streng geheimen Entwicklungen oftmals auslösen, nehmen seine Verwandten gelassen hin.

Lunas Eltern, ihr Bruder und ihre Tante Fee führen in den Augen von Emis Mutter ein chaotisches Hippie-Leben. Ihrer Tochter verbieten sie daher jeden Kontakt mit den Nachbarn. Eines Tages jedoch entwischt Emis kleiner Hund Kawumm durch die nachbarliche Dornenhecke. Ihr bleibt nichts weiter übrig als ihm zu folgen.

Da stößt sie auf Luna und ihr eisernes Huhn Mathilde. Das Mädchen sieht in der Tat komisch aus – kein Kleidungsstück passt zueinander. Aber Luna ist nett und die beiden Kinder verstehen sich auf Anhieb. Nach Großonkel Augustins Plan sollte Mathilde eigentlich eine Eierlegemaschine werden . . .   Seine neueste Kreation sind Verjüngungspillen in Form von Zuckerperlen. Doch diesmal ist er wohl zu weit gegangen, denn jeder, der davon nascht, wird ganz wer anders; so auch Kawumm, Mathilda und selbst die dicke Stubenfliege Holda, die durch das Buch schwirrt.

Der Verlauf der Handlung und die damit verbundenen Turbulenzen sind damit vorhersehbar.  Anja Ackermann erzählt mit viel Humor und originellen Darstellern eine kurzweilige Geschichte. Der Text ist aufgelockert gedruckt und auf allen Seiten witzig illustriert (zweifarbige Zeichnungen, Sprechblasen, Lautmalereien).

Da Emi und Luna zwei von den vermeintlichen Verjüngungspillen für sich aufgehoben haben, ist klar, die Geschichte geht weiter.

Der Titel des zweiten Bandes lautet: Emi und Luna. Eine Freundschaft mit Kawumm. So ein Affentheater.

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Buch des Monats Oktober 2016

Jenny Nimmo:  Die silberne Spinne

Aus dem Englischen von Caroline Fichte , 176 Seiten, ab 8 Jahren,                                                 Ravensburger Buchverlag 2007

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Gwyn Griffith lebt mit seinen Eltern auf einer kleinen Farm in Wales. Sein Leben ist trostlos, seit seine ältere Schwester Meggan spurlos verschwunden ist. Eigentlich wollte sie in einer stürmischen Nacht nur das Lieblingsschaf ihres Bruders retten. Sie wurde nie wieder gesehen. Der Vater macht seinen Sohn für das Verschwinden seiner Tochter verantwortlich und nimmt der Familie jegliche Lebenslust.

Gwyns Großmutter leidet mit ihrem Enkel. In dem Bemühen um einen Ausweg besinnt sie sich auf die magischen Kräfte ihrer Vorfahren. Zu seinem Geburtstag schenkt sie ihm fünf rätselhafte Gegenstände: eine verbogene Blechbrosche, ein Stück Seetang, ein gelbes Kopftuch, eine Blechflöte und ein kleines kaputtes Pferd. „Es ist an der Zeit, dass wir herausfinden, ob du ein Zauberer bist.“, meint sie und offenbart ihm das Familiengeheimnis. Damit erweckt sie in ihm die Hoffnung, mit Hilfe der Magie seine Schwester zurückzubringen. Gwyn erkennt rasch, dass er über Zauberkräfte verfügt. Der Anweisung der Großmutter entsprechend übergibt er die Gegenstände nach und nach der Kraft des Windes – der ja die Schwester geraubt hat – und wird dabei in fantastische und spannende Erlebnisse verwickelt.

Die Geschichte erhält ihren Reiz aus dem Wechsel von Alltagsrealität und Fantasiewelt. Gedämpfte Textpassagen vermitteln dem Leser Gwyns Einsamkeit (Er darf sein Geheimnis niemandem anvertrauen.), auch seine Hilflosigkeit und Verzweiflung angesichts der dramatischen, übermächtigen Ereignisse. Hier bietet ihm die Großmutter, zu der er ein sehr vertrautes Verhältnis hat, Rückhalt und Zuflucht. Durch sie erhält der Text eine wunderbar humorvolle Komponente. (Eigenwillig wie sie ist, dürfen bei ihr auch schon mal die Hühner im Haus ihre Eier legen.)

In der Abfolge des Textes wird nacheinander die Wirkung eines jeden magischen Gegenstandes beschrieben. Mit dem kaputten Pferd, das nicht grundlos mit einem Zettelaufdruck: „Nicht dieses!“ versehen ist, strebt die Handlung zum Schluss einem dramatischen Höhepunkt entgegen.

Das vorliegende Buch ist der erste Band einer Trilogie. Ihm folgen „ Der silberne Mond“ sowie „Der silberne Prinz“. Jenny Nimmo ist die Autorin der erfolgreichen „Charlie Bone“-Bücher.

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Buch des Monats September 2016

Brigitte Werner:  Kotzmotz der Zauberer

Illustrationen von Birte Müller

105 Seiten, zum Vorlesen ab 5 Jahren, zum Selberlesen ab 8 Jahren,

Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2008

„Verstinkter Affenhintern in Pupssuppe!“ Gleich dreimal schrie es der Zauberer Kotzmotz in seiner „riesigen, kellerschwarzen, stacheligen Stinkwut“ und zerstampfte sein Zauberbuch zu Konfetti. Die Tiere des Waldes kannten die Tobsuchtsanfälle schon. Schnell liefen sie in ihre Verstecke. Selbst die Pflanzen schienen die Luft anzuhalten.

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Nur ein kleiner unbekümmerter Hase mit abgeknicktem Ohr wollte es genauer wissen und hopste auf die Tür des Hauses vom Zauberer zu. „Du hässlichster Wicht von einem Hasen den die Welt je gesehen hat verschwinde sonst mach ich Schneckenschiss aus dirI“, schallte es ihm entgegen. Der Hase liebte lange, klangvolle Wörter und bemerkte daher kaum die Unerhörtheit der Schimpftirade. „Seeroseninnenlichtgeflirrimsonnemorgentaugeglitzer“, entgegnete er dem Zauberer und erklärte den Klang seiner Wortschöpfung als viel schöner.

Noch nie war Kotzmotz jemand so furchtlos offen begegnet. Vor lauter Staunen fiel ihm, was noch nie passiert war, kein Schimpfwort mehr ein. Für den kleinen Hasen war bald klar: Der Zauberer lebte schon viel zu lange abgeschieden und allein. Zunächst öffnete er nur die Fensterläden seines Hauses um Sonnenlicht in die dunklen Zimmer zu lassen, aber schon bald schlich er sich auch in sein Herz. Beide begannen sich einfühlsam wahrzunehmen, sich zu vertrauen und Kotzmotz lernte, was Freundschaft bedeutet.

Am Ende der Geschichte konnte der Zauberer natürlich nicht mehr Kotzmotz heißen. Man nannte ihn „Saladin“, wie den Sultan, den der Ritter Löwenherz einstmals bezwang. Selbstredend gebührte dem Hasen der Name „Löwenherz“.

Brigitte Werners Text handelt von Angst, Wut und Einsamkeit. Dabei vermittelt sie humorvoll grundlegende Werte für ein achtsames und respektvolles Miteinander. Wie den Hasen und den Zauberer treibt sie in ihren Formulierungen eine Lust an der Bildhaftigkeit und Lautmalerei der Sprache an. Der Text ist mit Verkleinerungen, zusammengesetzten Worten und Vergleichen so gespickt  („Samtkätzchenduftgestreichel, Hasenknutschkussfreundeklopfherzwunderfarben-lieblingstag, …), dass zumindest dem erwachsenen Leser manchmal der Gedanke kommt, ob weniger mehr gewesen wäre.

Das Buch über diese ungleiche Freundschaft ist ein ideales Vorlesebuch.  Für Leseanfänger setzt das Erlesen der langen Wortkonstruktionen schon einige Übung voraus.

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Buch des Monats August 2016

Annette Roeder:  Die Krumpflinge – Reihe

(bisher) 6 Bände für Erstleser                    

1. Egon zieht ein!                                2. Egon wird erwischt   

3.  Egon schwänzt die Schule         4. Egon taucht ab!    

5.  Egon rettet die Krumpfburg     6. Egon wird großer Bruder

Illustrationen von Barbara Korthues, ca. 85 Seiten, ab 6 Jahren, cbj Verlag 2015

Die Krumpflinge - Egon zieht ein von Annette Roeder

Egon Krumpflings wuscheliges Fell ist babyspinatgrün und hat auf der Brust einen herzförmigen Fleck. Er selbst findet sich schön und wäre mit sich zufrieden, doch ist er als jüngster der Krumpf-linge so groß wie eine Gabel und muss deswegen von den älteren eine Menge einstecken. Auch für Oma Krumpfling, das Oberhaupt der 49-köpfigen Sippe, ist er ein beliebtes Schimpfziel: Viel zu lieb um böse zu sein und zu ungeschickt um richtige Streiche auszuhecken.

Die Krumpflinge sind zur Herstellung ihres Lebenselixiers auf Schimpfwörter angewiesen. Diese werden getrocknet, zu Krümeln zerstoßen werden und als „Krumpf-Tee“ getrunken. Um die Un-wörter der Menschen aufzufangen, haben sie sich im Kellergerümpel einer alten Villa eingerich-tet und fangen über einen Duschkopf, der mit den Wasserleitungen des Hauses verbunden ist, wie über eine Sprechanlage auf, was bei den Menschen so abgeht. Wenn zu wenig geschimpft wird, versiegt der Wörterfluss und die Krumpflinge müssen aktiv werden: ärgern stören, nerven, d.h. für Stunk bei den Menschen sorgen. Dabei ist unbedingt die Krumpfling-Regel Nr. 2 zu be-herrschen: Zeige dich nie einem Menschen. Doch wenn man, wie Egon zufällig von einem netten Menschenjungen erwischt wird, warum soll man sich dann nicht mit ihm anfreunden?

Anette Roeder beschreibt kindgerecht und fantasievoll aufeinander folgende Ereignisse, wobei sie – die Geschichte will es so – lustvoll mit eingestreuten Schimpfwörtern spielt. Dies und das Chaos in der Krumpfburg werden Kinder mögen und Egon als Hauptperson sowieso. Man hat das Lachen der Kinder schon im Ohr und kann sich das Buch daher sehr gut als Vorlesetext vorstellen. Erstlesern werden die etwas größere Schrift und das übersichtliche Layout entgegen-kommen.
Barbara Korthues weckt mit ihren zahlreichen bunten Begleitillustrationen auf heitere Weise Vorstellungen davon, was die Krumpflinge so treiben.

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Buch des Monats Juli 2016

Suzanne Collins:

Gregor und die graue Prophezeiung

Aus dem Englischen von Sylke Hachmeister

300 Seiten, ab 10 Jahren, Oetinger Verlag 2005

Niemals hätte der elfjährige Gregor vermutet, dass unterhalb von New York City Menschen leben und schon gar nicht hätte er dort seinen seit zwei Jahren spurlos verschwundenen Vater  vermutet.                                3789132101

Eines Tages aber fällt Gregors zweijährige Schwester Boots einfach in den Lüftungsschacht im Wäschekeller  und so bleibt dem Jungen nichts weiter übrig, als sie da herauszuholen. Durch einen plötzlichen Sog gelangen die beiden in die dunklen Nebelschwaden des „Unterlandes“, aus denen riesige sprechende Kakerlaken, die Krabbler, auftauchen und den Kindern die dort herrschenden Lebensbedingungen erklären. Sie teilen sich den unterirdischen Raum mit Spinnen und aggressiven, alle bedrohenden Ratten. In der Stadt (Regalia) lernt er  auch die Menschen kennen, deren Verbündete Fledermäuse sind,  die ihnen Flugdienste leisten.

Gregor will sich hier nicht aufhalten und  versucht zu fliehen, zumal er ja auch die Verantwortung für seine kleine Schwester trägt. Doch die Unterländer  konfrontieren ihn mit einer in Stein gehauenen „grauen Prophezeiung“ und lassen keinen Zweifel daran, dass sie Gregor für  den darin angekündigten Krieger aus dem „Überland“ halten. Der soll sie von der Bedrohung durch die Ratten erlösen und überdies einen Gefangenen befreien, den Gregor als seinen Vater ausmacht. Vorbehaltlos lässt er sich auf das gefährliche Abenteuer ein.

Kinder müssen sich schon an die ungewöhnlichen Darsteller dieser Geschichte gewöhnen. Kakerlaken, Spinnen, Schlangen, Fledermäuse – alles Tiere, zu denen sie nicht sofort Zugang suchen würden. Aber eingebunden in die phantastische Unterwelt, versehen mit menschlichen Zügen und Sprechvermögen, üben sie eine seltsame Faszination aus und fesseln den Leser so sehr, dass er immer weiter lesen möchte.

Die Geschichte beginnt harmlos, steigert sich aber in der Dramatik der Handlung stetig. Gregor als glaubwürdigem Hauptcharakter ist es zu verdanken, dass man die schrecklichen, unerwarteten Ereignisse und Wendungen hinnimmt.

Entlastend wirkt bei aller Spannung das spontane Verhalten seiner Schwester Boots. Sie sorgt mit ihrer Kleinkindsprache und ihrem vorbehaltlosen Verhalten oft für ein erlösendes Lachen.

Darüber hinaus: Es gibt natürlich ein Happy End.

Doch da noch weitere fünf Bände folgen (alle in der Bücherei zu entleihen), weiß der geübte Leser: Gregor hat nur einen Teilsieg errungen. Der Feind ist noch nicht geschlagen.

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Buch des Monats Juni 2016

Simon Mason: Die Quigleys

Aus dem Englischen von Gabriele Haefs

Roman mit Illustrationen von Susann Opel-Götz

96 Seiten, ab 8 Jahren, Carlsen Verlag 2009

quigleysEins ist sicher: Die Quigleys, das sind Mama, Papa, Will und Lucy ( genannt Pudel oder Pudelfisch) mögen sich sehr, auch wenn bei ihnen täglich der Wahnsinn tobt. Schließlich verfügt ein jeder von ihnen über eine gehörige Portion Eigensinn und aus ihrer Sturheit heraus entstehen so komischste Situationen, die sie alle wieder im Lachen vereint.

Lucy beispielsweise wollte bei einer Hochzeit nicht in einem langweiligen Taftkleid Blumen streuen, sondern dies als Biene verkleidet tun. Sie ließ die Eltern, die sie davon abbringen wollten, reden und bastelte sich unbemerkt ein aufwändiges Kostüm, zu dem Will noch die Fühler besorgte. Damit legte sie bei der Feier –  Mama und Papa fielen aus allen Wolken – einen Überraschungsauftritt hin und wurde von der begeisterten Braut auch noch mit einem Lächeln umarmt.

Will ist Lucys älterer Bruder und geht schon zur Schule. Ernsthaft und bedächtig überlegte er schon im Sommer, wie er seine Weihnachtswünsche anmelden könnte und nervte damit. Aber weil in seiner Familie ein Tierverbot herrschte, musste er schon beharrlich und planvoll vorgehen um seinen Wunsch nach einen Würgadler (!) durchzusetzen.

Papa wollte während eines Babysitter-Termins bei den befreundeten Nachbarn einfach nur einmal in Ruhe im Fernsehen Fußball schauen, da kam ihm eines der Kinder abhanden. Verzweifelt  suchte er überall. Wie stand er jetzt da? Schließlich konnte er es nur unter der Mithilfe seiner Kinder wiederfinden.

Auch Mamas Geburtstag verlief nicht ohne Aufregungen und leider völlig anders als  geplant. Eigentlich wollte sie mit Papa ein Ballett besuchen. „Wenn wir nicht ins Ballett gehen können“, rief Papa und sprang im blau gestreiften Bademantel ins Zimmer, „ dann muss das Ballett eben zu uns kommen. “ Lucy und Will jubelten, hakten Papa ein und legten gemeinsam einen temperamentvollen Tanz hin.

Schon das Buchcover  vermittelt die Eigenwilligkeit und die Verschmitztheit der handelnden  Personen, die in vier humorvollen Episoden beschrieben werden. Bei den Quigleys setzen sich vor allem die Kinder einfach über herrschende Zwänge hinweg und machen so einen geradlinigen Alltag für die Eltern unmöglich. Simon Mason beschreibt in seiner Geschichte, dass Erwachsene glauben, sich starren gesellschaftlichen Regeln unterwerfen zu müssen, für die selbstbewusste Kinder einfach kein Verständnis haben. Und das Schöne an diesem Buch ist, dass die Eltern sich auf die Kinder einlassen und auf diese Weise immer neu den Familienzusammenhalt stärken.

Susann Opel-Götz hat das Buch mit wunderbar lässigen, hintersinnigen Zeichnungen illustriert. Sie fangen Witz und Emotionen gut ein und bringen die Charaktereigenschaften  einer jeden Person gut zum Ausdruck.

Der Text kann von Erstlesern gut bewältigt werden. Es muss aber auch großen Spaß machen ihn vorzulesen.

Die Quigleys sind eine Serie. Es sind noch drei weitere Bände erhältlich.

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