Buch des Monats September 2016

Brigitte Werner:  Kotzmotz der Zauberer

Illustrationen von Birte Müller

105 Seiten, zum Vorlesen ab 5 Jahren, zum Selberlesen ab 8 Jahren,

Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2008

„Verstinkter Affenhintern in Pupssuppe!“ Gleich dreimal schrie es der Zauberer Kotzmotz in seiner „riesigen, kellerschwarzen, stacheligen Stinkwut“ und zerstampfte sein Zauberbuch zu Konfetti. Die Tiere des Waldes kannten die Tobsuchtsanfälle schon. Schnell liefen sie in ihre Verstecke. Selbst die Pflanzen schienen die Luft anzuhalten.

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Nur ein kleiner unbekümmerter Hase mit abgeknicktem Ohr wollte es genauer wissen und hopste auf die Tür des Hauses vom Zauberer zu. „Du hässlichster Wicht von einem Hasen den die Welt je gesehen hat verschwinde sonst mach ich Schneckenschiss aus dirI“, schallte es ihm entgegen. Der Hase liebte lange, klangvolle Wörter und bemerkte daher kaum die Unerhörtheit der Schimpftirade. „Seeroseninnenlichtgeflirrimsonnemorgentaugeglitzer“, entgegnete er dem Zauberer und erklärte den Klang seiner Wortschöpfung als viel schöner.

Noch nie war Kotzmotz jemand so furchtlos offen begegnet. Vor lauter Staunen fiel ihm, was noch nie passiert war, kein Schimpfwort mehr ein. Für den kleinen Hasen war bald klar: Der Zauberer lebte schon viel zu lange abgeschieden und allein. Zunächst öffnete er nur die Fensterläden seines Hauses um Sonnenlicht in die dunklen Zimmer zu lassen, aber schon bald schlich er sich auch in sein Herz. Beide begannen sich einfühlsam wahrzunehmen, sich zu vertrauen und Kotzmotz lernte, was Freundschaft bedeutet.

Am Ende der Geschichte konnte der Zauberer natürlich nicht mehr Kotzmotz heißen. Man nannte ihn „Saladin“, wie den Sultan, den der Ritter Löwenherz einstmals bezwang. Selbstredend gebührte dem Hasen der Name „Löwenherz“.

Brigitte Werners Text handelt von Angst, Wut und Einsamkeit. Dabei vermittelt sie humorvoll grundlegende Werte für ein achtsames und respektvolles Miteinander. Wie den Hasen und den Zauberer treibt sie in ihren Formulierungen eine Lust an der Bildhaftigkeit und Lautmalerei der Sprache an. Der Text ist mit Verkleinerungen, zusammengesetzten Worten und Vergleichen so gespickt  („Samtkätzchenduftgestreichel, Hasenknutschkussfreundeklopfherzwunderfarben-lieblingstag, …), dass zumindest dem erwachsenen Leser manchmal der Gedanke kommt, ob weniger mehr gewesen wäre.

Das Buch über diese ungleiche Freundschaft ist ein ideales Vorlesebuch.  Für Leseanfänger setzt das Erlesen der langen Wortkonstruktionen schon einige Übung voraus.

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Buch des Monats August 2016

Annette Roeder:  Die Krumpflinge – Reihe

(bisher) 6 Bände für Erstleser                    

1. Egon zieht ein!                                2. Egon wird erwischt   

3.  Egon schwänzt die Schule         4. Egon taucht ab!    

5.  Egon rettet die Krumpfburg     6. Egon wird großer Bruder

Illustrationen von Barbara Korthues, ca. 85 Seiten, ab 6 Jahren, cbj Verlag 2015

Die Krumpflinge - Egon zieht ein von Annette Roeder

Egon Krumpflings wuscheliges Fell ist babyspinatgrün und hat auf der Brust einen herzförmigen Fleck. Er selbst findet sich schön und wäre mit sich zufrieden, doch ist er als jüngster der Krumpf-linge so groß wie eine Gabel und muss deswegen von den älteren eine Menge einstecken. Auch für Oma Krumpfling, das Oberhaupt der 49-köpfigen Sippe, ist er ein beliebtes Schimpfziel: Viel zu lieb um böse zu sein und zu ungeschickt um richtige Streiche auszuhecken.

Die Krumpflinge sind zur Herstellung ihres Lebenselixiers auf Schimpfwörter angewiesen. Diese werden getrocknet, zu Krümeln zerstoßen werden und als „Krumpf-Tee“ getrunken. Um die Un-wörter der Menschen aufzufangen, haben sie sich im Kellergerümpel einer alten Villa eingerich-tet und fangen über einen Duschkopf, der mit den Wasserleitungen des Hauses verbunden ist, wie über eine Sprechanlage auf, was bei den Menschen so abgeht. Wenn zu wenig geschimpft wird, versiegt der Wörterfluss und die Krumpflinge müssen aktiv werden: ärgern stören, nerven, d.h. für Stunk bei den Menschen sorgen. Dabei ist unbedingt die Krumpfling-Regel Nr. 2 zu be-herrschen: Zeige dich nie einem Menschen. Doch wenn man, wie Egon zufällig von einem netten Menschenjungen erwischt wird, warum soll man sich dann nicht mit ihm anfreunden?

Anette Roeder beschreibt kindgerecht und fantasievoll aufeinander folgende Ereignisse, wobei sie – die Geschichte will es so – lustvoll mit eingestreuten Schimpfwörtern spielt. Dies und das Chaos in der Krumpfburg werden Kinder mögen und Egon als Hauptperson sowieso. Man hat das Lachen der Kinder schon im Ohr und kann sich das Buch daher sehr gut als Vorlesetext vorstellen. Erstlesern werden die etwas größere Schrift und das übersichtliche Layout entgegen-kommen.
Barbara Korthues weckt mit ihren zahlreichen bunten Begleitillustrationen auf heitere Weise Vorstellungen davon, was die Krumpflinge so treiben.

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Buch des Monats Juli 2016

Suzanne Collins:

Gregor und die graue Prophezeiung

Aus dem Englischen von Sylke Hachmeister

300 Seiten, ab 10 Jahren, Oetinger Verlag 2005

Niemals hätte der elfjährige Gregor vermutet, dass unterhalb von New York City Menschen leben und schon gar nicht hätte er dort seinen seit zwei Jahren spurlos verschwundenen Vater  vermutet.                                3789132101

Eines Tages aber fällt Gregors zweijährige Schwester Boots einfach in den Lüftungsschacht im Wäschekeller  und so bleibt dem Jungen nichts weiter übrig, als sie da herauszuholen. Durch einen plötzlichen Sog gelangen die beiden in die dunklen Nebelschwaden des „Unterlandes“, aus denen riesige sprechende Kakerlaken, die Krabbler, auftauchen und den Kindern die dort herrschenden Lebensbedingungen erklären. Sie teilen sich den unterirdischen Raum mit Spinnen und aggressiven, alle bedrohenden Ratten. In der Stadt (Regalia) lernt er  auch die Menschen kennen, deren Verbündete Fledermäuse sind,  die ihnen Flugdienste leisten.

Gregor will sich hier nicht aufhalten und  versucht zu fliehen, zumal er ja auch die Verantwortung für seine kleine Schwester trägt. Doch die Unterländer  konfrontieren ihn mit einer in Stein gehauenen „grauen Prophezeiung“ und lassen keinen Zweifel daran, dass sie Gregor für  den darin angekündigten Krieger aus dem „Überland“ halten. Der soll sie von der Bedrohung durch die Ratten erlösen und überdies einen Gefangenen befreien, den Gregor als seinen Vater ausmacht. Vorbehaltlos lässt er sich auf das gefährliche Abenteuer ein.

Kinder müssen sich schon an die ungewöhnlichen Darsteller dieser Geschichte gewöhnen. Kakerlaken, Spinnen, Schlangen, Fledermäuse – alles Tiere, zu denen sie nicht sofort Zugang suchen würden. Aber eingebunden in die phantastische Unterwelt, versehen mit menschlichen Zügen und Sprechvermögen, üben sie eine seltsame Faszination aus und fesseln den Leser so sehr, dass er immer weiter lesen möchte.

Die Geschichte beginnt harmlos, steigert sich aber in der Dramatik der Handlung stetig. Gregor als glaubwürdigem Hauptcharakter ist es zu verdanken, dass man die schrecklichen, unerwarteten Ereignisse und Wendungen hinnimmt.

Entlastend wirkt bei aller Spannung das spontane Verhalten seiner Schwester Boots. Sie sorgt mit ihrer Kleinkindsprache und ihrem vorbehaltlosen Verhalten oft für ein erlösendes Lachen.

Darüber hinaus: Es gibt natürlich ein Happy End.

Doch da noch weitere fünf Bände folgen (alle in der Bücherei zu entleihen), weiß der geübte Leser: Gregor hat nur einen Teilsieg errungen. Der Feind ist noch nicht geschlagen.

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Buch des Monats Juni 2016

Simon Mason: Die Quigleys

Aus dem Englischen von Gabriele Haefs

Roman mit Illustrationen von Susann Opel-Götz

96 Seiten, ab 8 Jahren, Carlsen Verlag 2009

quigleysEins ist sicher: Die Quigleys, das sind Mama, Papa, Will und Lucy ( genannt Pudel oder Pudelfisch) mögen sich sehr, auch wenn bei ihnen täglich der Wahnsinn tobt. Schließlich verfügt ein jeder von ihnen über eine gehörige Portion Eigensinn und aus ihrer Sturheit heraus entstehen so komischste Situationen, die sie alle wieder im Lachen vereint.

Lucy beispielsweise wollte bei einer Hochzeit nicht in einem langweiligen Taftkleid Blumen streuen, sondern dies als Biene verkleidet tun. Sie ließ die Eltern, die sie davon abbringen wollten, reden und bastelte sich unbemerkt ein aufwändiges Kostüm, zu dem Will noch die Fühler besorgte. Damit legte sie bei der Feier –  Mama und Papa fielen aus allen Wolken – einen Überraschungsauftritt hin und wurde von der begeisterten Braut auch noch mit einem Lächeln umarmt.

Will ist Lucys älterer Bruder und geht schon zur Schule. Ernsthaft und bedächtig überlegte er schon im Sommer, wie er seine Weihnachtswünsche anmelden könnte und nervte damit. Aber weil in seiner Familie ein Tierverbot herrschte, musste er schon beharrlich und planvoll vorgehen um seinen Wunsch nach einen Würgadler (!) durchzusetzen.

Papa wollte während eines Babysitter-Termins bei den befreundeten Nachbarn einfach nur einmal in Ruhe im Fernsehen Fußball schauen, da kam ihm eines der Kinder abhanden. Verzweifelt  suchte er überall. Wie stand er jetzt da? Schließlich konnte er es nur unter der Mithilfe seiner Kinder wiederfinden.

Auch Mamas Geburtstag verlief nicht ohne Aufregungen und leider völlig anders als  geplant. Eigentlich wollte sie mit Papa ein Ballett besuchen. „Wenn wir nicht ins Ballett gehen können“, rief Papa und sprang im blau gestreiften Bademantel ins Zimmer, „ dann muss das Ballett eben zu uns kommen. “ Lucy und Will jubelten, hakten Papa ein und legten gemeinsam einen temperamentvollen Tanz hin.

Schon das Buchcover  vermittelt die Eigenwilligkeit und die Verschmitztheit der handelnden  Personen, die in vier humorvollen Episoden beschrieben werden. Bei den Quigleys setzen sich vor allem die Kinder einfach über herrschende Zwänge hinweg und machen so einen geradlinigen Alltag für die Eltern unmöglich. Simon Mason beschreibt in seiner Geschichte, dass Erwachsene glauben, sich starren gesellschaftlichen Regeln unterwerfen zu müssen, für die selbstbewusste Kinder einfach kein Verständnis haben. Und das Schöne an diesem Buch ist, dass die Eltern sich auf die Kinder einlassen und auf diese Weise immer neu den Familienzusammenhalt stärken.

Susann Opel-Götz hat das Buch mit wunderbar lässigen, hintersinnigen Zeichnungen illustriert. Sie fangen Witz und Emotionen gut ein und bringen die Charaktereigenschaften  einer jeden Person gut zum Ausdruck.

Der Text kann von Erstlesern gut bewältigt werden. Es muss aber auch großen Spaß machen ihn vorzulesen.

Die Quigleys sind eine Serie. Es sind noch drei weitere Bände erhältlich.

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Buch des Monats Mai 2016

Kristina Andres: Mucker & Rosine

Illustrationen von Barbara Scholz

168 Seiten, ab 8 Jahren

Beltz & Gerstenberg Verlag, Weinheim 2015

Kristina Andres erzählt ihre Tiergeschichte einfühlsam mit viel Witz und reiht unaufgeregt ein „kleines“ Abenteuer an das andere ohne auf einen dramatischen Höhepunkt hinzuarbeiten.

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Endlich bietet sich dem Stadthasen Mucker, einem klassischen Tollpatsch, die Gelegenheit, seiner putzwütigen Tante Heidi zu entkommen. Sein Uronkel Jammerhase vermacht ihm sein Haus am Waldrand! In einem Abfalleimer versteckt gelangt er von der Tante unbemerkt ins Freie und macht sich auf den Weg in sein neues Leben. Mit der vorwitzigen Elefantendame Berta und Molle Maulwurf findet er schnell Freunde, der Feldmaus Rosine aber schenkt er sein Herz. „Ihr Fell war seidig, braun wie hundert Haselnüsse und ihre Augen glänzten holundersaftschwarz. Muckers Herz rumpelte los.“ Gemeinsam ziehen sie in sein Haus. Während Rosine ihn vor widrigen Feinden beschützt, bestrickt er sie liebevoll, auch mit seinen gewichtigen, doppeldeutigen Formulierungen: „Zuhause ist ein gutes Wort.“

Das Buch propagiert Freundschaft, Achtsamkeit und Geborgenheit, schildert aber durchaus nicht nur eine Wald- und Wiesenidylle. (Der fiese Fuchs versucht schließlich mit arglistigen Tricks die Waldherrschaft an sich zu reißen. Auch Tante Heidi gelingt es mit einem Blitzbesuch den Frieden zu stören.)

Immer wieder aber amüsiert die Elefantendame Berta mit schrägen Sprachfehlern: „Gemahlzeit! … Hab ich mir gedacht, komm ich schön sprünglich vorbei in die herrliche Gewetter.“ Die anspruchsvolle, vielschichtige Sprache macht diese Geschichte zu einem idealen Vorlesetext, den Barbara Scholz detailreich in Bilder umsetzt. Dem Cover entsprechende Illustrationen in warmen Farben ziehen sich durch das ganze Buch. Leseanfänger mögen vielleicht die Seitenzahl der Kapitel für zu umfangreich halten.

 

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Unsere Bücher des Monats – Übersicht mit Buchcover

Hier haben wir noch einmal alle unsere Bücher des Monats mit dem Buchumschlag zusammengestellt.

Wenn man auf das Buch klickt, kommt man zu unserer Buchbesprechung. Das Copyright der Cover liegt natürlich beim jeweiligen Verlag.

Wir bedanken uns ausdrücklich dafür, dass wir die Cover hier zeigen dürfen.

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9783407820273u1_978-3-596-85492-9Ferdi_Lutz_und_ich9783522501422Magic_Cape.inddmit freundl. Genehmigung des Aladin Verlags

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Die Krumpflinge - Egon zieht ein von Annette Roeder

 

 

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Buch des Monats April 2016

Stefan Boonen:

Ein Mädchen, sieben Pfannkuchen und ein roter Koffer

Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann                                                                            Illustrationen von Tom Schoonooghe                                                                                                272 Seiten, ab 8 Jahren   

Fischer-Verlag, KJB 2015 

In Wammerswald wird  ein Mädchen mit einem roten Koffer und „mit langen flammenden Haaren  und einem fröhlich breiten Mund“ am Ufer des Flusses angespült. Die Schifferin, die das Kind findet, nimmt es erst einmal mit und backt ihm Pfannkuchen. Schnell macht die Neuigkeit bei den Bewohnern die Runde und ebenso ist allen klar, das herrenlose Kind muss untergebracht werden.   u1_978-3-7373-5172-0

In Wammerswald geht alles geordnet zu, schließlich haben die Bürger einen Denkrat gewählt, der in schwierigen Lagen wie dieser berät. Er beschließt, das Mädchen, das angeblich seinen Namen vergessen hat und sich nun „Findling“ nennt, möge einfach durch Probewohnen herausfinden, bei wem es künftig bleiben will. Warmherzig und liebevoll, oftmals gar schüchtern begegnet ihr ein jeder Gastgeber auf die ihm eigene Weise.

Diese heile Welt bricht für Findling ein, als sie erfährt, dass die Försterin einen Bären gefangen hat und an einen Zoo verkaufen will. Damit nicht genug. Ein rücksichtsloser Investor versucht mit unredlichen Mitteln der Stadt den Bau eines Vergnügungsparks aufzuzwingen. Das muss verhindert werden.

Mit diesen Geschehnissen nimmt die Geschichte Fahrt auf und wird zu einer spannenden Erzählung. Von Anfang an nimmt Findling den Leser durch ihr willensstarkes Verhalten ein und erinnert damit in ihrem Wesen ein wenig an „Pippi Langstrumpf“. So beantwortet sie letztlich auch die Frage, wo sie denn nun wohnen will, auf die ihr eigene Art.

Das Buch ist in einfacher Sprache geschrieben. 267 Seiten sind in 18 Episoden mit roter Überschrift aufgeteilt. Vorangestellt ist ein Personenverzeichnis, in dem die handelnden Bürger mit ihren Eigenheiten vorgestellt werden. Darüber hinaus sorgt aber auch die starke Typisierung  der Personen für Übersichtlichkeit.

Tom Schoonooghes farbige Bilder sind ungewöhnlich. (s. Buchcover) Aus Erwachsenensicht passen sie wunderbar zu diesem Buch. Aber sicherlich gefallen die minimalistischen Bilder mit ihren reduzierten Bildausschnitten und zurückhaltender Farbigkeit auch Kindern.

 

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Buch des Monats März 2016

Anna Ruhe: Seeland – Per Anhalter zum Strudelschlund

Illustrationen von Max Meinzold
285 Seiten, ab 8 Jahren
Arena Verlag, Würzburg 2015

„Seeland“ ist Anna Ruhes erstes Kinderbuch.
Ihrer Beschreibung der Unterwasserwelten folgt der Leser staunend, so phantasievoll und fremdartig, aber auch schlüssig erweisen sich die Phänomene der Wassertiefen. Da gibt es Städte auf Stegen, Wasserstraßen in verschiedenen Höhen, Meerjungfrauen, Riesenquallen, aber auch Unterwasserpiraten, Späher und die „Schaar“, eine Gruppe böser Machthaber.
Aus einem Brunnen heraus reißt ein unterirdischer Strudel den 12-jährigen Max und seine Begleiterin Emma in die unterirdische Welt. Eigentlich wollte der Junge seinen seit 13 Jahren verschwundenen Vater suchen, schon bald stellt sich aber heraus, dass er in Seeland auf seinen Spuren sein könnte. Er scheint dort als Wissenschaftler gearbeitet zu haben und dann auf Grund seiner brisanten Resultate von der „Schaar“ entführt worden zu sein. Auch der Seeland-Junge Ari vermisst seine Familie und so beschließen die drei Kinder, sich gemeinsam den Gefahren der Suche auszusetzen und sich dabei immer weiter zum Ort der Verschleppten in die dunklen Untiefen zu begeben.
Das vorliegende Buch ist eine Abenteuergeschichte, in die man im wahrsten Sinne des Wor-tes abtauchen kann. Am liebsten möchte man den Text in eins durchlesen, denn die Drama-tik spitzt sich fortwährend zu. Max Meinzolds Schwarz-Weiß-Illustrationen tragen das ihre dazu bei. Acht großflächige Szenendarstellungen lüften das Geheimnis Seelands, zeigen die unermessliche Tiefe und scheinen aus sich heraus zu leuchten. Seiten- und Kapitelvignetten sowie eine Karte jeweils auf den Innenseiten der Buchdeckel, werten das Buch auf.

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Buch des Monats Februar 2016

Philip Reeve: Kekse im Kosmos

Einband und Illustrationen von Sarah McIntyre 9783791517049
Aus dem Englischen von Yvonne Hergane
224 Seiten, ab 8 Jahren
Dressler Verlag: März 2015

Eigentlich freut sich die zehnjährige Astra(!) darauf, mit ihrer Familie auf den Planeten Nova Mundi zu ziehen. Wenn nur der neue Wohnort nicht 199 Reisejahre entfernt läge! Aber die Mutter verspricht, dass keiner der Passagiere das Vergehen der Zeit bemerken wird, weil man den Flug in tiefgekühlten Schlafkapseln verbringt und somit nicht altert.
Völlig unplanmäßig wacht Astra schon nach 100 Jahren auf und zwar mit einem „kleinen Hüngerchen“. Der nette Reparaturroboter Pillpall weiß Rat. Er führt das Mädchen zur Happ-A-Tron-Essensmaschine, was sich jedoch als verhängnisvoll erweisen wird. Astras Wunsch nach einem perfekten Kuchen veranlasst diese nämlich zu immer neuen, besseren Kreationen. Ununterbrochen aktiv verbraucht sie fast die gesamte Energie des Raumschiffes, so dass Systemfehler auftauchen. Noch verhängnisvoller aber ist: Die Kuchen werden lebendig und mutieren zu immer größeren, menschenfressenden Wesen. Da nur Astra wach ist, muss sie handeln, zumal noch weitere Angreifer die Weltraumreise gefährden. Der Leser fiebert indes mit ihr.
Das Buchcover als farbenprächtiger Hingucker repräsentiert den Einfallsreichtum und die Lebendigkeit, mit der die Handlung besticht. Auf schwarzem Hintergrund (All) erkennt man Astra und in schrillen Farben das mit Zähnen bewaffnete galaktische Killergebäck. Fast auf jeder Seite lassen Illustrationen in Schwarz, Weiß und Orange das Erzählte lebendig werden, begrenzen daher auch den Textumfang. (Erstleser)

Philipp Reeve sprüht vor Ideen und erzählt seine irrwitzige Story fantasievoll, überzeugend und kindgerecht. Das witzige Buch fesselt von Anfang an und wird bei Jungen und Mädchen gleichermaßen die Leselust wecken.

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