Buch des Monats Mai 2018

Angelica Banks:

Tuesday und der Zauber des Anfangs

Aus dem Englischen von Anke Knefel

magellan-Verlag, 2014, 239 Seiten, Lesealter ab 8, besser  ab 10 – 12 Jahren

Mit dem Buch „Tuesday und der Zauber des Anfangs“ beginnt eine dreibändige Reihe. (Band 2: „Tuesday und der Ruf des Silberfadens“, Band 3: „Tuesday und das Jahr ohne Sommer“)  Hinter dem Autorennamen Angelica Banks stehen zwei australische Schriftstellerinnen: Heather Rose und Danielle Wood. Mit ihrem ersten gemeinsamen Buch haben sie ihrer Liebe zu Büchern einen Ausdruck verliehen.

Tuesday McGillicuddys Mutter ist eine bekannte Kinderbuchautorin, gibt ihre Geschichten jedoch 61Fc2r34BOL._SX348_BO1,204,203,200_unter dem Pseudonym Serendipity Smith heraus, um ihre Familie vor öffentlicher Neugier zu schützen. Sowohl Tuesday als auch ihr Vater wissen, dass sie sich für kreative Denkpausen manchmal länger aus dem Familienleben zurückzieht. Diesmal aber, kurz vor Vollendung ihres Buches, taucht sie gar nicht mehr auf, ist schlichtweg verschwunden. Die Fenster in ihrem Arbeitszimmer stehen weit auf und in ihrer Schreibmaschine steckt ein leeres weißes Papier. Tuesday fühlt sich davon magisch angezogen, setzt sich und beginnt zögernd zu tippen. Plötzlich entschweben die Buchstaben, verwandeln sich in einen hauchzarten Faden und umspinnen ihren Körper. Eine magische Kraft zieht sie durch das Fenster hinaus in die Nacht. Gerade kann ihr Hund Baxterr noch auf ihren Arm springen. Als Tuesdays Vater das sieht, ist er nicht überrascht. Er weiß, eine Geschichte hat seine Tochter gefesselt (wie oft zuvor Tuesdays Mutter) und geleitet sie nun mit Hilfe des Silberfadens an den Ort der Fantasie, an dem alle Geschichten ihren Anfang nehmen. In der Bibliothek aller Bücher der Welt stößt Tuesday auf die ihr bekannten Geschichten ihrer Mutter und taucht in sie ein, weil sie glaubt, sie dort zu finden. Sie durchlebt zahlreiche spannende Abenteuer, auch gefährliche Bedrohungen noch einmal nach. Doch vergebens! – Und je länger ihre Reise dauert, desto größer wird die Sehnsucht nach ihrem Zuhause. Aber wie soll sie zurückfinden? Glücklicherweise kann ihr Vivienne Small, ihre Lieblingsheldin aus den Büchern ihrer Mutter helfen.

Die Autorinnen haben ein zauberhaftes Buch voller Spannung und Ideenreichtum geschrieben. Bestechend die Vorstellung, an einem Silberfaden in das Reich der Fantasie zu fliegen. Das gelungene Buchcover greift diese Idee auf: Ein Scherenschnitt zeigt ein lesendes Mädchen, aus dem Buch entweichen Schmetterlinge, die seine Phantasie anregen. Das gerahmte Bild ist vom geheimnisvollen Dunkel der Nacht umgeben.

Sowohl Tuesday als auch ihrem Hund Baxterr wird von Anfang an die Zuneigung des Lesers/der Leserin gehören und sie zu ihrem Begleiter und Mitstreiter machen. Mit einer lebhaften, begeisternden Erzählweise erschließen die Autorinnen den Kindern mühelos die Vorstellungen ihrer Fantasie.

Das Buch ist sehr vielschichtig aufgebaut. Geübten Lesern wird es aber nicht schwerfallen, sich in den verschiedenen Welten zurechtzufinden.

Unsere Bücher des Monats – Übersicht mit Buchcover

Hier haben wir noch einmal alle unsere Bücher des Monats mit dem Buchumschlag zusammengestellt.

Wenn man auf das jeweilige Buch klickt, kommt man zu unserer Buchbesprechung.

Das Copyright der Cover liegt natürlich beim jeweiligen Verlag.  Wir bedanken  uns ausdrücklich dafür, dass wir die Cover hier zeigen dürfen.

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Ins Blaue hinein  944572-10-9_LuaU_12936_SB_VS_TOM_GATES.IND7

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9783407820273u1_978-3-596-85492-9Ferdi_Lutz_und_ich9783522501422Magic_Cape.inddmit freundl. Genehmigung des Aladin Verlags

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Buch des Monats April 2018

Linnea Svensson: Villa Wunderbar

Ein Waschbär zieht ein

illustriert von Nikolai Renger, 

ab 5 Jahren , Loewe-Verlag, 1. Auflage 2017, 128 Seiten

In der Villa Wunderbar sorgt Henri, ein kleiner verschmuster Waschbär dafür, dass „überhaupt kein Tag wie der andere“ ist.Waschbär

Am laufenden Band überrascht er die Bewohner des Hauses mit seinen ungewöhnlichen Ideen. „ Heute…“, so beginnt denn auch eine jede der 20 Geschichten über die turbulenten Ereignisse um das eigenwillige Haustier.

Mathilda und ihr Cousin Joschi gehen beide in die erste Klasse und wohnen mit ihren Familien sowie Oma Hilde und Opa Günter gemeinsam unter einem Dach. Die Großmutter betreibt ein kleines Café mit einen Waschsalon und dort haben die Kinder in der Trommel einer alten Miele-Waschmaschine das kleine Pelzknäuel gefunden. Alle Hausbewohner sind von Henri entzückt, zumal sich auch noch herausstellt, dass er sprechen kann. Und so sind sie sich einig ihn behalten zu wollen und der Waschbär hat nichts dagegen.

Aber das Tier hat es faustdick hinter den Ohren und weiß seine Interessen zielstrebig zu verfolgen, so tollpatschig und charmant es auch wirken mag. Durch Henris Eingreifen verwandeln sich alltägliche Vorkommnisse in witzige, aufregende Abenteuer, egal, ob er nun Mäusebabys rettet, in Omas Café eine Kuchendiebin aufspürt oder in seiner Miele den Gelderlös aus der Flohmarktkasse wäscht. Mit verständnisvoller Zuwendung versucht die Familie immer, seine Taten einem guten Ende zuzuführen, so dass er zur Einsicht kommt, jedoch sein Gesicht wahren kann.

Sandra Grimm und Ann-Katrin Heger (Linnea Svensson) erzählen auf herzlich liebevolle Weise Geschichten, in denen beispielhaft der zwischenmenschliche Umgang mehrerer Generationen vor Augen geführt wird. Die Texte müssen nicht in der vorgegebenen Reihenfolge gelesen werden. Mit der überschaubaren Länge von 3 – 4 Seiten sind sie gut zum Selberlesen geeignet, bereiten aufgrund der humorvollen Texte aber bestimmt auch einem Vorleser Freude. Fest steht, ein jedes Abenteuer macht Lust auf mehr.

Farbe ins Bild bringt im wahrsten Sinne des Wortes Nikolai Renger. Seine zahlreichen, oft Seiten übergreifenden Illustrationen sind humorvoll, ausdrucksstark und untermalen auf kindgerechte Weise den Textinhalt.

Anfang 2018 erschien bereits ein Folgeband: Villa Wunderbar – Das Apfelfest.

Buch des Monats März 2018

Tom Nicoll: Drachenalarm auf meinem Teller

Mit  Illustrationen von  Sarah Horne

Aus dem Englischen übersetzt von Doris Hummel

arsEdition 2017,  160 Seiten, ab 8 Jahren

Ein Drachengeheimnis  zu wahren ist gar nicht so einfach.product-7371

Diese Erfahrung macht der achtjährige Eric unter anderem, als sein Mini-Drache PingLang in Ermangelung einer Bergziege, seiner Leibspeise, den Pullover seiner Schuluniform zu verspeisen beginnt.

Ping ist ihm in einer Packung Sojasprossen von seiner Freundin Min vom China-Bringdienst unwissentlich ins Haus geliefert worden. Zunächst hält der Junge ihn für ein Werbespielzeug. Überrascht, wie echt er sich anfühlt, stellt er ihn ins Regal. Als der kleine Drache ihn aber anspricht, wird klar: Er lebt! Für Eric steht sofort fest, dass niemand von seiner Existenz erfahren darf. Aber das ist leichter gesagt als getan. Abgesehen von den Dingen, in denen Ping besonders gut ist, bringt er Eric oft in Schwierigkeiten. Immer wieder muss er heikle Situationen einfallsreich umdeuten, aber vernichtete Taktikpläne für ein Fußballspiel, entstanden durch Flammenrülpsen,  lassen sich nur unter größten Anstrengungen erklären. Wie gut, dass Erics liebenswürdig chaotische Eltern (der Vater erfolgloser Fußballtrainer, die Mutter eine in jeder Situation tiefenentspannte Yogalehrerin) vieles nicht so genau nehmen.

Gefahr droht Eric und dem Mini-Drachen von Toby, dem fiesen, unsympathischen Nachbarjungen, der alles daran setzt andere zu drangsalieren und zu übertrumpfen, und daher auch immer das Neueste, Beste und Fortschrittlichste besitzen will. Als er zufällig auf Ping trifft, der wie verabredet regungslos verharrt, ist sein Kommentar: „Ist schon ein ziemlich hässliches kleines Ding, oder? Mir sind riesige Drachen mit Raketenwurf lieber.“

Die Gefahr scheint fürs erste gebannt, aber Eric weiß, dass er mit seinem Geheimnis nicht mehr sicher ist. Er weiht seine Freunde Min und Finn ein, damit sie von nun an gemeinsam für Ping sorgen und ihn vor dem nervigen Toby beschützen.

Das Buch ist aus Erics Sicht geschrieben und für Jungen und Mädchen gleichermaßen geeignet. Der Schreibstil ist altersgerecht und schildert die Charaktere der Handelnden sehr detailliert, besonders das „Ekelpaket“ Toby. Zwischen Ping und Eric gibt es sehr amüsante Dialoge, denn der kleine Drache ist zwar liebenswert, aber auch sehr schlagfertig. Einmal begonnen weckt das humorvolle Buch die Leselust. Der Text ist in 10 Kapitel unterteilt und wird durch zahlreiche witzige Illustrationen aufgelockert.

Zu diesem Buch gibt es zwei Folgebände:   Drachenalarm in meinem Klo   und   Drachenalarm in meinem Rucksack.

Die Bücher des Monats auf einen Blick!

Ein Klick auf den Titel führt zu unserer Buchvorstellung.

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Ackermann, Anja: Emi und Luna. Eine Freundschaft mit Kawumm. Ein Huhn steht kopf

Andres, Kristina: Mucker & Rosine

 Banks, Angelica: Tuesday und der Zauber des Anfangs

Blanvillain, Luc: Tagebuch eines Möchtegern-Versagers

Blazon, Nina: Lillesang

Bertram, Rüdiger: Gegen uns könnt ihr nicht anstinken

Bertram, Rüdiger: Coolman und ich

Biegel, Paul: Die Prinzessin mit den roten Haaren 

Boonen, Stefan: Ein Mädchen, sieben Pfannkuchen und ein roter Koffer

Collins, Suzanne:  Gregor und die graue Prophezeiung

Engström Mikael/Willis, Helena: Ida, Paul und Frankensteins Katze  

Foxley, Janet: Munkel Trogg –  Der kleinste Riese der Welt

Fröhlich, Anja: Lou und Rokko und das Katzenchaos

Helmig, Alexandra: Lua und die Zaubermurmel

Higgins, Chris : Meine lustige Familie

Hub, Ulrich: Füchse lügen nicht

Hula, Saskia: Kaninchentage

Kaster, Armin: Ferdi, Lutz und ich

 Johnson, Pete:   Gut kombiniert, Trottel!  – Das magische Cape

Krohn, Leena: Emil und der Pelikanmann

Lüftner, Kai: Achtung, Milchpiraten – Rache für Rosa

Lütje, Susanne: Pauli Poltergeist – Willkommen in der Villa Funkelstein

Lubar, David: Plötzlich Zombie: So ein Mist!

Ludwig, Sabine:Warum Kater Konrad ins Wasser sprang und eine Maus in die Luft ging

Madden, Deirdre: Tierparadies Emily & Co.

Mason, Simon: Die Quigleys

Morgenroth, Matthias: Freunde der Nacht

Nesbo, Jo: Doktor Proktors Pupspulver

Nicoll, Tom: Drachenalarm auf meinem Teller

Nilsson, Frida: Hedvig! Das erste Schuljahr

Oschmann, Oliver; Witt, Sylvia: Log Out!

Philip,Gillian : Die Geheimnisse von Ravenstorm Island – Die verschwundenen Kinder

Pichon, Liz: Wo ich bin, ist Chaos – aber ich kann nicht überall sein

Reifenberg, Frank M.: Codewort Risiko, Kampf im ewigen Eis

Reschke, Katharina: Morlot – Detektive schlafen nie

Robson, Jenny: Tommy Mütze

Roeder, Annette: Die Krumpflinge – Reihe

Ruhe, Anna: Seeland – Per Anhalter zum Strudelschlund

Schiller, Fabian: Codewort Risiko, Die goldene Stadt im Dschungel

Schlitz, Laura Amy: Clara und die Magie des Puppenmeisters

Schulz, Hermann: Mandela & Nelson. Das Rückspiel

Stewner, Tanya: Alea Aquarius – Der Ruf des Wassers

Svensson, Linnea: Villa Wunderbar- Ein Waschbär zieht ein

Wilk, Janine: Lilith Parker – Insel der Schatte

 Wildner, Martina: Königin des Sprungturms

Weger, Nina: Ein Krokodil taucht ab (und ich hinterher) 

 van de Vendel, Edward: Lena und das Geheimnis der blauen Hirsche

Buch des Monats Februar 2018

Alexandra Helmig:  Lua und die Zaubermurmel

Mit  Illustrationen von Anemone Kloos

mixtvision, gebunden, durchgängig farbig illustriert, 216 Seiten,  ab 9 Jahren 

944572-10-9_LuaLua ist ein „Papakind“.  Zu ihrem Vater hat sie eine besondere Beziehung. Oft wusste er, ob sie wütend oder glücklich war, bevor sie es selbst wusste. Aber nun ist er gestorben und hat damit eine bleierne Traurigkeit in ihr hinterlassen.

Als sie eines Tages im Sand des Spielplatzes eine Murmel findet, glaubt sie, eine Zauberkugel von ihrem Vater im Himmel zugeworfen bekommen zu haben. Von der und einer vermeintlichen Stimme lässt sie sich leiten. So auch, als sie nach einem Streit mit der Mutter wegläuft und in einem kleinen Wäldchen auf einen Wanderzirkus trifft. Kaum zu glauben – der ähnelt genau dem in ihrem Zirkusbuch. Und auch hier gibt es einen Zauberer „Mo“. Als Magier wird er ihren Vater wieder herzaubern können, da ist sich Lua ganz sicher. Aber wie groß ist ihre Enttäuschung, als sie erfahren muss, dass „Mo“ die Zauberkräfte verlassen haben und damit auch die Künste der anderen Artisten schwinden.

Doch Lua gibt nicht auf, getreu ihrer Devise: Man muss nur ganz fest an etwas glauben,dann schafft man es auch. Sie beginnt dem Zauberer zu assistieren und versucht ihm mit den Ratschlägen, die sie von ihrem Vater erfahren hat, zu helfen und sein Selbstvertrauen wieder aufzubauen. Anfangs ist Lua für „Mo“ nur ein Kind, aber bald beginnt er sie zu mögen, setzt sein Vertrauen in sie und erlangt seine magischen Kräfte wieder. Er macht ihr aber auch klar, dass ihm eines nicht möglich ist: Ihren Vater aus der Welt, in der er jetzt lebt, zurückzuholen.

Alexandra Helmig hat ein empfehlenswertes Buch über Hilfsbereitschaft und Vertrauen geschrieben. Aus der Sicht des Mädchens erzählt sie anrührend, wie ein Kind den Verlust des Vaters verarbeitet. Wie es lernt mit seinen Problemen umzugehen und in seinem veränderten Umfeld einen neuen Platz findet.

Die Geschichte überschreitet die Grenze von der Realität zur Fantasie. Die Autorin verzaubert die Leserin/ den Leser mit ihrer ruhigen, bildhaften Sprache und  nimmt sie/ihn mit in Luas Erleben. Man hört förmlich die Zirkusmusik, sieht glitzernde Kostüme,schräge Zwerge und die anheimelnde Zirkusbeleuchtung in der Dunkelheit. Das Eintreten in diese besondere Atmosphäre fängt das Buchcover wunderbar ein. Mit zarten Zeichnungen veranschaulicht Annemone Kloos das Zirkusleben.

Der Text ist klar in übersichtliche Kapitel gegliedert und leicht lesbar.

Buch des Monats Januar 2018

Kristina Dunker:  Ins Blaue hinein Ins Blaue hinein

256 Seiten, Coppenrath Verlag, ab 12 Jahren

„Schwimmen wir weiter?“, frage Merle. „Klar“, sagt Felix und lacht sein Grübchenlachen. „Glück schwimmt oben!“

Diese Sätze offenbaren das unbeschreibliche Gefühl, das die zwölfjährige Merle in diesen Sommerferien erleben darf.

Anfangs sah das anders aus. Wut und Angst bestimmten sie, denn wegen der Schwangerschaft ihrer Mutter wurde der Umzug in eine größere, entferntere Wohnung nötig, was gleichzeitig die Trennung von ihrer Freundin bedeutete. Und dann wurde sie in den Ferien auch noch zu ihren Großeltern in deren Sommerhaus am Waldsee abgeschoben.

Die jedoch lassen von Anfang an bei Merle kein Gefühl des Alleingelassenseins aufkommen. Einfühlsam nehmen sie Anteil an ihren Ängsten, machen ihr Mut und gewähren ihr unbeschwerte Tage. Mit dem Großvater teilt Merle die Liebe zur Sprache. Als begnadeter Erzähler fesselt er sie mit fantasievollen Geschichten vom Königsfisch Günther, einem Riesenwels, der in den Tiefen des Waldsees zu Hause ist. Der Nachbarsjunge Felix gesellt sich als begeisterter Zuhörer zu ihnen und wird alsbald Merles Freund, mit dem sie am See auf Abenteuersuche geht.

Für Merle interessiert sich auch Dana. Nele ist gern mit ihr zusammen, obwohl sie so anders ist als sie. Gleichaltrige Jungen, so auch Felix, tut sie als Kinder ab. Im Gegensatz zu Nele hält sie sich schon für einen Teenager und sucht nach einem „richtigen“ Freund. Das verunsichert Merle. Ist ihre Freundschaft mit Felix Kinderkram oder echt? Die heitere Urlaubsstimmung kippt, als Felix auf Dana eifersüchtig wird. Merle hingegen kann nicht einsehen, dass sie sich zwischen beiden Freunden entscheiden muss.

Der Jugendbuchautorin Kristina Dunker ist in ansprechender Sprache eine feinfühlige Mädchengeschichte über das Erwachsenwerden gelungen. In ihrem Buch fängt sie den Moment ein, in dem die zwölfjährige Merle ihre Sommerferien noch als Kind verbringen kann. Gleichaltrige Leserinnen werden die unbeschwerten Gefühle kennen, die Ferien und Sommerfreundschaften vermitteln.

Das Buchcover fängt diese heitere Stimmung wunderbar ein und lässt einen die Sonne auf der Haut spüren. Es ist ganz praktisch mit einer Umlegeklappe versehen.

Buch des Monats Dezember 2017

Gillian Philip: Die Geheimnisse von Ravenstorm Island –

Die verschwundenen Kinder (Bd.1)

Aus dem Englischen übersetzt von Katrin Segerer

224 Seiten, FISCHER KJB, ab 10 Jahren

Das Titelbild vemittelt einen guten Eindruck von dem skurrilen, imposanten Ort, an dem Molly mit ihrem kleinen Bruder Jack die Sommerferien auf Ravenstorm bei Onkel Bill und Tante Catherine verbringen muss. (Ihre Eltern sind Trickzauberer und machen ihre Sommertournee durch Clubs und Hotels.)u1_978-3-7373-5213-0

Die einsame Insel erweist sich als eine völlig andere Welt. Eine Welt, in der etwas nicht stimmt?

Auf Ravenstorm gibt es keine Kinder, dafür aber lebensecht wirkende Kinder als Steinfiguren. Im Schloss bedient ein furchteinflößender Butler, der den Kindern Kieselstein-Talismane schenkt und ihnen abverlangt, sie zu ihrem Schutz stets bei sich zu tragen.

Mit Molly und Jack ist auch ihr Cousin Arthur auf Ravenstorm eingetroffen. Obwohl anfangs unausstehlich, wird er zu Mollys einzigem Vertrauten und engem Freund. Denn plötzlich ist ihr kleiner Bruder verschwunden. Jacks persönliche Sachen sind unauffindbar und niemand im Schloss, außer Arthur, kann sich an seine Existenz erinnern.

Auf sich selbst gestellt nehmen die Kinder all ihren Mut und ihren Erfindungsreichtum zusammen und begeben sich in Gefahr. Bei ihren fesselnden Suche begegnen sie magischen, verwunschenen, aber auch bösartigen Wesen wie den fiesen Finsterflinks und decken schließlich ein unglaubliches Geheimnis auf.

In Gillian Philips Phantasieroman erleben die Kinder fesselnde Abenteuer und tauchen ein in eine magische Welt. Immer wieder erhöht die Autorin im Verlauf die Spannung, so dass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte.  Ihr guter, genau auf das Lesealter abgestimmte Schreibstil macht das Lesen leicht und die Gliederung in zehn Kapitel gibt der Handlung einen klare Übersicht.

Am Ende des Buches weckt eine Leseprobe Lust auf die Fortsetzung der Geschichte.

Dafür hat Gillian Philips mit mehreren Folgebänden gesorgt:

Bd.2: Das Geisterschiff

Bd.3: Der Mondsteinturm

Bd.4: Der Schattenwald

Bd.5: Der schlafende Drache

Buch des Monats November 2017

Luc Blanvillain: Tagebuch eines Möchtegern-Versagers

Übersetzt von Maren Illinger, 155 Seiten,  FISCHER KJB, Ab 10 Jahren

u1_978-3-7373-4085-4Der zwölfjährige Nils schreibt Tagebuch, weil er keine Freunde hat, mit denen er sich austauschen kann. Er gilt als hochbegabt und ist ungefragt von seinen Eltern auf einem Elitegymnasium angemeldet worden. Seine neuen Mitschüler interessieren ihn kaum. Mona allerdings hat ihn durch ihr geheimnisvolles Lächeln und ihr Hinken neugierig gemacht.

Für die Eltern steht fest, dass ihr Sohn in der neuen Klasse selbstverständlich „Erstbester“ werden muss. Also bedrängen sie ihn zu lernen und beschneiden seine Freizeit. Für Nils steht fest, dass er so nicht weiter leben will. Er wird rebellieren und ihnen den gewünschten Erfolg verweigern, indem er willentlich für schlechte Noten sorgt.

Nils beschreibt eindrücklich und nicht ohne Situationskomik sein Dilemma in der Konstellation von ehrgeizigen Eltern und Lehrern, überforderten Mitschülern sowie seiner pubertierenden Schwester. Beim Lesen offenbart sich, dass es für ihn gar nicht so einfach ist, die Versager-Strategie durchzuhalten. In jedem unkonzentrierten Moment können seine wahren Leistungen durchdringen und ihn auffliegen lassen. Sein Ziel hat er immerhin erreicht: Seine Eltern gewähren ihm mehr Freiraum und sogar seine „nervige“ Schwester hält zu ihm.

Und noch etwas: Er kommt Mona näher! Sie will ihm bei seinen „Schulproblemen“  helfen, indem sie ihm Nachhilfe gibt. Er genießt schlichtweg ihre Nähe und redet über alles Mögliche mit ihr. Gerne würde er ihr offenbaren, dass er gar kein Looser ist, aber weil er weiß, dass Mona Lügen grundsätzlich nicht verzeihen kann, bewahrt er Stillschweigen.

Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Sein Tagebuch mit den intimsten Gedanken über Mona, aber auch über Schulkameraden, Lehrer und Eltern gerät in falsche Hände. Und beim Mathewett-bewerb übertreffen sein richtigen Lösungen die des Gewinners. Nun ist eine Katastrophe vor-programmiert und Nils gerät in Erklärungsnot.

Luc Blanvillain, selbst Lehrer und mit allem Schulischen hinlänglich vertraut, reißt mit der Problematik und dem originellen Verlauf seiner Geschichte den Leser schnell an sich. Nils ist ein Sympathieträger, mit dem er lacht und leidet.

Der Junge schreibt seine Tagebucheinträge in der Ich-Form in unregelmäßigen Abständen. Seine Texte sind humorvoll und amüsant. Besonders die Schockiertheit der Eltern und ihre Hilflosigkeit im Umgang mit der neuen Situation, die sich ihrer Kontrolle entzieht, werden mit Ironie und Sarkasmus dargestellt. In der Sprache ist der Text einfach gehalten und 155 Seiten sind schnell gelesen.

Der Titel legt nahe, dass es sich um ein Jungenbuch handelt. Dem ist nicht so, denn auch Mädchen müssen mit Begabung und Elterndruck fertig werden. An der Freundschaft zwischen Mona und Nils werden sie ebenfalls Gefallen finden. Herrlich beschrieben ist der erste Kuss mit Motorrad-Schutzhelm und dadurch verursachter blutender Nase.