Buch des Monats Februar 2020

Katja Reider: COOL in 10 Tagen

Illustration: Anke Kuhl

Rowohlt Verlag 2019, 176 Seiten, Lesealter ab 10 Jahren

Julis Mutter arbeitet in einer großen Unternehmensberatung als Coach, d.h. sie berät Menschen, denen sie sagt, wie sie erfolgreicher werden können. Da sie viele Tricks kennt, hat sie viele Aufträge. Aber als ihre Großbaustelle scheint sie ihre zehnjährige Tochter zu betrachten, der sie ständig sagt, was sie besser machen könnte.

Als die neuen Mieter mit ihrem Sohn August, der in Julis Alter ist, einziehen, bietet sie ihnen an, ihre Tochter werde sich gerne um ihn kümmern und ihn gleich ein bisschen in ihrem Wohnviertel vernetzen. Die beiden Kinder begegnen sich verlegen. Juli und August in einem Haus…!

August erweist sich als ein zurückhaltender Junge, der sich zu Julis Erleichterung mit Gus anreden lässt. Beide stellen fest, dass sie in ihren Klassen nicht zu den Angesagtesten gehören, weil sie nicht gut kontern können und man sich allenfalls über sie lustig macht. Ob ihnen die von Julis Mutter erarbeitete Broschüre „COOL in 10 Tagen“ helfen könnte, mutiger zu werden? Einen Versuch ist es wert und so übertragen sie gemeinsam die Aufgaben für Erwachsene auf ihr Schülerleben.

Juli beginnt damit, einer Backwarenverkäuferin einfach so ein Kompliment über ihren Butterkuchen zu machen, was bei der aber zu einer eher unwirschen Reaktion führt. Am Ende des Programms ist sie so weit, zwei Mädchen, die gehässig über ihre Mitschülerin Rosa herziehen, energisch und lautstark (cool?) die Meinung zu sagen.

Eigentlich wollten Juli und Gus jeder eine für ihn angemessen schwierige Aufgabe für sich festlegen und sie wollten täglich einander von ihren Erfahrungen berichten. Überschwänglich erzählt Juli ihrem Freund von ihren Erfolgen und bemerkt gar nicht, dass Gus dabei zu kurz kommt, dass sie vor lauter cool werden nicht einmal mehr genau wissen will, was er erlebt hat. Am Ende trifft sie die  bittere Einsicht, dass Coolness nicht nur von einem selbst abhängt, wenn Vertrauenspersonen nicht zu einem stehen, dass Freundschaft sie aber befördern kann.

Katja Reider versucht mit ihrem Buch schüchternen Mädchen und Jungen Mut zu machen, die sich stets anpassen aus der Angst heraus aufzufallen. Dabei erzählt sie eine wirklichkeitsnahe, ehrliche Geschichte, obwohl der Titel „Cool sein“ zunächst eine trendige Story nahelegt. Indem sie Juli als Erzählerin ihrer eigenen Eindrücke und Wünsche auftreten lässt, stellt sie einen engen Leserbezug her. Ihr Mantra:“Was kann mir schlimmstenfalls passieren?“ wird sich ebenso einprägen wie auch die Erkenntnis, dass manche Menschen gar kein Bedürfnis nach übersteigerter Aufmerksamkeit haben.

Der Text ist flüssig geschrieben und gliedert sich in 14 Kapitel. Viele Textpassagen lassen einen schmunzeln, besonders Julis Mutter wird sehr witzig beschrieben.

Anke Kuhl illustriert humorvoll die zentralen Szenen in Schwarz-Weiß-Zeichnungen.