Buch des Monats Januar 2020

Oliver Scherz:  Ein Freund wie kein anderer

Illustriert von Barbara Scholz, Thienemann-Verlag, 2018, ab 6 Jahre,

128 Seiten

Bevor die Erdhörnchenmutter Hieme ihre Kinder auf die tägliche Vorrats-Futtersuche schickt, schärft sie ihnen ein, nicht die gewohnten Wege zu verlassen und sich bei Gefahr rechtzeitig vor ihren zahlreichen Feinden in Sicherheit zu bringen. Während Hebbe artig der Mutter folgt, macht sich sein großer Bruder Habbi aus dem Staub. Er ist neugierig und will etwas erleben. Das hier ist ihm einfach zu langweilig.

Am Ende ihres Waldes gerät er auf ein Geröllfeld, rutscht den Steinhang hinunter  und prallt auf etwas Weiches: ein großes Tier mit dichtem grau-schwarzen Fell, reglos und teilweise verschüttet von Felsbrocken. Angsterfüllt jagt Habbi zurück in seinen Wald. Er ist seinem ärgsten Feind, dem Wolf, begegnet. In der Nacht verdrängt Mitleid seinen Schreck. Immerhin ist das Tier schwer verletzt! Entgegen seiner Angst macht Habbi sich am nächsten Tag heimlich auf den Weg um den Wolf, er heißt Yaruk, unter größter Vorsicht von den Steinen zu befreien. Allmählich lernen sie einander kennen und vertrauen, so dass Yaruk am Ende seine Ernährung sogar auf Erdhörnchen-Kost umstellt (von Habbi herbeischafft), damit er wieder zu Kräften kommt. Das kleine Erdhörnchen gibt damit dem eigentlich zum Sterben bereiten Wolf neuen Lebensmut, denn nur als gesundes Tier wird sein Rudel ihn wieder dulden.

Hier könnte die anrührende Geschichte enden, doch jetzt entfaltet sie erst ihre eigentliche Spannung und Dramatik. Habbis Familie und die anderen Waldtiere erfahren von der besonderen Freundschaft und sind außer sich: „Ein Wolf ist niemals unser Freund. Merk –es – dir!“ Aus der Angst heraus, der Wolf könnte nun ein Tier nach dem anderen aus ihrem Wald reißen, erwächst eine rabiate Aggressivität, die Habbi in eine bedrohliche Krise treibt. Doch allen Anfeindungen zum Trotz steht er zu Yaruk und flieht mit ihm in eine entferntere Schlucht. Der herannahende Winter lässt alle Widerstände erlahmen. Schließlich ist Habbi ein Bodentier und kann Schnee und Kälte nur unter der Erde überleben. Dann aber wird der Frühling kommen und diese Gewissheit lässt die Freunde eine Verabredung treffen. (Hier schließt ein zweiter Band an „Im Tal der Wölfe“ an.)

Oliver Scholz berichtet in seinem Buch über eine außergewöhnliche Freundschaft, die sich mutig gegen alle Vorurteile durchsetzt. Der Text erzählt das Geschehen aus der Sicht des kleinen eigenwilligen Erdhörnchens Habbi, das man als Leser/in sofort ins Herz schließt, weil es auch gegen Widerstände für die Dinge eintritt, die ihm wichtig sind.

Barbara Scholz`Bilder bringen sowohl gefühlvoll anrührende als auch aufregend spannende Emotionen der Tiere zur Geltung. Mit aufgesperrten Augen oder menschlich grimassierend (Zorn der Waldbewohner) verstärken sie die Textbotschaft ebenso intensiv wie die zahlreichen, eher sparsamen Illustrationen von Habbi und Yaruk. (Buchcover)

Das Buch ist auf hochwertigem festem Papier in großer Schriftgröße gedruckt. Es ist in überschaubare Kapitel gegliedert und eignet sich daher bestens als Einstieg zum Selberlesen. Empfohlen werden soll es hier als ein wunderbares Vorlesebuch für Jungen und Mädchen, mit dem man es sich gemütlich machen und es gleich noch einmal von vorne lesen kann, weil es so gut geschrieben ist.