Buch des Monats Februar 2019

Anu Stohner: Gretas Ferien

Illustrationen von Hildegard Müller
dtv – Reihe Hanser 2015, 128 Seiten, Lesealter ab 9 Jahre

Auch wenn das Buchcover es nahe legt, „Gretas Ferien“ ist kein Buch für Pferdefreunde. Die etwa neunjährige Greta und ihre 15-jährige Schwester Julia nähern sich in ersten pubertären Regungen vielmehr dem Jungengeschlecht an und testen aus, was Verliebt sein bedeutet.

Das gebuchte familienfreundliche Hotel „Alpenblick“ enttäuscht nicht nur Julia, die keinen „Kinderurlaub“ mehr machen will, in ihren Erwartungen. Das Gebäude sieht wie ein in die Jahre gekommenen Spukschloss aus und zum Empfang öffnet ihnen erst nach längerem Klopfen ein zerzauselter Greis, der brummend ohne nähere Erklärung die Zimmerschlüssel übergibt. Der nächste Tag bringt weitere enttäuschende Überraschungen. Die meisten Kinder unter den Gästen sind „Pupsies“ (also jünger) und das Reitvergnügen hält sich in Grenzen: Für 13 Kinder steht nur ein Pferd zur Verfügung, und das ist auch noch alt und müde. Der Swimmingpool ist viel zu klein, also lediglich zum Planschen geeignet. Verständlich, dass sich die Schwestern dann lieber für „süße Typen mit Sonnenbrille“ interessieren.

Greta findet an dem finnischen Jungen Timo Gefallen. Er war schon mehrmals Gast in dem Hotel und weiß, dass in den alten Gemäuern „Fräulein Triezitas“ spukt. Um ihr Vertrauen zu gewinnen, weiht er Greta in sein Geheimnis ein. Er gehört dem Club der Geisterjäger an und will sie ebenfalls als Mitglied gewinnen. Zwar muss sie eine Mutprobe bestehen, aber Timo wird ihr zur Seite stehen und ihr helfen. So werden für Greta aus den sich enttäuschend anlassenden Ferien doch noch interessante, spannende Tage.

Gretas Erlebnisse vermittelt die Autorin dem Leser über SMS-Mitteilungen zwischen ihr und der Freundin Nina. Das Buch suggeriert also, es handele sich dabei um einen Chat. Stilistisch wirkt das sehr konstruiert, vor allem in Phasen ständiger gegenseitiger kurzer Texte, oft nur in Form von Ausrufen, Emojies oder überschwänglichen Grüßen. Der lockere Erzählfluss der annehmbaren Handlung wird damit ausgebremst und erlangt erst wieder Interesse, wenn Erlebnisse und Abläufe länger und ausführlicher dargestellt werden. Formal handelt es sich bei diesen Texten dann eigentlich um Briefe. Auch die durch Illustrationen eingeleiteten Kapitel stehen im Widerspruch zu digitaler Verständigung.

Der Verlag weist für dieses Mädchenbuch ein Lesealter ab 7 Jahren aus. Die Leser sollten aber, wie oben vorgeschlagen, älter sein. Einmal, weil sie dann schon über Erfahrungen mit Whattsapp verfügen, zum anderen weil ihnen das Schwärmen für Jungen erst dann so richtig emotional nahe liegt.