Buch des Monats Dezember 2019

Louise Galveston:

Der (überhaupt gar nicht) allmächtige Todd

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Manuela Knetsch & Ina Lutterbüse,

Kosmos-Verlag, 2017, 267 Seiten, Lesealter ab 10 J.

Der zwölfjährige Todd Podecker hält nichts davon sein Zimmer aufzuräumen. Und so hat er, ohne davon zu wissen, unter seinem Bett ein Volk ameisengroßer Menschen herangezüchtet. Die kleinen Wesen sind dort gut versorgt, denn sie leben von Staub, Schmutz, Schweiß und Hautschuppen. Als Delikatesse verspeisen sie Zehennagelbrötchen mit Hautschuppenaufstrich.

Als Todds Mutter ihrem Sohn entnervt zwingt aufzuräumen, schaut Todd zuerst einmal unter sein Bett und staunt nicht schlecht. Dort blitzt es wieder und wieder. Eine elektronische Entladung? Mit Lucy, einem aufgeweckten Mädchen aus der Nachbarschaft, untersucht er das Phänomen. Unter ihrem Mikroskop entdecken sie eine Gruppe von winzig kleinen Menschen, die sich aufgeregt bewegen und auf unverständliche Art und Weise verständigen. „Todd Podecker, … Du hast durch pure Widerlichkeit Leben erschaffen!“, staunt Lucy atemlos und erklärt ihm, dass von nun an die „Toddlianer“ sein Volk sind und er für sie sorgen muss.

Leider gelingt es Todd nicht, sich fürsorglich und verantwortungsvoll zu zeigen. Bei einem naturwissenschaftlichen Schulprojekt kann er der Verlockung nicht widerstehen, mit Max, dem Anführer der angesagten Zoo-Gang, eine Gruppe zu bilden. Der verspricht sich nur eine gute Zensur ohne nennenswerte Leistung, indem er Max´ “Insektenmenschen“ skrupellos vorführt. Für Todd ist die Verlockung, endlich zu den „coolen“ Kids zu gehören so groß, dass er sich seinem Willen beugt. Lucy und seinen Freund Duddy, einen kindlichen Comic-Nerd, wie er eigentlich auch, lässt er fallen.

Die Geschichte beschäftigt  sich intensiv mit dem Thema Mobbing, aber auch mit Mut. Sie zeigt, wie sehr die Aussicht, endlich nicht mehr gedemütigt zu werden und nicht mehr als Loser gelten zu müssen, einen Menschen erpressbar macht. Für Todd zieht sich der  Prozess bis zu dieser Erkenntnis sehr lange hin. Sein mangelndes Durchsetzungsvermögen wirkt enttäuschend, zumal seine „Toddlianer“ ihn als allmächtig ansehen und von ihm Hilfe erwarten. Letzlich sind es Todds „wahre“ Freunde, die ihm helfen und ihn ermutigen, die Spirale der Abhängigkeit zu durchbrechen und wieder er selbst zu sein.

Den Ernst der Handlung unterbrechen kursiv gedruckte Erzähleinschübe. Lewis, der älteste „Toddlianer“, und seine temperamentvolle Frau Persephone berichten ihren Kindern lebhaft von der  Bedrohung durch Max und ihre gelungene Rettung. Beide liefern sich in ihrer flapsigen Sprache  einen humorvollen Schlagabtausch. („Lewis, du Kojotenhintern, wie oft soll ich dir noch sagen, dass du mich nicht Großmutter nennen sollst…“)

Der Text der Geschichte ist in 29 Kapitel gegliedert und gut zu lesen. Die unterhaltsame, abwechslungsreiche Erzählweise trifft bestimmt den Geschmack der jugendlichen Leser. Das Buchcover ist bis auf die Schrift des Titels dunkelgrau und damit recht dunkel gehalten. Socken und „Toddlianer“ sind erst bei sehr genauem Hinsehen erkennbar. Näheren Aufschluss gibt einem das Backcover mit einer Anleitung zur Zucht von 50 ameisengroßen Wesen. Die lockern als Miniaturzeichnungen, angelehnt an Kapitel- und Seitenzahlen, die Buchseiten auf.