Buch des Monats April 2019

 Philip Ardagh: Familie Grunz hat Ärger

Übersetzt von Harry Rowohlt , Illustrationen von Axel Scheffler

Beltz & Gelberg Verlag 2014, 237 Seiten, Lesealter ab 9 Jahre

Herr und Frau Grunz sind so gruselig, dass sich ihr Kind “Sohnemann“ zu Recht fragt: Sind das meine richtigen Eltern? Die beiden sind streitsüchtig und haben keine Manieren, sie sind dumm, dreckig und bemühen sich in keiner Weise den Jungen zu erziehen, behandeln ihn vielmehr unfreundlich und grob.

Sohnemann hingegen lässt sich davon in seinem Verhalten nicht beirren. Er ist ein freundliches Kind, das Herr Grunz eines Tages einfach von einer Wäscheleine geklaut hat, um es seiner Frau zu schenken. Große Muttergefühle entwickelt die nicht: Sie steckt ihn in ein von ihr blau eingefärbtes Mädchenkleid und geht davon aus, dass er selber für seine Ernährung sorgt. Essen vom Straßenrand, Haferbrei mit totem Dachs oder Autoreifen mit Salz und Pfeffer (Olchis …) bekommt Sohnemann nämlich nicht herunter.

Familie Grunz bereist mit einem selbst gebastelten, baufällig wirkenden Wohnwagen die Landstraßen, indem sie sich von den Eseln Klipp und Klapp, die Sohnemann versorgt, ziehen lässt. Weil die beiden altersschwach sind, plant Herr Grunz von einer Ex-Zirkustruppe einen Ex-Zirkuselefanten zu kaufen. Zu diesem Zweck führt sie der Weg zum Anwesen der Familie v. Guuth.

Herr v. Guuth hatte sein Vermögen auf betrügerische Weise verdient. Die von ihm hergestellten Metallgitter verloren nach einer bestimmten Zeit ihre Standfestigkeit. Auch der Zirkusdirektor Harry Schlecht war von ihm hereingelegt worden. Bis auf einen Elefanten waren ihm fast alle Zirkustiere entlaufen und daher wurde er arbeitslos. Es kommt ihm gelegen, dass die Grunzens Interesse an seinem Elefanten haben. Da sie nicht über Bargeld verfügen, schlagen sie ihm ein Tauschgeschäft vor: Elefant gegen Dynamitstangen. Harry Schlecht sinnt nämlich auf Rache, doch er hat seinen Plan ohne die  Grunzens gemacht. Die betrügen ihn ebenfalls ohne Not und geben der Geschichte eine unerwartete Wendung.

Philip Ardagh schildert die Handlung mit absurdem Witz. Das chaotische, irrationale Verhalten aller Beteiligten wird Kindern ebenso gefallen wie die ausgeprägt schrägen Charaktere. In dem ganzen Wahnsinn verhält sich nur Sohnemann normal und sorgt für Ausgleich. Das Geschehen entwickelt sich nicht linear, sondern folgt spontanen Anlässen. Den Text  durchziehen kreative Sprachspiele und aberwitzige Dialoge.( Allein die Streitereien der Eltern Grunz bereitet uneingeschränkt Vergnügen.) Die oft langen zusammengesetzten Wörter sind nicht leicht zu lesen, weshalb ein Lesealter von 9 Jahren anzuraten ist.

Philip Ardaghs  Buch ist von Harry Rowohlt gelungen übersetzt und auch als Hörbuch mit einprägsamer Stimme eingelesen worden. Axel Scheffler (Grüffelo) liefert humorvolle, textbegleitende Illustrationen (mit den beliebten Knollennasen und Kulleraugen).

Zu dem vorliegenden Buch gibt es zwei Folgebände:

  • Familie Grunz gerät ins Schwimmen, 2014
  • Familie Grunz in der Bredouille, 2016