Buch des Monats Juli 2019

Paul Maar:

Snuffi Hartenstein und sein ziemlich dicker Freund

Illustriert von Sabine Büchner

Oetinger – Verlag, 80 Seiten, Hamburg 2018

Lesealter 6 – 8 Jahre, womöglich schon ab 5 Jahre

Snuffi ist ein fröhlicher, witziger Hund. Er darf sogar den Namen seines Herrchens tragen: Hartenstein. Niko Hartenstein und er „gehören einfach zusammen“. Was haben sie nicht alles gemeinsam gemacht! Komisch nur, dass weder Nikos Eltern, noch seine Lehrerin oder seine Mitschüler Snuffi sehen können. Man ahnt – er ist nur ein vorgestellter Hund…  Eines Tages kommt Ole neu in die Klasse, setzt sich neben Niko und wird bald Nikos Freund. Snuffi findet immer weniger Beachtung, bis sein Herrchen ihn schließlich wegschickt.

Viele Kinder pflegen imaginäre Freundschaften, geben sie aber nach einer begrenzten Dauer wieder auf. Paul Maar hat in seinem Buch darüber nachgedacht, wie es den zurückgelassenen Freunden, hier den Tieren, dabei geht. Seine tröstliche Botschaft, auch im Nirgendwo einer fiktiven Welt kann man neue Freunde finden.

Ole hat ebenfalls an seinem unsichtbaren Begleiter, einem dicken Mops, das Interesse verloren und setzt ihn dem gleichen Schicksal aus wie Niko Snuffi. Im Nirgendwo begegnen sich die beiden Hunde, freunden sich an, sind jedoch besorgt, dass es sie nun gar nicht mehr gibt. Aber der Mops, den Snuffi Mucki nennt, zerstreut diese Besorgnis. Als Snuffi ihn fragt, ob er ihn sehen kann, bejaht Mucki. “Wenn du mich sehen kannst, muss es mich auch geben“, jubelt da Snuffi. Sie begreifen, dass  sie diese andere Welt mit ihren Vorstellungen gestalten können und richten sich gemütlich ein. Bald schleicht sich jedoch die Sehnsucht nach ihren Freunden ein. Und so gehen die beiden auf Anraten eines Zwerges einfach in die Menschenwelt zurück, um zu testen, ob die Freunde sich ihnen vielleicht wieder zuwenden, sprich sie sehen würden.

Sie werden enttäuscht. Doch die Geschichte hat natürlich ein Happy End. Denn immer gibt es weitere Kinder, die einen Hund haben möchten, denen dieser Wunsch aber versagt wird, und die sich daher einen Hund oder vielleicht sogar zwei vorstellen, die dann Snuffi Benker und Mopsi Benker heißen.

Dem vielfach ausgezeichneten Kinder- und Jugendbuchautor Paul Maar (Der tätowierte Hund, Lippels Traum, …) ist es wunderbar gelungen deutlich zu machen, dass man Freunde zwar verlieren und darüber traurig sein kann. Wenn man sich bemüht, kann man sich jedoch neu anfreunden. Denn es wird immer  auch jemanden anderen geben, der einen Freund braucht.

Der Autor erzählt in kurzen, kindgemäßen  Sätzen.  Der Text ist wie in Fibeln bzw. Erstlesebüchern gesetzt und lässt die Seiten  durch knappe Texte sehr übersichtlich erscheinen. Die Illustratorin Sabine Büchner verfährt ebenso, indem sie die farbigen, anregenden Bilder zumeist auf weißem Grund abbildet. Besondere Gestaltungsmerkmale tragen zur Orientierung im Text bei (Irgendwo? Nirgendwo?): Knappe Sprechblasen ordnen die Texte Personen zu und lockern die Seiten auf. Besondere Abschnitte der Handlung sind auf farbigen Seiten dargestellt. Hellblaue Schattenrisse weisen die imaginären Tiere aus.

Sabine Büchner illustriert klar und  übersichtlich, nicht ohne Liebe zum Detail. Über  Snuffis  Mimik und Körperhaltung muss man einfach schmunzeln und Mops Mucki als Gegenspieler erfreut den Betrachter einfach dadurch, dass er klein, rund und unbeweglich ist.

Snuffi Hartenstein ist ein sehr gutes Buch zum ersten Selberlesen. Jüngeren Kindern wird ein Vorleser helfen, die zahlreichen humorvollen Einzelheiten von Text und Bild zu entdecken, aber auch die Abstraktion der Handlung zu verstehen. In jedem Fall ist das Buch empfehlenswert.

P.S.: Leider sind beim Druck die Seiten 56 bis 59 nicht richtig gesetzt. Auf Seite 59 ist auch die Sprechblase abgeschnitten.