Buch des Monats November 2017

Luc Blanvillain: Tagebuch eines Möchtegern-Versagers

Übersetzt von Maren Illinger, 155 Seiten,  FISCHER KJB, Ab 10 Jahren

u1_978-3-7373-4085-4Der zwölfjährige Nils schreibt Tagebuch, weil er keine Freunde hat, mit denen er sich austauschen kann. Er gilt als hochbegabt und ist ungefragt von seinen Eltern auf einem Elitegymnasium angemeldet worden. Seine neuen Mitschüler interessieren ihn kaum. Mona allerdings hat ihn durch ihr geheimnisvolles Lächeln und ihr Hinken neugierig gemacht.

Für die Eltern steht fest, dass ihr Sohn in der neuen Klasse selbstverständlich „Erstbester“ werden muss. Also bedrängen sie ihn zu lernen und beschneiden seine Freizeit. Für Nils steht fest, dass er so nicht weiter leben will. Er wird rebellieren und ihnen den gewünschten Erfolg verweigern, indem er willentlich für schlechte Noten sorgt.

Nils beschreibt eindrücklich und nicht ohne Situationskomik sein Dilemma in der Konstellation von ehrgeizigen Eltern und Lehrern, überforderten Mitschülern sowie seiner pubertierenden Schwester. Beim Lesen offenbart sich, dass es für ihn gar nicht so einfach ist, die Versager-Strategie durchzuhalten. In jedem unkonzentrierten Moment können seine wahren Leistungen durchdringen und ihn auffliegen lassen. Sein Ziel hat er immerhin erreicht: Seine Eltern gewähren ihm mehr Freiraum und sogar seine „nervige“ Schwester hält zu ihm.

Und noch etwas: Er kommt Mona näher! Sie will ihm bei seinen „Schulproblemen“  helfen, indem sie ihm Nachhilfe gibt. Er genießt schlichtweg ihre Nähe und redet über alles Mögliche mit ihr. Gerne würde er ihr offenbaren, dass er gar kein Looser ist, aber weil er weiß, dass Mona Lügen grundsätzlich nicht verzeihen kann, bewahrt er Stillschweigen.

Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Sein Tagebuch mit den intimsten Gedanken über Mona, aber auch über Schulkameraden, Lehrer und Eltern gerät in falsche Hände. Und beim Mathewett-bewerb übertreffen sein richtigen Lösungen die des Gewinners. Nun ist eine Katastrophe vor-programmiert und Nils gerät in Erklärungsnot.

Luc Blanvillain, selbst Lehrer und mit allem Schulischen hinlänglich vertraut, reißt mit der Problematik und dem originellen Verlauf seiner Geschichte den Leser schnell an sich. Nils ist ein Sympathieträger, mit dem er lacht und leidet.

Der Junge schreibt seine Tagebucheinträge in der Ich-Form in unregelmäßigen Abständen. Seine Texte sind humorvoll und amüsant. Besonders die Schockiertheit der Eltern und ihre Hilflosigkeit im Umgang mit der neuen Situation, die sich ihrer Kontrolle entzieht, werden mit Ironie und Sarkasmus dargestellt. In der Sprache ist der Text einfach gehalten und 155 Seiten sind schnell gelesen.

Der Titel legt nahe, dass es sich um ein Jungenbuch handelt. Dem ist nicht so, denn auch Mädchen müssen mit Begabung und Elterndruck fertig werden. An der Freundschaft zwischen Mona und Nils werden sie ebenfalls Gefallen finden. Herrlich beschrieben ist der erste Kuss mit Motorrad-Schutzhelm und dadurch verursachter blutender Nase.

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