Buch des Monats März 2017

Sabine Ludwig:

Warum Kater Konrad ins Wasser sprang und eine Maus in die Luft ging

Illustrationen von Astrid Henn,   160 Seiten,   ab 8 Jahren, cbj 2016

In ihrer humorvollen Geschichte über Kater Konrad vermenschlicht Sabine Ludwig die Katzen. Diese leben in Häusern, in Familien und anstatt Mäuse zu jagen, kaufen sie die Tiere als Wurst oder Gehacktes in einer Fleischerei. Ihre Kinder warnen die Katzen vor den bösen Hunden, die jenseits des Flusses leben.

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Konrad hat eine überfürsorgliche Mutter, die ihm keinen Freiraum gönnt und ihm den Ranzen hinterherträgt. Für seine Mitschüler Kurt und Kasper immer wieder ein Anlass, ihn „Mamakätzchen“ und „Hosenscheißer“ zu rufen und ihn zu drangsalieren. Verständlich, dass sich der kleine Kater daher am liebsten in die spannenden Geschichten seiner Bücher flüchtet.

Doch eines Tages erfährt sein Leben eine abenteuerliche Wende. Gerade will er hungrig in sein Pausenbrot beißen, als ein Stimmchen ruft: „Friss mich nicht!“ Bei genauerer Untersuchung stellt er fest, der Brotbelag, eine dicke Hafermastmaus, hat gesprochen; scheint offensichtlich lebendig zu sein. Angeekelt wirft Konrad das Brot in den Mülleimer auf dem Schulhof. „Er kann doch keine lebende Maus fressen! Das haben seine Vorfahren vor hundert Jahren gemacht!“ – „Wer das Brot nicht ehrt, ist die Maus nicht wert!“, schimpft da Herr Katzkowski, Konrads Lehrer. Kleinlaut nimmt der kleine Kater das Brot  wieder an sich.

Nach Schulschluss öffnet er vorsichtig die Dose in der Hoffnung, die Maus sei nun tot. Doch die beschwert sich äußerst lebendig über die schlechte Behandlung, hängt sich auf Schritt und Tritt an ihn und will von nun an „Marie Antoinette“ (Thema des Geschichtsunterrichts) genannt und königlich behandelt werden.

Auch wenn es zunächst nicht danach aussieht: Hier beginnt eine reizende Freundschaftsgeschichte, die durch komische und witzige Dialoge zwischen Kater und Maus unterhaltsam zu lesen ist. Konrad lernt sich und die Welt besser kennen und begreift, dass sich manche Behauptungen als Vorurteile erweisen. Marie Antoinette reißt ihn in ein großes Abenteuer: Aus „Konrädchen“ wird selbst-bewusst Konrad. Und so springt er in den verbotenen Fluss, obwohl Katzen eigentlich nicht schwimmen können und seine Freundin wirbelt durch die Luft, obwohl Mäuse nicht fliegen können. Als sie schließlich am Nachbarufer bei den Hunden landen, machen sie eine überraschende Erfahrung.

Der Text liest sich leicht und überrascht immer wieder mit absurden Situationen und Sprachwitz. Bestimmt ist er zum Vorlesen bestens geeignet.

Astrid Henn interpretiert die Handlung textnah in unterschiedlichen Bildformaten. Besonders gelungen sind die zarten, ausdrucksstarken Mäusedarstellungen: Marie Antoinette mit Klimperaugen und rotem Kussmund.

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