Kategorie-Archiv: Buch des Monats

Buch des Monats Februar 2017

Tanya Stewner:  Alea Aquarius – Der Ruf des Wassers

318 Seiten, ab 10 Jahren, Oetinger Verlag, 2015

9783789147470

Das Buch ist der erste Band einer Meermädchen- Abenteuer-Serie.  ( Bd.2: Die Farben des Meeres,  Bd.3: Das Geheimnis der Ozeane)

Die elfjährige Alea droht alles zu verlieren, denn die von ihr sehr geliebte Pflegemutter Marianne hat einen Herzinfarkt erlitten und kann sich nicht mehr ausreichend um sie kümmern. Das Jugendamt wird sie einer neuen Pflegefamilie zuweisen, aber wie soll sie ihr Geheimnis bewahren?

Alea leidet an einer Allergie, die Hautveränderungen hervorruft und schlimmstenfalls beim Kontakt mit kaltem Wasser tödlich sein kann. Das jedenfalls hat Aleas leibliche Mutter Marianne anvertraut, als sie ihr an einem Strand in Holland den Säugling in den Arm drückte und einfach verschwand.

Im Moment tiefster Niedergeschlagenheit setzt sich das Mädchen an die Anleger im Hamburger Hafen. Dieser Ort vermittelt ihr trotz der Nähe zum Wasser ein Gefühl von Zuhause. Gerade legt ein uriges abgewracktes Segelboot, die CRUCIS, an. Alea beobachtet, wie ihm zwei Jugendliche und ein kleiner Junge entspringen. Zufällig treffen sie in einem Café aufeinander und erzählen ihr, dass sie sich mit Straßenmusik das nötige Geld verdienen, um dann mit dem alten Schiff nach Lust und Laune durch die Meere zu schippern. Nett sind die drei: der schon erwachsene charmante Ben, sein quirliger, begeisterungsfähiger kleiner Bruder Sam und Tess, die hervorragend singen kann und sich  der Musik wegen den Brüdern einfach angeschlossen hat.

Da Alea ihre Situation sowieso für aussichtslos hält, kann sie auch gleich gegen alle Vernunft han-deln. Sie, die Nichtschwimmerin und Allergikerin, wird Mitglied der Alpha Cru (Bandenname Alea AQUARIUS = Wassermann) und macht sich mit den Freunden gemeinsam auf den Weg nach Holland, um dort nach ihrer leiblichen Mutter zu forschen. Dem Sog des Meeres folgend, den sie fühlt, seit sie denken kann, geht sie bei einem Sturm über Bord und macht eine fantastische Erfah-rung (s. Buchcover): Jetzt kennt sie ihr wahres Geheimnis.

Die Geschichte lebt nicht nur von den spannenden, dramatischen Abenteuern, die die Gruppe be-steht, sondern auch von der sympathischen Beschreibung ihrer Mitglieder. Jeder, auch der später hinzukommende Lennox, ist auf seine Weise interessant, liebenswert, aber auch verletzlich und bemüht, sein persönliches Geheimnis nach Möglichkeit zu bewahren. Jeder aber steht für den an-deren ein und so werden die Freunde für Alea zu ihrer neuen Familie.

Die Handlung wird lebendig und locker beschrieben und liest sich hintereinander weg. Obwohl das Buch vom Cover eher nach einem Mädchenbuch aussieht (Glitzer!), ist es für Jungen gleichermaßen geeignet. Denn auch der geheimnisvolle Lennox scheint einbezogen zu sein in das Geheimnis des Meeres, vor allem spürt er Alea genüber eine besondere Nähe.

Da möchte man sofort nach dem 2. Band greifen.

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on TumblrEmail this to someonePrint this page

Buch des Monats Januar 2017

Rüdiger Bertram  –  Gegen uns könnt ihr nicht anstinken

Mit Illustrationen von Thorsten Saleina,  204 Seiten, ab 8 Jahren, cbj Verlag, 2016

Stinktier Co - Gegen uns koennt ihr nicht anstinken von Ruediger BertramZora freut sich darauf, endlich mit den coolen Mädchen ihrer Klasse abhängen zu können, wenn sie 10 Jahre alt ist. Doch am Morgen des ersehnten Geburtstages traut sie ihren Augen nicht. Auf ihrer Bettdecke sitzt ein sprechendes, vorwitziges Stinktier, das behauptet, von nun an ihr ständiger geheimer Begleiter zu sein; ein Totemtier sozusagen mit dem unangesagten Namen Dieter.

Als Zoras ältere Schwester und ihr Vater in Begleitung von einem Zebra und einem Eisbären zum Gratulieren erscheinen, ahnt Zora, dass das mit den Tieren wohl eine Familiengabe zu sein scheint. Nur Menschen, die ebenfalls ein magisches Tier haben, können diese sehen.

In der Schule bemerkt sie zu ihrer Überraschung, dass weitere  Kinder ihrer Klasse Begleiter haben, nur sind diese schön und sanft . Enttäuscht fragt sich sich, warum ausgerechnet sie sich mit einem grässlichen Stinktier abgeben muss. Für die eingebildetet Jessica und ihre Clique natürlich ein Grund mehr,  Zora und ihre Freunde herabzusetzen, die allenfalls eine hyperaktive Ratte und ein schläfriges Faultier zu bieten haben. Doch sie haben die Rechnung ohne den kampfeslustigen, selbstbewussten Dieter gemacht. Entschlossen sich zu wehren, gründet er mit den Freunden den „Club der doofen Tiere“ und scheut nicht davor zurück, notfalls seinen eigenen Gestank als Geheimwaffe einzusetzen. Bald erkennen die Kinder, welche Stärke ihnen ihre Freundschaft verleiht und fühlen sich nicht mehr als gemobbte Außenseiter. Gegen sie kann niemand mehr „anstinken“.

Schon das Buchcover weckt Leselust, zeigt es doch die vermeintlichen Looser in vergnügter Aktion. Thorsten Saleina hat zahlreiche Schwarz-Weiß-Illustrationen in den Text eingestreut, die die Empfindungen der handelnden Personen in wunderbar vielsagenden Gesichtsausdrücken wiedergeben.

Dieter, das Stinktier, erobert mit  seinem provokanten Einfallsreichtum nicht nur Zoras Herz, sondern wird auch die Leser begeistern. Unabhängig von den ernsten Themen im Hintergrund der Erzählung (Ausgrenzung, Vorurteile, Selbstwertverlust) werden sie sich in erster Linie an einer fantastischen Geschichte voller Sprachwitz erfreuen und mit den Clubmitgliedern die Schadenfreude teilen.

Der Text ist einfach zu lesen und in kurze überschaubare Kapitel geliedert. Besstimmt ist er auch sehr gut zum Vorlesen geeignet.

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on TumblrEmail this to someonePrint this page

Buch des Monats Dezember 2016

Katharina Reschke

Morlot – Detektive schlafen nie

Mit Illustrationen von Gerda Raidt

222 Seiten, ab 10 Jahren,  Boje Verlag, 2014

Reschke_Morlot_final.inddMit „Morlot“ hat Katharina Reschke einen abenteuerlichen Kinderkrimi geschrieben, der Jonathan, den 12-jährigen Hauptakteur vor die Frage stellt, ob es möglich ist, dass man mit seiner Fantasie eine wirkliche, andere Welt schaffen kann.

Seit 12 Jahren erfindet seine Mutter düstere Geschichten um den Detektiv Morlot (Buchcover) in immer neuen Fortsetzungen. Ihre Arbeit als Schriftstellerin ist ihr das Wichtigste. So kommt Jonathan oft zu kurz und muss mit nicht eingehaltenen Verabredungen leben. Doch diesmal wird es anders sein: Für Mutter und Sohn liegen Flugtickets nach Bali bereit, ohne Rücktritt gebucht. Dem ersten Urlaub seit Jahren steht nichts mehr im Weg.

Wenige Stunden vor der Abreise jedoch ist Jonathans Mutter unauffindbar! Verschwunden! –  In seiner Not liest Jonathan ihr letztes unfertiges Manuskript und kann es nicht fassen. Hat sich seine Mutter etwa selbst in die Geschichte geschrieben und zum Akteur gemacht? Steckt Morlot wohlmöglich hinter dem Verschwinden seiner Mutter? Der Junge beginnt sich mit der Welt des Krimis auseinanderzusetzen und unter größter Fantasieanstrengung gelingt es ihm, selbst in die Handlung und in die Krimiwelt einzusteigen. Dicke Nebelschwaden leiten in die graue, triste Welt der Kriminalität einer längst vergangenen Zeit über.

In seinen Bemühungen um die Mutter, die offensichtlich von Gangstern ihrer eigenen Romane gekidnappt wurde, entwickelt sich Jonathan immer stärker zum Grenzgänger zwischen Fiktion und Realität und gerät dabei in so manche gefährliche Situation.

Die Geschichte ist lebendig geschrieben und baut nach und nach immer mehr Spannung auf. Damit der Leser folgen kann, ist der Text in zwei Schriftarten gesetzt  (Realität, Krimi).

Die schwarz-weißen Illustrationen erinnern ein wenig an den Stil alter Vorkriegsfilme. Sie fangen das graue Schattenmilieu des Verbrechens gut ein.

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on TumblrEmail this to someonePrint this page

Buch des Monats November 2016

Anja Ackermann: Emi und Luna.

Eine Freundschaft mit Kawumm. Ein Huhn steht kopf

 Illustriert von Pe Grigo, 168 Seiten, ab 8 Jahren, Arena-Verlag 2014

06984_EmiundLuna.inddIn Luna Osterbergs Familie passieren andauernd komische Sachen. Großonkel Augustin der Erste ist Entdecker und Erfinder. Das Chaos, das seine streng geheimen Entwicklungen oftmals auslösen, nehmen seine Verwandten gelassen hin.

Lunas Eltern, ihr Bruder und ihre Tante Fee führen in den Augen von Emis Mutter ein chaotisches Hippie-Leben. Ihrer Tochter verbieten sie daher jeden Kontakt mit den Nachbarn. Eines Tages jedoch entwischt Emis kleiner Hund Kawumm durch die nachbarliche Dornenhecke. Ihr bleibt nichts weiter übrig als ihm zu folgen.

Da stößt sie auf Luna und ihr eisernes Huhn Mathilde. Das Mädchen sieht in der Tat komisch aus – kein Kleidungsstück passt zueinander. Aber Luna ist nett und die beiden Kinder verstehen sich auf Anhieb. Nach Großonkel Augustins Plan sollte Mathilde eigentlich eine Eierlegemaschine werden . . .   Seine neueste Kreation sind Verjüngungspillen in Form von Zuckerperlen. Doch diesmal ist er wohl zu weit gegangen, denn jeder, der davon nascht, wird ganz wer anders; so auch Kawumm, Mathilda und selbst die dicke Stubenfliege Holda, die durch das Buch schwirrt.

Der Verlauf der Handlung und die damit verbundenen Turbulenzen sind damit vorhersehbar.  Anja Ackermann erzählt mit viel Humor und originellen Darstellern eine kurzweilige Geschichte. Der Text ist aufgelockert gedruckt und auf allen Seiten witzig illustriert (zweifarbige Zeichnungen, Sprechblasen, Lautmalereien).

Da Emi und Luna zwei von den vermeintlichen Verjüngungspillen für sich aufgehoben haben, ist klar, die Geschichte geht weiter.

Der Titel des zweiten Bandes lautet: Emi und Luna. Eine Freundschaft mit Kawumm. So ein Affentheater.

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on TumblrEmail this to someonePrint this page

Buch des Monats Oktober 2016

Jenny Nimmo:  Die silberne Spinne

Aus dem Englischen von Caroline Fichte , 176 Seiten, ab 8 Jahren,                                                 Ravensburger Buchverlag 2007

51xbne9qnkl-_sx331_bo1204203200_

Gwyn Griffith lebt mit seinen Eltern auf einer kleinen Farm in Wales. Sein Leben ist trostlos, seit seine ältere Schwester Meggan spurlos verschwunden ist. Eigentlich wollte sie in einer stürmischen Nacht nur das Lieblingsschaf ihres Bruders retten. Sie wurde nie wieder gesehen. Der Vater macht seinen Sohn für das Verschwinden seiner Tochter verantwortlich und nimmt der Familie jegliche Lebenslust.

Gwyns Großmutter leidet mit ihrem Enkel. In dem Bemühen um einen Ausweg besinnt sie sich auf die magischen Kräfte ihrer Vorfahren. Zu seinem Geburtstag schenkt sie ihm fünf rätselhafte Gegenstände: eine verbogene Blechbrosche, ein Stück Seetang, ein gelbes Kopftuch, eine Blechflöte und ein kleines kaputtes Pferd. „Es ist an der Zeit, dass wir herausfinden, ob du ein Zauberer bist.“, meint sie und offenbart ihm das Familiengeheimnis. Damit erweckt sie in ihm die Hoffnung, mit Hilfe der Magie seine Schwester zurückzubringen. Gwyn erkennt rasch, dass er über Zauberkräfte verfügt. Der Anweisung der Großmutter entsprechend übergibt er die Gegenstände nach und nach der Kraft des Windes – der ja die Schwester geraubt hat – und wird dabei in fantastische und spannende Erlebnisse verwickelt.

Die Geschichte erhält ihren Reiz aus dem Wechsel von Alltagsrealität und Fantasiewelt. Gedämpfte Textpassagen vermitteln dem Leser Gwyns Einsamkeit (Er darf sein Geheimnis niemandem anvertrauen.), auch seine Hilflosigkeit und Verzweiflung angesichts der dramatischen, übermächtigen Ereignisse. Hier bietet ihm die Großmutter, zu der er ein sehr vertrautes Verhältnis hat, Rückhalt und Zuflucht. Durch sie erhält der Text eine wunderbar humorvolle Komponente. (Eigenwillig wie sie ist, dürfen bei ihr auch schon mal die Hühner im Haus ihre Eier legen.)

In der Abfolge des Textes wird nacheinander die Wirkung eines jeden magischen Gegenstandes beschrieben. Mit dem kaputten Pferd, das nicht grundlos mit einem Zettelaufdruck: „Nicht dieses!“ versehen ist, strebt die Handlung zum Schluss einem dramatischen Höhepunkt entgegen.

Das vorliegende Buch ist der erste Band einer Trilogie. Ihm folgen „ Der silberne Mond“ sowie „Der silberne Prinz“. Jenny Nimmo ist die Autorin der erfolgreichen „Charlie Bone“-Bücher.

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on TumblrEmail this to someonePrint this page

Buch des Monats September 2016

Brigitte Werner:  Kotzmotz der Zauberer

Illustrationen von Birte Müller

105 Seiten, zum Vorlesen ab 5 Jahren, zum Selberlesen ab 8 Jahren,

Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2008

„Verstinkter Affenhintern in Pupssuppe!“ Gleich dreimal schrie es der Zauberer Kotzmotz in seiner „riesigen, kellerschwarzen, stacheligen Stinkwut“ und zerstampfte sein Zauberbuch zu Konfetti. Die Tiere des Waldes kannten die Tobsuchtsanfälle schon. Schnell liefen sie in ihre Verstecke. Selbst die Pflanzen schienen die Luft anzuhalten.

9783772520709_5770

Nur ein kleiner unbekümmerter Hase mit abgeknicktem Ohr wollte es genauer wissen und hopste auf die Tür des Hauses vom Zauberer zu. „Du hässlichster Wicht von einem Hasen den die Welt je gesehen hat verschwinde sonst mach ich Schneckenschiss aus dirI“, schallte es ihm entgegen. Der Hase liebte lange, klangvolle Wörter und bemerkte daher kaum die Unerhörtheit der Schimpftirade. „Seeroseninnenlichtgeflirrimsonnemorgentaugeglitzer“, entgegnete er dem Zauberer und erklärte den Klang seiner Wortschöpfung als viel schöner.

Noch nie war Kotzmotz jemand so furchtlos offen begegnet. Vor lauter Staunen fiel ihm, was noch nie passiert war, kein Schimpfwort mehr ein. Für den kleinen Hasen war bald klar: Der Zauberer lebte schon viel zu lange abgeschieden und allein. Zunächst öffnete er nur die Fensterläden seines Hauses um Sonnenlicht in die dunklen Zimmer zu lassen, aber schon bald schlich er sich auch in sein Herz. Beide begannen sich einfühlsam wahrzunehmen, sich zu vertrauen und Kotzmotz lernte, was Freundschaft bedeutet.

Am Ende der Geschichte konnte der Zauberer natürlich nicht mehr Kotzmotz heißen. Man nannte ihn „Saladin“, wie den Sultan, den der Ritter Löwenherz einstmals bezwang. Selbstredend gebührte dem Hasen der Name „Löwenherz“.

Brigitte Werners Text handelt von Angst, Wut und Einsamkeit. Dabei vermittelt sie humorvoll grundlegende Werte für ein achtsames und respektvolles Miteinander. Wie den Hasen und den Zauberer treibt sie in ihren Formulierungen eine Lust an der Bildhaftigkeit und Lautmalerei der Sprache an. Der Text ist mit Verkleinerungen, zusammengesetzten Worten und Vergleichen so gespickt  („Samtkätzchenduftgestreichel, Hasenknutschkussfreundeklopfherzwunderfarben-lieblingstag, …), dass zumindest dem erwachsenen Leser manchmal der Gedanke kommt, ob weniger mehr gewesen wäre.

Das Buch über diese ungleiche Freundschaft ist ein ideales Vorlesebuch.  Für Leseanfänger setzt das Erlesen der langen Wortkonstruktionen schon einige Übung voraus.

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on TumblrEmail this to someonePrint this page

Buch des Monats August 2016

Annette Roeder:  Die Krumpflinge – Reihe

(bisher) 6 Bände für Erstleser                    

1. Egon zieht ein!                                2. Egon wird erwischt   

3.  Egon schwänzt die Schule         4. Egon taucht ab!    

5.  Egon rettet die Krumpfburg     6. Egon wird großer Bruder

Illustrationen von Barbara Korthues, ca. 85 Seiten, ab 6 Jahren, cbj Verlag 2015

Die Krumpflinge - Egon zieht ein von Annette Roeder

Egon Krumpflings wuscheliges Fell ist babyspinatgrün und hat auf der Brust einen herzförmigen Fleck. Er selbst findet sich schön und wäre mit sich zufrieden, doch ist er als jüngster der Krumpf-linge so groß wie eine Gabel und muss deswegen von den älteren eine Menge einstecken. Auch für Oma Krumpfling, das Oberhaupt der 49-köpfigen Sippe, ist er ein beliebtes Schimpfziel: Viel zu lieb um böse zu sein und zu ungeschickt um richtige Streiche auszuhecken.

Die Krumpflinge sind zur Herstellung ihres Lebenselixiers auf Schimpfwörter angewiesen. Diese werden getrocknet, zu Krümeln zerstoßen werden und als „Krumpf-Tee“ getrunken. Um die Un-wörter der Menschen aufzufangen, haben sie sich im Kellergerümpel einer alten Villa eingerich-tet und fangen über einen Duschkopf, der mit den Wasserleitungen des Hauses verbunden ist, wie über eine Sprechanlage auf, was bei den Menschen so abgeht. Wenn zu wenig geschimpft wird, versiegt der Wörterfluss und die Krumpflinge müssen aktiv werden: ärgern stören, nerven, d.h. für Stunk bei den Menschen sorgen. Dabei ist unbedingt die Krumpfling-Regel Nr. 2 zu be-herrschen: Zeige dich nie einem Menschen. Doch wenn man, wie Egon zufällig von einem netten Menschenjungen erwischt wird, warum soll man sich dann nicht mit ihm anfreunden?

Anette Roeder beschreibt kindgerecht und fantasievoll aufeinander folgende Ereignisse, wobei sie – die Geschichte will es so – lustvoll mit eingestreuten Schimpfwörtern spielt. Dies und das Chaos in der Krumpfburg werden Kinder mögen und Egon als Hauptperson sowieso. Man hat das Lachen der Kinder schon im Ohr und kann sich das Buch daher sehr gut als Vorlesetext vorstellen. Erstlesern werden die etwas größere Schrift und das übersichtliche Layout entgegen-kommen.
Barbara Korthues weckt mit ihren zahlreichen bunten Begleitillustrationen auf heitere Weise Vorstellungen davon, was die Krumpflinge so treiben.

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on TumblrEmail this to someonePrint this page

Buch des Monats Juli 2016

Suzanne Collins:

Gregor und die graue Prophezeiung

Aus dem Englischen von Sylke Hachmeister

300 Seiten, ab 10 Jahren, Oetinger Verlag 2005

Niemals hätte der elfjährige Gregor vermutet, dass unterhalb von New York City Menschen leben und schon gar nicht hätte er dort seinen seit zwei Jahren spurlos verschwundenen Vater  vermutet.                                3789132101

Eines Tages aber fällt Gregors zweijährige Schwester Boots einfach in den Lüftungsschacht im Wäschekeller  und so bleibt dem Jungen nichts weiter übrig, als sie da herauszuholen. Durch einen plötzlichen Sog gelangen die beiden in die dunklen Nebelschwaden des „Unterlandes“, aus denen riesige sprechende Kakerlaken, die Krabbler, auftauchen und den Kindern die dort herrschenden Lebensbedingungen erklären. Sie teilen sich den unterirdischen Raum mit Spinnen und aggressiven, alle bedrohenden Ratten. In der Stadt (Regalia) lernt er  auch die Menschen kennen, deren Verbündete Fledermäuse sind,  die ihnen Flugdienste leisten.

Gregor will sich hier nicht aufhalten und  versucht zu fliehen, zumal er ja auch die Verantwortung für seine kleine Schwester trägt. Doch die Unterländer  konfrontieren ihn mit einer in Stein gehauenen „grauen Prophezeiung“ und lassen keinen Zweifel daran, dass sie Gregor für  den darin angekündigten Krieger aus dem „Überland“ halten. Der soll sie von der Bedrohung durch die Ratten erlösen und überdies einen Gefangenen befreien, den Gregor als seinen Vater ausmacht. Vorbehaltlos lässt er sich auf das gefährliche Abenteuer ein.

Kinder müssen sich schon an die ungewöhnlichen Darsteller dieser Geschichte gewöhnen. Kakerlaken, Spinnen, Schlangen, Fledermäuse – alles Tiere, zu denen sie nicht sofort Zugang suchen würden. Aber eingebunden in die phantastische Unterwelt, versehen mit menschlichen Zügen und Sprechvermögen, üben sie eine seltsame Faszination aus und fesseln den Leser so sehr, dass er immer weiter lesen möchte.

Die Geschichte beginnt harmlos, steigert sich aber in der Dramatik der Handlung stetig. Gregor als glaubwürdigem Hauptcharakter ist es zu verdanken, dass man die schrecklichen, unerwarteten Ereignisse und Wendungen hinnimmt.

Entlastend wirkt bei aller Spannung das spontane Verhalten seiner Schwester Boots. Sie sorgt mit ihrer Kleinkindsprache und ihrem vorbehaltlosen Verhalten oft für ein erlösendes Lachen.

Darüber hinaus: Es gibt natürlich ein Happy End.

Doch da noch weitere fünf Bände folgen (alle in der Bücherei zu entleihen), weiß der geübte Leser: Gregor hat nur einen Teilsieg errungen. Der Feind ist noch nicht geschlagen.

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on TumblrEmail this to someonePrint this page

Buch des Monats Juni 2016

Simon Mason: Die Quigleys

Aus dem Englischen von Gabriele Haefs

Roman mit Illustrationen von Susann Opel-Götz

96 Seiten, ab 8 Jahren, Carlsen Verlag 2009

quigleysEins ist sicher: Die Quigleys, das sind Mama, Papa, Will und Lucy ( genannt Pudel oder Pudelfisch) mögen sich sehr, auch wenn bei ihnen täglich der Wahnsinn tobt. Schließlich verfügt ein jeder von ihnen über eine gehörige Portion Eigensinn und aus ihrer Sturheit heraus entstehen so komischste Situationen, die sie alle wieder im Lachen vereint.

Lucy beispielsweise wollte bei einer Hochzeit nicht in einem langweiligen Taftkleid Blumen streuen, sondern dies als Biene verkleidet tun. Sie ließ die Eltern, die sie davon abbringen wollten, reden und bastelte sich unbemerkt ein aufwändiges Kostüm, zu dem Will noch die Fühler besorgte. Damit legte sie bei der Feier –  Mama und Papa fielen aus allen Wolken – einen Überraschungsauftritt hin und wurde von der begeisterten Braut auch noch mit einem Lächeln umarmt.

Will ist Lucys älterer Bruder und geht schon zur Schule. Ernsthaft und bedächtig überlegte er schon im Sommer, wie er seine Weihnachtswünsche anmelden könnte und nervte damit. Aber weil in seiner Familie ein Tierverbot herrschte, musste er schon beharrlich und planvoll vorgehen um seinen Wunsch nach einen Würgadler (!) durchzusetzen.

Papa wollte während eines Babysitter-Termins bei den befreundeten Nachbarn einfach nur einmal in Ruhe im Fernsehen Fußball schauen, da kam ihm eines der Kinder abhanden. Verzweifelt  suchte er überall. Wie stand er jetzt da? Schließlich konnte er es nur unter der Mithilfe seiner Kinder wiederfinden.

Auch Mamas Geburtstag verlief nicht ohne Aufregungen und leider völlig anders als  geplant. Eigentlich wollte sie mit Papa ein Ballett besuchen. „Wenn wir nicht ins Ballett gehen können“, rief Papa und sprang im blau gestreiften Bademantel ins Zimmer, „ dann muss das Ballett eben zu uns kommen. “ Lucy und Will jubelten, hakten Papa ein und legten gemeinsam einen temperamentvollen Tanz hin.

Schon das Buchcover  vermittelt die Eigenwilligkeit und die Verschmitztheit der handelnden  Personen, die in vier humorvollen Episoden beschrieben werden. Bei den Quigleys setzen sich vor allem die Kinder einfach über herrschende Zwänge hinweg und machen so einen geradlinigen Alltag für die Eltern unmöglich. Simon Mason beschreibt in seiner Geschichte, dass Erwachsene glauben, sich starren gesellschaftlichen Regeln unterwerfen zu müssen, für die selbstbewusste Kinder einfach kein Verständnis haben. Und das Schöne an diesem Buch ist, dass die Eltern sich auf die Kinder einlassen und auf diese Weise immer neu den Familienzusammenhalt stärken.

Susann Opel-Götz hat das Buch mit wunderbar lässigen, hintersinnigen Zeichnungen illustriert. Sie fangen Witz und Emotionen gut ein und bringen die Charaktereigenschaften  einer jeden Person gut zum Ausdruck.

Der Text kann von Erstlesern gut bewältigt werden. Es muss aber auch großen Spaß machen ihn vorzulesen.

Die Quigleys sind eine Serie. Es sind noch drei weitere Bände erhältlich.

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on TumblrEmail this to someonePrint this page

Buch des Monats Mai 2016

Kristina Andres: Mucker & Rosine

Illustrationen von Barbara Scholz

168 Seiten, ab 8 Jahren

Beltz & Gerstenberg Verlag, Weinheim 2015

Kristina Andres erzählt ihre Tiergeschichte einfühlsam mit viel Witz und reiht unaufgeregt ein „kleines“ Abenteuer an das andere ohne auf einen dramatischen Höhepunkt hinzuarbeiten.

Scholz, Mucker_ U1-U4_mit Typo.indd

Endlich bietet sich dem Stadthasen Mucker, einem klassischen Tollpatsch, die Gelegenheit, seiner putzwütigen Tante Heidi zu entkommen. Sein Uronkel Jammerhase vermacht ihm sein Haus am Waldrand! In einem Abfalleimer versteckt gelangt er von der Tante unbemerkt ins Freie und macht sich auf den Weg in sein neues Leben. Mit der vorwitzigen Elefantendame Berta und Molle Maulwurf findet er schnell Freunde, der Feldmaus Rosine aber schenkt er sein Herz. „Ihr Fell war seidig, braun wie hundert Haselnüsse und ihre Augen glänzten holundersaftschwarz. Muckers Herz rumpelte los.“ Gemeinsam ziehen sie in sein Haus. Während Rosine ihn vor widrigen Feinden beschützt, bestrickt er sie liebevoll, auch mit seinen gewichtigen, doppeldeutigen Formulierungen: „Zuhause ist ein gutes Wort.“

Das Buch propagiert Freundschaft, Achtsamkeit und Geborgenheit, schildert aber durchaus nicht nur eine Wald- und Wiesenidylle. (Der fiese Fuchs versucht schließlich mit arglistigen Tricks die Waldherrschaft an sich zu reißen. Auch Tante Heidi gelingt es mit einem Blitzbesuch den Frieden zu stören.)

Immer wieder aber amüsiert die Elefantendame Berta mit schrägen Sprachfehlern: „Gemahlzeit! … Hab ich mir gedacht, komm ich schön sprünglich vorbei in die herrliche Gewetter.“ Die anspruchsvolle, vielschichtige Sprache macht diese Geschichte zu einem idealen Vorlesetext, den Barbara Scholz detailreich in Bilder umsetzt. Dem Cover entsprechende Illustrationen in warmen Farben ziehen sich durch das ganze Buch. Leseanfänger mögen vielleicht die Seitenzahl der Kapitel für zu umfangreich halten.

 

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on TumblrEmail this to someonePrint this page