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Buch des Monats Dezember 2014: Ulrich Hub: Füchse lügen nicht

Bilder von Heike Drewelow,
Carlsen, Lesealter. 8 – 10 Jahre
Der Leser muss nicht die Fabel von Reineke Fuchs kennen, um das Wechselspiel der Handlung zu verstehen, in der sich überraschende Wendungen ergeben und Vorurteile als falsch erweisen.
Ulrich Hub versetzt sprechende Tiere in die vielen Kindern vertraute Situation des Wartens. Sie sitzen auf einem Flughafen in der Animal Lounge und haben Mühe ihre Ungeduld zu bezwingen. Im Gespräch stellen sich, in Anlehnung an die Gestaltung einer Fabel, ihre Eigen-schaften heraus. Da ist die hektische Gans, die ständig ihren Reisepass sucht. Da ist der Affe, der seine Ruhelosigkeit durch beständige Einnahme von Pillen bekämpft. Da ist der Panda, der die Wartenden mit übel riechenden Pupsern belästigt und bei Kritik auf seinen Artenschutz verweist. Da ist der eitle Tiger, der ungefragt Autogramme verteilt, weil er sich für einen TV-Star hält. Da sind die vermeintlich klugen (geklonten) Schafe.
Trotz der Mitteilung, dass alle Flüge ausfallen, versucht ein Hund vom Wachdienst die Ord-nung in der Gruppe aufrecht zu erhalten, bis plötzlich ein Fremder, der aus einem Lüftungs-schacht auftaucht, seine Bemühungen über den Haufen wirft – der Fuchs, der schlaue, ge-rissene? Zunächst können die Tiere ihn nicht einordnen. Ist er Freund oder Feind? Lügt er oder nicht? Was ist sein Interesse? In Gesprächen deckt er schonungslos die Schwächen, Illusionen und Lügen der versammelten Tiere auf, die sich je nach dem, wen es trifft, in stän-dig wechselnden Gruppen verbünden. Alle müssen aber schließlich anerkennen, dass der Fuchs Recht hat, wenn er sagt, das der Flughafen leer und der Flugbetrieb eingestellt ist. Sie wagen sich mit ihm auf das Flughafengelände hinaus und plündern den Duty-free-Shop.
fuechseDer Fuchs versteht das Chaos zu nutzen. Sein Interesse gilt den Wertsachen und Reisepäs-sen der Wartenden. Er nutzt die Chance, doch sein Diebstahl ist nicht das Ende der Ge-schichte.
Die Tiere dieser Erzählung bieten keine Möglichkeit zur Identifikation, weil sie distanziert be-schrieben werden; keines wird als besonders sympathisch dargestellt. Vielleicht weil die Buchfassung auf einem Theaterstück basiert.
Der Witz des Buches besteht darin, durch Wortspiele und durch die Eigenheiten der Tiere Anspielungen auf fragwürdige menschliche Verhaltensweisen zu machen. (z.B. Eigensinn Überschätzung, Unehrlichkeit, Verheimlichung usw.) Wenn der Leser dies versteht, hat er ein lustiges, erfrischendes Buch vor sich.
Heike Drewelow hat den Text illustriert. Fast jede Doppelseite weist Bilder auf, die die Komik des Textes verstärken.

http://www.carlsen.de/hardcover/fchse-lgen-nicht/34880

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Buch des Monats November 2014 Kai Lüftner: Achtung, Milchpiraten – Rache für Rosa

„Rache für Rosa“ ist der Folgeband von „Achtung, Milchpiraten“, kann aber ohne weiteres als Einstieg in die Reihe gelesen und verstanden werden. Erfährt man im ersten Buch etwas über die Jungen der Milchpiratenbande, geht es hier um ihre Auseinandersetzung mit den Mädchen der MEDELS-Bande (jeder Buchstabe steht für den Anfangsbuchstaben  eines Vornamens).

Zwei Ereignisse leiteten die Sommerferien ein: Die obercoolen Milchpiraten strichen die Hütte der Mädchen, ihr Clubhaus im Wald in Schweinchen-Rosa um sie ein wenig aufzumischen. Das verlangt Rache, denn das Häuschen wurde abgerissen, weil es so nicht mehr in die Umgebung passte. Der Obermilchpirat Bruno gab während der Abwesenheit seiner Eltern für seine Freunde eine turbulente Grillparty und konnte gegenüber seinen Eltern nur mühselig verheimlichen, dass dabei beinahe der Garten abgebrannt wäre.

Brunos Desaster wurde jedoch von den rachsüchtigen Mädchen im Bild festgehalten. Mit der Übergabe der Beweisfotos  erpressen sie nun die Jungen. Nur die Abarbeitung eines Forderungskatalogs kann eine Veröffentlichung verhindern. Klar, dass es den Milchpiraten gelingen muss, das belastende Fotomaterial so schnell wie möglich in die Hände zu bekommen.

Das Blatt wendet sich plötzlich, als die MEDELS-Bande von den schlimmsten Feinden der Milchpiraten, einer Gruppe älterer Jungen, überfallen wird und die Fotos in deren Hände geraten. Da gibt es nur eine Lösung: Milchpiraten und MEDELS-Bande müssen zusammenhalten, verbünden sich und vergessen ihren Bandenkrieg.

In dem Buch geht es „um solche Dinge wie Mut und Freundschaft und Vertrauen. Und ja, so peinlich das ist – auch um Liebe irgendwie . . .“ . Somit ein Lesestoff für Mädchen und Jungen. (Das rosa Cover irritiert ein wenig.)

Kai Lüftner erzählt das Geschehen humorvoll, und spannend aus der Sicht der Milchpiraten. Erwachsene spielen in seinem Buch keine Rolle. Die handelnden Mädchen und Jungen sind mal frech, mal draufgängerisch oder liebenswert und werden ihrem Charakter entsprechend gut in die Handlung eingebaut.

Rosa gedruckte Tagebucheinträge von Anführer Matz, in denen er seine Sicht der Dinge und seine Empfindungen darlegt, unterbrechen die Erzählung. Sie beziehen den Leser unmittelbar in das Geschehen ein, weil sie ihm Hintergrundinformationen und geheime Gedanken offenbaren. Diese Passagen sind sprachlich unkonventionell und sprechen Kinder bestimmt an. Ein Buch, das sich auch bestens vorlesen lässt.

Judith Drews Illustrationen sind rosa und schwarz gehalten. Die Zeichnungen sind einfach und untermalen Textpassagen.

Eine gekürzte Fassung des Buches ist auch als Hörbuch erhältlich.

arsEdition, 100 Seiten, Lesealter: 8 – 10 Jahre

http://www.arsedition.de/titel-1-1/milchpiraten_rache_fuer_rosa-130305/

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Die Bücherei im Gemeindebrief 2014

buecherei im GemeindebriefMehrmals in der Woche kommen zahlreiche Kinder, oft begleitet von Vater oder Mutter
in die Rote Schule. Nur ein Aufsteller verweist auf ihr Ziel: Die Ökumenische Kinderund
Jugendbücherei im ersten Stock des ev. Gemeindezentrums.
Die Besucher wissen um den Schatz, der sich hier verbirgt – eine Auswahl von über
3000 Büchern auf dem neuesten Stand. Von Pappbilderbüchern für die Kleinsten, Bilderbüchern
für die Vorschulkinder, Erstlesebüchern für die Leseanfänger, über Jugend-,
Sach- und Bastelbücher bis hin zu Büchern für junge Erwachsene. Aber auch Spiele,
CDs und Kassetten werden hier angeboten. Die Ausleihe ist kostenlos!
Gabriele Keich, die Leiterin, und ihre Mitarbeiterinnen investieren ehrenamtlich viel Zeit,
um den Bestand zu warten, regelmäßig zu erneuern und ihn zu ordnen. Die Atmosphäre
während der Ausleihe ist familiär. Man kennt viele Leser, haben doch die Kinder
oft vom jüngsten Lesealter an die Bücherei besucht.
Künftig sollen alle Medien EDV-mäßig katalogisiert und in ein Büchereiverwaltungsprogramm
aufgenommen werden, das über den Büchereietat von der Kirchengemeinde
finanziert wurde. Auf diese Weise wird der Bestand übersichtlicher und die Ausleihe
leichter zu handhaben sein. Bis zur Anwendung liegt vor den Büchereimitarbeiterinnen
noch viel Arbeit, denn jedes Medium der Bücherei muss in die Hand genommen und
in den Bestand eingegeben werden.
Neue Leser, aber auch Besucher, die sich nur einmal umschauen wollen, sind in der
Bücherei herzlich willkommen.
buecherei

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Buch des Monats April 2014

kaninchantageSaskia Hula,Kaninchentage

Amandas Freundin Mo muss kurz vor dem Schulwechsel zum Gymnasium für drei Monate mit ihrer Mutter nach Spanien gehen. So fehlt  ihr in der neuen Klasse der Rückhalt und niemand tritt für sie ein, wenn sie wegen ihres Nachnamens als Brillenschlange gehänselt und in Konflikte verwickelt wird.

Aber Amanda hat ja Mos rotblondes Kaninchen Happy, das sie in einer alten Wäscherei unterbringt und versorgt, weil bei ihr zu Hause Tierverbot herrscht. Nur eines Tages ist Happy unauffindbar. In ihrer Not beschafft sich Amanda ein junges rotblondes Kaninchen um es heranzufüttern. Doch da kommt Amanda früher zurück. Was nun?

Saskia Hula schreibt  ansprechend. Ihre Entwicklungsgeschichte über ein etwa zwölfjähriges Mädchen ist flüssig zu lesen und nimmt  bis zum Schluss überraschende Wendungen auf. Sie erzählt über Verantwortung, Außenseitertum und Freundschaft und bietet jungen Lesern mit den Schilderungen der Erlebnisse in der Klassengemeinschaft eine gute Möglichkeit sich wiederzufinden.

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