Archiv für den Autor: Marianne Höfelmann

Buch des Monats Juni 2017

Nina Blazon: LILLESANG

Das Geheimnis der dunklen Nixe

Mit Illustrationen von Iris Luckhaus, Verlag cbt 2014,

416 Seiten, ab 10 Jahren

 

Das Cover dieses Buches zieht sofort den Blick auf sich: Fischschuppen glitzern in Blau- und Grüntönen, der Haut von Nixen und Meerjungfrauen gleich.

Die 11-jährige Jo (Jolanda) liebt das Wasser. Als ihre Familie das alte Haus ihrer Tante Mette an der dänischen Küste erben soll, freut sie sich sehr. Die gruseligen Geschichten, die ihr die alte Nachbarin Bente vom Gongur erzählt, der angeblich an Land kommt und Menschen ins Meer holt, erschrecken sie nicht. Ein Rätsel gibt ihr allerdings das Verhalten ihrer Mutter auf. Sie verbietet ihr rigoros nicht nur ins, sondern sogar überhaupt ans Wasser zu gehen.

In der Tat erweist sich die Nähe zum Wasser für Jo bald als nicht ungefährlich. In der Nacht lockt sie eine magische Stimme hinaus an den Strand und hätte sie ins Wasser gezwungen, hätte die alte Bente sie nicht gerettet. Ist sie ihr Schutzengel oder eine Bedrohung? Für Jo mehren sich die Anzeichen, dass sie ein falsches Spiel spielt und als einzige Jos unfassbares Familiengeheimnis kennt.

Kurz nach ihrer Ankunft in Dänemark lernt Jo Julie und ihren älteren Bruder Mads kennen. Sie werden gute Freunde und versuchen gemeinsam mit Jos deutscher Freundin Tanja die verwirrenden Ereignisse aufzuklären und den abenteuerlichen Bedrohungen zu entkommen. Leser/innen werden sich gut mit den geschilderten Charakteren identifizieren können und ihrem Sieg mit entgegenfiebern.

Nina Blazon präsentiert mit „Lillesang“ eine andere, neue Sicht auf die Märchenwelt „Der kleinen Meerjungfrau“ von Hans Christian Andersen. Nicht anmutigen Meerjungfrauen gilt ihr Interesse, sondern dem Geheimnis einer dunklen Nixe. Was es damit auf sich hat, wird erst am Ende des Buches klar. Bis zu diesem Spannungshöhepunkt fesseln ständige Wendungen den Lesenden. Sind die Meerewesen gut oder böse? Wer ist Freund, wer Feind? Nie weiß er, wem er trauen kann und wem nicht. Der Gruselfaktor ist beträchtlich. Vielleicht sollte man das Buch auch erst ab 12 Jahren lesen. Bestimmt spricht es auch die Fantasy-Interessen Älterer an.

Das Buch zieht einen sofort in den Bann. Der Text liest sich mit Leichtigkeit. Man möchte es nicht mehr aus der Hand legen um das Lesetempo zu erhöhen.

Jedes Kapitel ist in der Überschrift mit ausgewählten Meerestieren illustriert.

 

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Buch des Monats Mai 2017

Frida Nilsson: Hedvig! Das erste Schuljahr

Mit Bildern von Anke Kuhl, übersetzt aus dem Schwedischen von Friederike Buchinger, 173 Seiten, ab 7 Jahren, Gulliver von Beltz & Gelberg 2016

9783407744531Die siebenjährige Hedvig wohnt im schwedischen Ängatorp und beneidet die Kinder von Bullerbü. Die haben zumindest zwei Nachbarn, doch Hedvig wohnt eigentlich „Nachbar mit Niemand“ auf einem Einzelgehöft und das ist manchmal wirklich zutiefst langweilig. Verständlich, dass sie sich da nach dem Besuch der Schule sehnt.

Frida Nilsson begleitet Hedvig durch ein ganzes Jahr und erzählt amüsiert in kurzen Geschichten die Ereignisse, die sich aus Hedvigs verrückten Einfällen ergeben. (Beim erwachsenen Leser weckt sie unwillkürlich Erinnerungen an die Aufregungen, Fantasien und Nöte der eigenen Kindheit.)

Mit Linda, ihrer Banknachbarin in der 1. Klasse, versteht sich Hedvig gleich so gut, dass der Lehrer sie auseinandersetzen muss, „weil sie den Schnabel nicht eine Sekunde halten können.“ Beide hecken so manchen Streich aus. Da wird Ellen, die beim „Pferd spielen“ der Hengst ist und nicht gehorchen will, schon mal einvernehmlich hinter Schloss und Riegel in den Schuppen gesperrt – und vergessen. Rickard hat einen ganzen Schulvormittag genervt. Das verlangt nach Rache. Blitzschnell drückt ihm Hedwig aus dem Seifenspender etwas Seife in die Saftflasche, nicht ahnend, dass Rickard am Abend spucken muss. Was zunächst wie eine Attacke auf sein Leben auassieht, erweist sich schließlich, Gott sei Dank, als eine harmlose Magen-Darm-Grippe.

Hinterher ist das schlechte Gewissen immer groß und Hedvig plagt herzergreifende Reue. Die Eltern stehen ihr dabei tröstlich zur Seite. Sie erziehen ihre Tochter unkonventionell und tragen auf diese Weise oft zu den Erlebnissen unangepassten Verhaltens bei. Die daraus resultierende Situationskomik erinnert an die Erzählungen Astrid Lindgrens.

Hedig erweckt von Anfang an in ihrer heiteren, verschmitzten Art die Sympathie des Lesers. Von der Auswahl der alltäglichen Episoden und der Hauptfigur her kann man den Text als Mädchenbuch einordnen. Er ist ein  ideales Vorlesebuch, auch auf Grund der abgeschlossenen Kapitel, und eignet sich als Geschenk für Schulanfänger.

Anke Kuhl hat den jeweiligen Kapiteln themenbezogene kleine Illustrationen vorangestellt.

In der Reihe mit Hedvig! sind weitere Bände erhältlich: Im Pferdefieber,  Der Sommer mit Specki  und  Die Prinzessin von Hardemo

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Buch des Monats April 2017

Matthias Morgenroth: Freunde der Nacht

Illustrationen von Astrid Henn, Originalausgabe, 160 Seiten, ab 9 Jahren,  dtv,  2015

Matthias Morgenroths Buch handelt von den abenteuerlichen Ereignissen einer einzigen Nacht, der Johannisnacht. Am 23. Juni endet der längste Tag des Jahres, aber auch die kürzeste Nacht, in der ausgesprochene Wünsche wahr werden sollen.

Lea hat ein großes Problem. Sie wird die Nähe zu ihrem Freund Johannes (Jojo) verlieren, weil sie umziehen muss. In der Johannisnacht sieht sie die Chance, diese Entscheidung abzuwenden. Entschlossen überredet sie daher Jojo, sie am späten Abend zum Flussufer zu begleiten, ein Johannisfeuer zu entzünden und Johanniskraut zu essen. So werden sie dunkelsichtig und können in die geheimnisvolle Welt der Nachtwesen eintauchen, denen man nachsagt, Wünsche erfüllen zu können. Surreale Gestalten, Vampiller, Dunkeldrummeln und ein Nachtschreck begleiten ihren Weg und führen sie in den dunkelsten Teil eines Waldes zum mächtigen Jan van Monden.

„Na, Mondprinzessin?“, begrüßt er Lea und scheint auf sie , gewartet zu haben. In der dunkelsten Stunde der Nacht fordert er sie auf, ihren Wunsch zu flüstern. „Ich bleibe hier“, wispert sie, nicht ahnend, dass der Herrscher der Nacht ihre Aussage wörtlich versteht und sie zu einer der Seinen machen möchte. Verzweifelt spricht daher Jojo seinen (Gegen-) Wunsch aus. Er möchte, dass Lea wieder frei kommt. Doch so leicht macht es Jan van Monden den Kindern nicht. Erst, wenn sie es schaffen, vor Anbruch der Helligkeit wieder in ihrer Wohnung zu sein, sind sie frei. Die Stadt allerdings ist hell beleuchtet und Lea als angehender Mondprinzessin würde die Berührung mit Licht großen Schaden zufügen. Eine dramatische Flucht aus dem Reich der Nachtwesen beginnt.

Das Buch ist nicht nur eine Nachtabenteuergeschichte, sondern auch eine Freundschaftsgeschichte. Nur der Zusammenhalt der Kinder rettet sie.

Der Text ist packend geschrieben und bis zum Schluss spannend. Er ist in 19 kurze Kapitel gegliedert. Eine besondere Faszination üben beim Lesen die zahlreich auftauchenden skurrilen Nachtwesen aus. In den Text eingestreut finden sich, Sprechblasen ähnlich, witzige Gespräche der Vampiller Nyx und Nox, die das Geschehen aus ihrer Sicht als Nachtlinge begleiten.

Die Buchseiten weisen eine dramaturgische Gestaltung auf. Mit dem Voranschreiten der Nacht und der Gefährlichkeit der Ereignisse werden die Seiten immer dunkler. Erst mit dem Morgen und der sich anbahnenden Lösung gelangt der Leser zurück zum Licht, zu hellen Seiten.

Regina Kehns Zeichnungen sind geheimnisvoll und passen sich dem Geschehen in Grau und Schwarz an. Nur die Augen leuchten aus jedem Bild weiß heraus.

Für ihr Buch „Freunde der Nacht“ erhielten der Schriftsteller Matthias Morgenroth und die Grafikerin Regina Kehn den Rattenfänger-Literaturpreis der Stadt Hameln im Jahr 2016.

Besonders gewürdigt wurde, dass sie „sprachliche und gestalterische Bilder“ finden, „die weit ins Netz von literarischen Bezügen ausgreifen und dabei eine ganz eigene phantastische Atmosphäre entstehen lassen.“

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Buch des Monats März 2017

Sabine Ludwig:

Warum Kater Konrad ins Wasser sprang und eine Maus in die Luft ging

Illustrationen von Astrid Henn,   160 Seiten,   ab 8 Jahren, cbj 2016

In ihrer humorvollen Geschichte über Kater Konrad vermenschlicht Sabine Ludwig die Katzen. Diese leben in Häusern, in Familien und anstatt Mäuse zu jagen, kaufen sie die Tiere als Wurst oder Gehacktes in einer Fleischerei. Ihre Kinder warnen die Katzen vor den bösen Hunden, die jenseits des Flusses leben.

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Konrad hat eine überfürsorgliche Mutter, die ihm keinen Freiraum gönnt und ihm den Ranzen hinterherträgt. Für seine Mitschüler Kurt und Kasper immer wieder ein Anlass, ihn „Mamakätzchen“ und „Hosenscheißer“ zu rufen und ihn zu drangsalieren. Verständlich, dass sich der kleine Kater daher am liebsten in die spannenden Geschichten seiner Bücher flüchtet.

Doch eines Tages erfährt sein Leben eine abenteuerliche Wende. Gerade will er hungrig in sein Pausenbrot beißen, als ein Stimmchen ruft: „Friss mich nicht!“ Bei genauerer Untersuchung stellt er fest, der Brotbelag, eine dicke Hafermastmaus, hat gesprochen; scheint offensichtlich lebendig zu sein. Angeekelt wirft Konrad das Brot in den Mülleimer auf dem Schulhof. „Er kann doch keine lebende Maus fressen! Das haben seine Vorfahren vor hundert Jahren gemacht!“ – „Wer das Brot nicht ehrt, ist die Maus nicht wert!“, schimpft da Herr Katzkowski, Konrads Lehrer. Kleinlaut nimmt der kleine Kater das Brot  wieder an sich.

Nach Schulschluss öffnet er vorsichtig die Dose in der Hoffnung, die Maus sei nun tot. Doch die beschwert sich äußerst lebendig über die schlechte Behandlung, hängt sich auf Schritt und Tritt an ihn und will von nun an „Marie Antoinette“ (Thema des Geschichtsunterrichts) genannt und königlich behandelt werden.

Auch wenn es zunächst nicht danach aussieht: Hier beginnt eine reizende Freundschaftsgeschichte, die durch komische und witzige Dialoge zwischen Kater und Maus unterhaltsam zu lesen ist. Konrad lernt sich und die Welt besser kennen und begreift, dass sich manche Behauptungen als Vorurteile erweisen. Marie Antoinette reißt ihn in ein großes Abenteuer: Aus „Konrädchen“ wird selbst-bewusst Konrad. Und so springt er in den verbotenen Fluss, obwohl Katzen eigentlich nicht schwimmen können und seine Freundin wirbelt durch die Luft, obwohl Mäuse nicht fliegen können. Als sie schließlich am Nachbarufer bei den Hunden landen, machen sie eine überraschende Erfahrung.

Der Text liest sich leicht und überrascht immer wieder mit absurden Situationen und Sprachwitz. Bestimmt ist er zum Vorlesen bestens geeignet.

Astrid Henn interpretiert die Handlung textnah in unterschiedlichen Bildformaten. Besonders gelungen sind die zarten, ausdrucksstarken Mäusedarstellungen: Marie Antoinette mit Klimperaugen und rotem Kussmund.

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Buch des Monats Februar 2017

Tanya Stewner:  Alea Aquarius – Der Ruf des Wassers

318 Seiten, ab 10 Jahren, Oetinger Verlag, 2015

9783789147470

Das Buch ist der erste Band einer Meermädchen- Abenteuer-Serie.  ( Bd.2: Die Farben des Meeres,  Bd.3: Das Geheimnis der Ozeane)

Die elfjährige Alea droht alles zu verlieren, denn die von ihr sehr geliebte Pflegemutter Marianne hat einen Herzinfarkt erlitten und kann sich nicht mehr ausreichend um sie kümmern. Das Jugendamt wird sie einer neuen Pflegefamilie zuweisen, aber wie soll sie ihr Geheimnis bewahren?

Alea leidet an einer Allergie, die Hautveränderungen hervorruft und schlimmstenfalls beim Kontakt mit kaltem Wasser tödlich sein kann. Das jedenfalls hat Aleas leibliche Mutter Marianne anvertraut, als sie ihr an einem Strand in Holland den Säugling in den Arm drückte und einfach verschwand.

Im Moment tiefster Niedergeschlagenheit setzt sich das Mädchen an die Anleger im Hamburger Hafen. Dieser Ort vermittelt ihr trotz der Nähe zum Wasser ein Gefühl von Zuhause. Gerade legt ein uriges abgewracktes Segelboot, die CRUCIS, an. Alea beobachtet, wie ihm zwei Jugendliche und ein kleiner Junge entspringen. Zufällig treffen sie in einem Café aufeinander und erzählen ihr, dass sie sich mit Straßenmusik das nötige Geld verdienen, um dann mit dem alten Schiff nach Lust und Laune durch die Meere zu schippern. Nett sind die drei: der schon erwachsene charmante Ben, sein quirliger, begeisterungsfähiger kleiner Bruder Sam und Tess, die hervorragend singen kann und sich  der Musik wegen den Brüdern einfach angeschlossen hat.

Da Alea ihre Situation sowieso für aussichtslos hält, kann sie auch gleich gegen alle Vernunft han-deln. Sie, die Nichtschwimmerin und Allergikerin, wird Mitglied der Alpha Cru (Bandenname Alea AQUARIUS = Wassermann) und macht sich mit den Freunden gemeinsam auf den Weg nach Holland, um dort nach ihrer leiblichen Mutter zu forschen. Dem Sog des Meeres folgend, den sie fühlt, seit sie denken kann, geht sie bei einem Sturm über Bord und macht eine fantastische Erfah-rung (s. Buchcover): Jetzt kennt sie ihr wahres Geheimnis.

Die Geschichte lebt nicht nur von den spannenden, dramatischen Abenteuern, die die Gruppe be-steht, sondern auch von der sympathischen Beschreibung ihrer Mitglieder. Jeder, auch der später hinzukommende Lennox, ist auf seine Weise interessant, liebenswert, aber auch verletzlich und bemüht, sein persönliches Geheimnis nach Möglichkeit zu bewahren. Jeder aber steht für den an-deren ein und so werden die Freunde für Alea zu ihrer neuen Familie.

Die Handlung wird lebendig und locker beschrieben und liest sich hintereinander weg. Obwohl das Buch vom Cover eher nach einem Mädchenbuch aussieht (Glitzer!), ist es für Jungen gleichermaßen geeignet. Denn auch der geheimnisvolle Lennox scheint einbezogen zu sein in das Geheimnis des Meeres, vor allem spürt er Alea genüber eine besondere Nähe.

Da möchte man sofort nach dem 2. Band greifen.

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Buch des Monats Januar 2017

Rüdiger Bertram  –  Gegen uns könnt ihr nicht anstinken

Mit Illustrationen von Thorsten Saleina,  204 Seiten, ab 8 Jahren, cbj Verlag, 2016

Stinktier Co - Gegen uns koennt ihr nicht anstinken von Ruediger BertramZora freut sich darauf, endlich mit den coolen Mädchen ihrer Klasse abhängen zu können, wenn sie 10 Jahre alt ist. Doch am Morgen des ersehnten Geburtstages traut sie ihren Augen nicht. Auf ihrer Bettdecke sitzt ein sprechendes, vorwitziges Stinktier, das behauptet, von nun an ihr ständiger geheimer Begleiter zu sein; ein Totemtier sozusagen mit dem unangesagten Namen Dieter.

Als Zoras ältere Schwester und ihr Vater in Begleitung von einem Zebra und einem Eisbären zum Gratulieren erscheinen, ahnt Zora, dass das mit den Tieren wohl eine Familiengabe zu sein scheint. Nur Menschen, die ebenfalls ein magisches Tier haben, können diese sehen.

In der Schule bemerkt sie zu ihrer Überraschung, dass weitere  Kinder ihrer Klasse Begleiter haben, nur sind diese schön und sanft . Enttäuscht fragt sich sich, warum ausgerechnet sie sich mit einem grässlichen Stinktier abgeben muss. Für die eingebildetet Jessica und ihre Clique natürlich ein Grund mehr,  Zora und ihre Freunde herabzusetzen, die allenfalls eine hyperaktive Ratte und ein schläfriges Faultier zu bieten haben. Doch sie haben die Rechnung ohne den kampfeslustigen, selbstbewussten Dieter gemacht. Entschlossen sich zu wehren, gründet er mit den Freunden den „Club der doofen Tiere“ und scheut nicht davor zurück, notfalls seinen eigenen Gestank als Geheimwaffe einzusetzen. Bald erkennen die Kinder, welche Stärke ihnen ihre Freundschaft verleiht und fühlen sich nicht mehr als gemobbte Außenseiter. Gegen sie kann niemand mehr „anstinken“.

Schon das Buchcover weckt Leselust, zeigt es doch die vermeintlichen Looser in vergnügter Aktion. Thorsten Saleina hat zahlreiche Schwarz-Weiß-Illustrationen in den Text eingestreut, die die Empfindungen der handelnden Personen in wunderbar vielsagenden Gesichtsausdrücken wiedergeben.

Dieter, das Stinktier, erobert mit  seinem provokanten Einfallsreichtum nicht nur Zoras Herz, sondern wird auch die Leser begeistern. Unabhängig von den ernsten Themen im Hintergrund der Erzählung (Ausgrenzung, Vorurteile, Selbstwertverlust) werden sie sich in erster Linie an einer fantastischen Geschichte voller Sprachwitz erfreuen und mit den Clubmitgliedern die Schadenfreude teilen.

Der Text ist einfach zu lesen und in kurze überschaubare Kapitel geliedert. Besstimmt ist er auch sehr gut zum Vorlesen geeignet.

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Buch des Monats Dezember 2016

Katharina Reschke

Morlot – Detektive schlafen nie

Mit Illustrationen von Gerda Raidt

222 Seiten, ab 10 Jahren,  Boje Verlag, 2014

Reschke_Morlot_final.inddMit „Morlot“ hat Katharina Reschke einen abenteuerlichen Kinderkrimi geschrieben, der Jonathan, den 12-jährigen Hauptakteur vor die Frage stellt, ob es möglich ist, dass man mit seiner Fantasie eine wirkliche, andere Welt schaffen kann.

Seit 12 Jahren erfindet seine Mutter düstere Geschichten um den Detektiv Morlot (Buchcover) in immer neuen Fortsetzungen. Ihre Arbeit als Schriftstellerin ist ihr das Wichtigste. So kommt Jonathan oft zu kurz und muss mit nicht eingehaltenen Verabredungen leben. Doch diesmal wird es anders sein: Für Mutter und Sohn liegen Flugtickets nach Bali bereit, ohne Rücktritt gebucht. Dem ersten Urlaub seit Jahren steht nichts mehr im Weg.

Wenige Stunden vor der Abreise jedoch ist Jonathans Mutter unauffindbar! Verschwunden! –  In seiner Not liest Jonathan ihr letztes unfertiges Manuskript und kann es nicht fassen. Hat sich seine Mutter etwa selbst in die Geschichte geschrieben und zum Akteur gemacht? Steckt Morlot wohlmöglich hinter dem Verschwinden seiner Mutter? Der Junge beginnt sich mit der Welt des Krimis auseinanderzusetzen und unter größter Fantasieanstrengung gelingt es ihm, selbst in die Handlung und in die Krimiwelt einzusteigen. Dicke Nebelschwaden leiten in die graue, triste Welt der Kriminalität einer längst vergangenen Zeit über.

In seinen Bemühungen um die Mutter, die offensichtlich von Gangstern ihrer eigenen Romane gekidnappt wurde, entwickelt sich Jonathan immer stärker zum Grenzgänger zwischen Fiktion und Realität und gerät dabei in so manche gefährliche Situation.

Die Geschichte ist lebendig geschrieben und baut nach und nach immer mehr Spannung auf. Damit der Leser folgen kann, ist der Text in zwei Schriftarten gesetzt  (Realität, Krimi).

Die schwarz-weißen Illustrationen erinnern ein wenig an den Stil alter Vorkriegsfilme. Sie fangen das graue Schattenmilieu des Verbrechens gut ein.

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Unser Bücherei-Jubiläum in der Schaumburger Zeitung

Schaumburger Zeitung: 3.11.2016

Bücherei im Wandel

50 Jahre Ökumenische Kinder- und Jugendbücherei

OBERNKIRCHEN. 50 Jahre Ökumenische Kinder- und Jugendbücherei in der „Roten Schule“ – doch das Angebot ist alles andere als alt und verstaubt. Wie hält man eine Bücherei jung? Eine Spurensuche.

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OBERNKIRCHEN. Obwohl mittlerweile ein halbes Jahrhundert alt, ist die in der „Roten Schule“ zu findende Ökumenische Kinder- und Jugendbücherei Obernkirchen im Grunde immer noch jung – zumindest was deren Bestand an auszuleihenden Büchern und Medien betrifft. Denn den halten die ehrenamtlichen Mitarbeiter des sechsköpfigen Bücherei-Teams stets aktuell, damit das Angebot für die Leserschaft attraktiv bleibt: „Unser Ziel ist die ständige Erneuerung“, berichtet Marianne Höfelmann. Daher besuche man jedes Jahr eine große Kinder- und Jugendbuchmesse, um sich über interessante Neuerscheinungen zu informieren, die man dann für die Bücherei besorge. Dabei orientieren sich die engagierten Frauen auch an speziellen Wünschen der jungen Leser, indem sie etwa solche Buchtitel zum kostenlosen Ausleihen bestellen, die sie ohne diese Anregungen vielleicht nicht eingekauft hätten.

Derzeit umfasst der Bestand der Bücherei mehr als 2000 Buchtitel aus dem Bereich der Kinder- und Jugendliteratur. Dazu zählen Krimis, Abenteuer-, Action- und Fantasy-Romane ebenso wie verschiedene Sachbücher. Zudem sind etliche Hörbücher und Gesellschaftsspiele im Sortiment.

„Unser Streben ist, Kinder und Jugendliche an Bücher und ans Lesen heranzuführen“, betont Elke Berkenbusch, die ebenfalls dem Bücherei-Team angehört. Und dementsprechend biete man ein breit gefächertes Programm.

Dass die jedermann – also nicht nur Gemeindemitgliedern – offen stehende Bücherei wegen der Erweiterung der im gleichen Gebäude ansässigen kirchlichen Kindertagesstätte in diesem Jahr aus einem Raum mit 30 Quadratmetern Fläche in einen nur 18 Quadratmeter messenden Raum umziehen musste, ist da kein Widerspruch. Denn obwohl der Bücherbestand aufgrund der beengteren Platzverhältnisse um gut die Hälfte reduziert werden musste, sind die Regale – so Berkenbusch – mit den auszuleihenden Büchern und Medien immer noch „gut bestückt“. Außerdem sei die jetzige Lage im Hochparterre des Gemeindezentrums „Rote Schule“ besser als die vorherige Räumlichkeit im Obergeschoss. Denn an dem neuen Standort innerhalb des Gebäudes herrsche viel mehr „Durchgangsverkehr“.

Allerdings, räumt Berkenbusch ein, ist die Anzahl der Ausleihen im Vergleich der vergangenen zehn Jahren doch deutlich gesunken – und zwar geschätzt um rund 25 Prozent, wobei Mädchen mehr lesen als Jungs. Ursächlich hierfür sei die Konkurrenz durch digitale Medien wie Computerspiele und soziale Netzwerke im Internet, die oftmals einen größeren Reiz auf Kinder und Jugendliche ausübe. Außerdem würden Eltern heute nicht mehr so viel vorlesen, was ebenfalls dazu beitrage, dass das Interesse an Büchern abnimmt.

Vor diesem Hintergrund erklärt sich ein kleines Schild, das die sechs Ehrenamtlichen in „ihrer“ Bücherei aufgehängt haben: „Shock your parents, read a book“ ist darauf zu lesen – auf Deutsch: „Schock deine Eltern – lies ein Buch“!

Anfangs hatte die Ökumenische Kinder- und Jugendbücherei ihren Sitz übrigens in dem früheren Gemeindehaus der Stiftskirchengemeinde, bevor im Jahr 1996 der Umzug in die „Rote Schule“ erfolgte. Zum Team gehören außer Höfelmann und Berkenbusch noch Ines Möller, Regina Molitor, Gertrud Stoltze und Birgit Barth. Geöffnet hat die Bücherei dienstags und donnerstags von 15 Uhr bis 17 Uhr, freitags von 8.30 Uhr bis 10 Uhr und samstags von 9.45 Uhr bis 10.30 Uhr.

Autor und Foto:  Michael Werk Reporter

Wir danken der Schaumburger Zeitung für das Einverständnis zur Veröffentlichung.

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Buch des Monats November 2016

Anja Ackermann: Emi und Luna.

Eine Freundschaft mit Kawumm. Ein Huhn steht kopf

 Illustriert von Pe Grigo, 168 Seiten, ab 8 Jahren, Arena-Verlag 2014

06984_EmiundLuna.inddIn Luna Osterbergs Familie passieren andauernd komische Sachen. Großonkel Augustin der Erste ist Entdecker und Erfinder. Das Chaos, das seine streng geheimen Entwicklungen oftmals auslösen, nehmen seine Verwandten gelassen hin.

Lunas Eltern, ihr Bruder und ihre Tante Fee führen in den Augen von Emis Mutter ein chaotisches Hippie-Leben. Ihrer Tochter verbieten sie daher jeden Kontakt mit den Nachbarn. Eines Tages jedoch entwischt Emis kleiner Hund Kawumm durch die nachbarliche Dornenhecke. Ihr bleibt nichts weiter übrig als ihm zu folgen.

Da stößt sie auf Luna und ihr eisernes Huhn Mathilde. Das Mädchen sieht in der Tat komisch aus – kein Kleidungsstück passt zueinander. Aber Luna ist nett und die beiden Kinder verstehen sich auf Anhieb. Nach Großonkel Augustins Plan sollte Mathilde eigentlich eine Eierlegemaschine werden . . .   Seine neueste Kreation sind Verjüngungspillen in Form von Zuckerperlen. Doch diesmal ist er wohl zu weit gegangen, denn jeder, der davon nascht, wird ganz wer anders; so auch Kawumm, Mathilda und selbst die dicke Stubenfliege Holda, die durch das Buch schwirrt.

Der Verlauf der Handlung und die damit verbundenen Turbulenzen sind damit vorhersehbar.  Anja Ackermann erzählt mit viel Humor und originellen Darstellern eine kurzweilige Geschichte. Der Text ist aufgelockert gedruckt und auf allen Seiten witzig illustriert (zweifarbige Zeichnungen, Sprechblasen, Lautmalereien).

Da Emi und Luna zwei von den vermeintlichen Verjüngungspillen für sich aufgehoben haben, ist klar, die Geschichte geht weiter.

Der Titel des zweiten Bandes lautet: Emi und Luna. Eine Freundschaft mit Kawumm. So ein Affentheater.

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Buch des Monats Oktober 2016

Jenny Nimmo:  Die silberne Spinne

Aus dem Englischen von Caroline Fichte , 176 Seiten, ab 8 Jahren,                                                 Ravensburger Buchverlag 2007

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Gwyn Griffith lebt mit seinen Eltern auf einer kleinen Farm in Wales. Sein Leben ist trostlos, seit seine ältere Schwester Meggan spurlos verschwunden ist. Eigentlich wollte sie in einer stürmischen Nacht nur das Lieblingsschaf ihres Bruders retten. Sie wurde nie wieder gesehen. Der Vater macht seinen Sohn für das Verschwinden seiner Tochter verantwortlich und nimmt der Familie jegliche Lebenslust.

Gwyns Großmutter leidet mit ihrem Enkel. In dem Bemühen um einen Ausweg besinnt sie sich auf die magischen Kräfte ihrer Vorfahren. Zu seinem Geburtstag schenkt sie ihm fünf rätselhafte Gegenstände: eine verbogene Blechbrosche, ein Stück Seetang, ein gelbes Kopftuch, eine Blechflöte und ein kleines kaputtes Pferd. „Es ist an der Zeit, dass wir herausfinden, ob du ein Zauberer bist.“, meint sie und offenbart ihm das Familiengeheimnis. Damit erweckt sie in ihm die Hoffnung, mit Hilfe der Magie seine Schwester zurückzubringen. Gwyn erkennt rasch, dass er über Zauberkräfte verfügt. Der Anweisung der Großmutter entsprechend übergibt er die Gegenstände nach und nach der Kraft des Windes – der ja die Schwester geraubt hat – und wird dabei in fantastische und spannende Erlebnisse verwickelt.

Die Geschichte erhält ihren Reiz aus dem Wechsel von Alltagsrealität und Fantasiewelt. Gedämpfte Textpassagen vermitteln dem Leser Gwyns Einsamkeit (Er darf sein Geheimnis niemandem anvertrauen.), auch seine Hilflosigkeit und Verzweiflung angesichts der dramatischen, übermächtigen Ereignisse. Hier bietet ihm die Großmutter, zu der er ein sehr vertrautes Verhältnis hat, Rückhalt und Zuflucht. Durch sie erhält der Text eine wunderbar humorvolle Komponente. (Eigenwillig wie sie ist, dürfen bei ihr auch schon mal die Hühner im Haus ihre Eier legen.)

In der Abfolge des Textes wird nacheinander die Wirkung eines jeden magischen Gegenstandes beschrieben. Mit dem kaputten Pferd, das nicht grundlos mit einem Zettelaufdruck: „Nicht dieses!“ versehen ist, strebt die Handlung zum Schluss einem dramatischen Höhepunkt entgegen.

Das vorliegende Buch ist der erste Band einer Trilogie. Ihm folgen „ Der silberne Mond“ sowie „Der silberne Prinz“. Jenny Nimmo ist die Autorin der erfolgreichen „Charlie Bone“-Bücher.

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